Klimabeiräte: So sollten Kommunen in Klimaschutz investieren

Klimabeiräte mit "historischem" Aufruf:So sollten Kommunen in Klimaschutz investieren

Elisa Miebach

von Elisa Miebach

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100 Milliarden bekommen Kommunen für Infrastruktur - die Klimabeiräte der Länder warnen vor Fehlinvestitionen. Sie fordern, Städte fit zu machen für eine neue Welt im Klimawandel.

Nordrhein-Westfalen, Köln: Bauarbeiter arbeiten an einem Rohbau für Eigentumswohnungen im Stadtteil Ehrenfeld.

Aus einem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur fließen 100 Milliarden Euro an Länder und Kommunen. Die Klimabeiräte der Länder mahnen, damit Städte fit für den Klimawandel zu machen.

19.02.2026 | 2:42 min

Sie ist nur eine von Abertausenden Schulen deutschlandweit, die sanierungsbedürftig sind: Die Helen-Keller-Realschule in München wird für rund 142 Millionen Euro von der Stadt renoviert. Dazu gehören neben Anbau und neuer Sporthalle auch: Begrünung auf Dach, Fassade und im Innenhof sowie eine neue Dämmung für das bestehende Gebäude.

Appell: Sondervermögen klimafest investieren

Was auf den ersten Blick wie ein relativ unbedeutendes Facelifting erscheint, ist für die Experten der Klimabeiräte der Bundesländer eine bedeutende strategische Investition. In einem länderübergreifenden Appell fordern sie, dass die Kommunen ihren Teil des von der Bundesregierung bewilligten Sondervermögens klimafest investieren.

Karen Pittel, Ökonomin am Ifo-Institut und Mitglied des Klimabeirats der bayerischen Landesregierung, erklärt:

Wenn die Kommunen oder auch Länder Geld aus dem Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen einsetzen, dann bestimmen sie natürlich schon, wie die Lebenswelt in 50, in 80, in 100 Jahren aussehen wird.

Prof. Karen Pittel, Ifo-Institut

In einer Welt also, in der Deutschland klimaneutral sein wolle, in der aber auch potenziell wesentlich höhere Temperaturen und damit auch mehr Extremwetterereignisse vorherrschten, so Pittel.

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Grünflächen gegen Hitze und Überschwemmungen

Für die Helen-Keller-Realschule heißt das: An Tagen mit extremer Hitze kühlen die grünen Fassaden und das grüne Dach das Gebäude. Starker Regen kann in Versickerungsflächen im Innenhof aufgefangen werden, statt auf versiegelter Fläche zu Überschwemmungen zu führen.

Die Dämmung der Wände führt nicht nur zu geringeren Heizkosten, sondern ist bereits ein Schritt in eine klimaneutrale Welt. München will bis 2035 komplett klimaneutral sein, Deutschland bis 2045.

100 Milliarden bekommen die Bundesländer aus dem Topf der 500 Milliarden des Bundes-Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz. Diese 100 Milliarden für Länder und Kommunen sind aber nicht an Vorgaben wie Klimaschutz gebunden.

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Erstmals schließen sich Klimabeiräte zusammen

Zum ersten Mal haben sich die Klimabeiräte der Bundesländer mit diesem Appell länderübergreifend zusammengeschlossen. Anlass ist eine Sitzung der Finanzministerkonferenz.

Klimabeiräte sind unabhängige Expertengremien, die Landespolitik und Behörden bei Fragen rund um Emissionssenkung und Klimafolgen beraten. Sie bringen wissenschaftliche Analysen und praktische Fachkenntnisse in politische Entscheidungen ein und wollen so eine langfristig ausgerichtete Klima- und Infrastrukturpolitik stärken. In inzwischen elf Bundesländern arbeiten solche Beiräte dauerhaft mit.


Das Sondervermögen in dieser Höhe sei eine historische Chance, mit der aber auch eine historische Verantwortung einhergehe, sagt Cornelia Auer, Leiterin der Geschäftsstelle des Klimabeirats von Brandenburg am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

US-Präsident Donald Trump spricht am 12. Februar 2026 in Begleitung von Lee Zeldin, dem Leiter der Umweltschutzbehörde EPA, im Roosevelt Room des Weißen Hauses in Washington, DC, USA. Präsident Trump kündigte an, dass seine Regierung die „Gefährdungsfeststellung” der EPA aus dem Jahr 2009 aufheben werde – ein wegweisender Schritt, der der Behörde ihre primäre gesetzliche Befugnis zur Regulierung von Treibhausgasemissionen im Rahmen des Clean Air Act entzieht.

Der US-Präsident hat die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Treibhausgase gesundheitsschädlich sind, für ungültig erklären lassen. Scharfe Kritik kommt von Experten und Opposition.

12.02.2026 | 2:06 min

Investitionen in Sicherheit und Unabhängigkeit

Die Klimabeiräte appellieren, die Mittel in vier Bereichen zu investieren. Dazu gehöre eine Energie- und Wärmewende für mehr Sicherheit und Unabhängigkeit, inklusive Ausbau von Netzen und Speichern, um weniger auf fossile Energien angewiesen zu sein.

Außerdem solle die Elektrifizierung des ÖPNV vorangebracht sowie Rad- und Fußwege ausgebaut werden, um die Luft- und Lebensqualität in Städten zu verbessern.

Kommunen sind entscheidend

Laut den Beiräten sollten Gebäude, Straßen und kritische Infrastruktur fit gemacht werden, um Extremwettern standzuhalten. Dafür brauche es unter anderem auch Wasserrückhaltebecken - zudem um die Städte herum Waldumbau und Moorschutz. Außerdem sollten Forschung und Bildung in diesen Bereichen gestärkt werden.

Die Kommunen spielen eine wichtige Rolle, so die Beiräte in ihrem Appell, da die meisten Maßnahmen vor Ort umgesetzt werden müssten.

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Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gehen voran

Einzelne Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz hätten bereits feste Quoten eingeführt, sodass ein bestimmter Teil des Sondervermögens etwa für energetische Sanierung eingesetzt werden muss.

Die Energiewende, die Mobilitätswende und die Anpassung an den Klimawandel seien keine Nebenprojekte - sie seien die zentralen Handlungsfelder für die Nutzung der Sondervermögensmittel, sagt Ulrike Jordan, Mitglied im Wissenschaftlichen Klimabeirat der Hessischen Landesregierung. "Die Kommunen sind die ersten Adressaten der Mittel." Doch:

Ohne verbindliche Vorgaben riskieren wir, dass sie in die falschen Kanäle fließen und die Klimaziele nicht erreicht werden.

Prof. Ulrike Jordan, Uni Kassel

Elisa Miebach ist Reporterin in der ZDF-Umweltredaktion.

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Über das Thema berichtete ZDFheute am 19.02.2026 um 16:40 Uhr in dem Beitrag "Klimabeiräte fordern Klimaschutz in Kommunen".

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