Vergütung für Solarstrom kürzen?:Solar-Pläne von Reiche: Was Fachbetriebe und Experten sagen
von Oliver Deuker
Die Einspeisevergütung für Solaranlagen bis 25 Kilowatt Leistung soll nach Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums teils oder ganz wegfallen. Was sagen Besitzer und Experten dazu?
Bundeswirtschaftsministerin Reiche treibt ihre Reformpläne zum Erneuerbare-Energien-Gesetz voran. Die garantierte Einspeisevergütung für kleine Privatanlagen soll laut einem Entwurf wegfallen.
20.03.2026 | 0:37 min"Ich finde es einfach nicht fair. Da macht man was für die Umwelt, will seinen Beitrag leisten und wird am Ende bestraft", sagt Christian Biehl aus dem hessischen Schlangenbad. 9,2 Kilowatt leistet die 12.000 Euro teure Anlage auf seinem Dach. Einen teuren Stromspeicher hat er nicht, weil Biehl jede Kilowattstunde ins Netz einspeist. So bekommt er statt 7,8 Cent pro eingespeister Kilowattstunde 12,6 Cent.
Zwar zahlt er 32 Cent pro Kilowattstunde aus dem Netz, um seine Elektrogeräte, Licht und sein E-Fahrzeug zu betreiben. Doch wirtschaftlich fahre er so besser, hat er ausgerechnet. Bei seinem Verbrauch könnte sich die Investition derzeit in zwölf Jahren rechnen - wenn alles so bleibt.
Die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung ignoriert nach Ansicht von Wissenschaftlern die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes und verschiebt wirksamen Klimaschutz in eine unbestimmte Zukunft.
17.03.2026 | 10:13 minPhotovoltaik produzierte 2025 mehr Strom als Braunkohle oder Gas
2025 erzeugten die Photovoltaik-Anlagen mithilfe der Sonne in Deutschland rund 88 Terrawattstunden Strom. Laut Fraunhofer-Gesellschaft entsprach das etwa 18,3 Prozent der deutschen Stromerzeugung. Damit übertraf die Photovoltaik Erdgas (etwa 16,5 Prozent) oder Braunkohle (etwa 14 Prozent).
Anteile von Photovoltaik, Erdgas, Braunkohle an der deutschen Stromerzeugung.
Quelle: ZDF-InfografikEtwa 68 Terrawattstunden des Solarstroms wurden demnach ins öffentliche Netz eingespeist. Nach Schätzungen des Landesverbands Erneuerbare Energien Niedersachsen / Bremen (LEE) wurden etwa 38 Prozent des Solarstroms von Anlagen mit einer Maximalleistung von 25 Kilowatt erzeugt.
Um Steuergelder zu sparen, möchte Wirtschaftsministerin Reiche die staatliche Förderung für kleine Solaranlagen streichen. Ob sie sich in der Koalition dursetzen kann, ist noch offen.
27.02.2026 | 1:29 minVerband für Erneuerbare Energien: Reiche verunsichert Branche
Sollte die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ihre Pläne umsetzen, wird sich die Menge des eingespeisten Solarstroms ändern, prognostiziert Silke Weyberg, Geschäftsführerin des LEE: "Die aktuellen Pläne von Katherina Reiche gefährden die Planungs- und Investitionssicherheit in der Branche sowie auf Seiten der Verbraucher."
Die Verunsicherung spiegele sich auch in einem deutlichen Anstieg von Kundenanfragen für Dachanlagen wider, sagt Weyberg.
Sollte die Förderung neuer privater Solaranlagen tatsächlich gestrichen werden, hätte das desaströse Folgen für den weiteren Ausbau der heimischen Energieerzeugung und die Teilhabe der Menschen an der Energiewende.
Silke Weyberg, Geschäftsführerin des LEE
Wirtschaftsministerin Reiche will einen Kurswechsel bei der Energiewende einläuten. Ihr Plan, die Förderung kleiner Solaranlagen zu streichen, stößt auf Kritik. Und nicht nur der.
11.08.2025 | 1:31 minFachbetrieb: Solarstrom sollte vor Ort verbraucht werden
Die Firma Zulauf & Steinert GmbH sitzt in Hohenhameln bei Hannover: Elektro, Wärme, Solar, ein Fachbetrieb. Firmenchef Jörn Lahmann hält Reiches Pläne für volkswirtschaftlich sinnvoll, glaubt, dass kleine Photovoltaik-Anlagen bis circa zehn Kilowatt schon ohne die Einspeise-Förderung wirtschaftlich betrieben werden können: "Die Eigentümer können selbst Energie erzeugen und müssen sich überlegen, was sie damit machen und nicht bedingungslos die Überschüsse an die Allgemeinheit abgeben."
Das sei in der Marktwirtschaft immer so und könnte man nach 20 Jahren erwarten:
Man muss den Strom da verbrauchen, wo man ihn erzeugt, vielleicht auch das Auto des Nachbarn mal mit aufladen, wenn dieser zu Hause ist, das eigene Auto geladen oder unterwegs ist.
Jörn Lahmann, Fachbetrieb für Solaranlagen
Die Energiekosten in Deutschland seien zu hoch, sagt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Deshalb seien Korrekturen bei der Energiewende vonnöten.
15.09.2025 | 8:54 minBesitzer: Mehr Eigenverbrauch bei sinkender Förderung
Es sei immer eine Einzelfallprüfung, aber grundsätzlich seien kleine Photovoltaik-Anlagen am rentabelsten beim Eigenverbrauch, so Lahmann. Erst recht, wenn die Einspeisevergütung weiter gekürzt oder ganz wegfallen sollte.
"Würde sich das deutlich reduzieren, was ich derzeit bekomme, würde ich umschalten und so viel wie möglich des produzierten Stromes selbst verbrauchen", sagt Biehl. "Am Ende zählt auch das gute Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben."
Das hessische Dorf Bracht heizt mit Sonnenenergie: Ein Großteil des Wärmebedarfs im Ort kann dank Tausender Solarthermie-Kollektoren gedeckt werden.
08.01.2026 | 1:54 minEnergiesicherheit: Fachbetrieb fordert flexible Strategien
"Gerade in Zeiten, in denen Resilienz im Energiebereich so wichtig ist wie nie zuvor, wäre das ein vollkommen falsches Signal", kritisiert Weyberg vom LEE. "Zeitgemäße Politik würde hier auf gezielte Anreize setzen, nicht auf neue Hürden. Gerade die Technologie, die Millionen von Hausbesitzern zu einem wichtigen Teil der Energiewende macht und gesellschaftliche Akzeptanz schafft, soll nun belastet werden."
Auch wenn er vielleicht ein paar Solaranlagen weniger verkauft, um sein Geschäft fürchtet Lahmann nicht. Seine Sicht: "Früher hatten wir einen Energiemix. Ich glaube wir brauchen langfristige flexible Strategien. Uns wird immer vorgegaukelt, dass regenerativ produzierter Strom die alleinige Lösung ist. Das glaub ich nicht. Von einem Industrieland mit günstiger Energie sind wir weit entfernt."
Oliver Deuker berichtet aus dem ZDF-Studio in Niedersachsen.
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