Kernfusion: Kommt schon bald der Durchbruch für die Energiewende?

Forschung an Zukunftstechnologie:Kernfusion: Die Lösung aller Energieprobleme?

Andreas Weise, ZDF-Landesstudioleiter in Sachsen-Anhalt

von Andreas Weise, Berlin

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Seit Jahrzehnten wird an der Kernfusion als Zukunftstechnologie gearbeitet. Jetzt soll bald der Durchbruch gelingen. Und Deutschland will dabei Vorreiter sein.

Ein Modell eines Kernfusionsreaktor ist zu sehen

Es ist das Ziel der Bunderegierung, in Deutschland den ersten funktionstüchtigen Fusionsreaktor der Welt anzuschließen. Eine Studie des DIW hält dies für unrealistisch.

17.02.2026 | 3:00 min

Im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung steht, dass in Deutschland das erste Fusionskraftwerk weltweit an den Start gehen soll. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die Windenergie jüngst als Übergangstechnologie - bis dann endlich die Fusionskraftwerke da wären. Dann werde Strom so günstig, "dass es keine anderen Erzeugungsmethoden mehr braucht", so der Kanzler. Wunschdenken oder realistische Zukunftsvision?

Bei der Kernfusion wird die Arbeitsweise der Sonne kopiert. Diese sendet seit Milliarden Jahren die Energie aus, die für Leben auf der Erde sorgt. Die Sonne besteht fast vollständig aus einem einfachen Wasserstoff-Plasma. Dabei werden die Protonen miteinander unter Freisetzung von Energie fusioniert.

600 Millionen Tonnen Wasserstoff pro Sekunde werden so zu 595 Millionen Tonnen Helium verbrannt. Die Differenz ergibt dann die Energie, die die Sonne strahlen lässt. Und sie hat noch genug Reserven für weitere vier Milliarden Jahre.


Grafikvideo erkläürt, wie Kernfusion vor sich geht.

Die 3D-Animation erklärt Kernfusion. Aus Wasserstoff-Atomkernen, die verschmelzen, gewinnt sie viel Energie. Ähnlich wie die Sonne.

17.02.2026 | 0:29 min

Kein hochradioaktiver Atommüll, billige Grundstoffe

Der große Vorteil der Kernfusion gegenüber der Atomenergie: Es entsteht nur schwach- bis mittelradioaktiver Atommüll. Der muss zwar auch gelagert werden, allerdings wird die Radioaktivität deutlich schneller abgebaut und das Gesundheitsrisiko für Mensch und Umwelt wäre signifikant niedriger.

Und im Gegensatz zu herkömmlichen Energiequellen wäre dies ein Quantensprung in der Effektivität. Ein Gramm Brennstoff könnte in einem Fusionskraftwerk so viel Energie freisetzen wie elf Tonnen Kohle. Die nötigen Ausgangsstoffe - Deuterium und Tritium - sind Wasserstoffderivate.

Herausforderung: Extrem hohe Temperaturen

In der Realität erweist es sich jedoch als äußerst schwierig und aufwändig, die extrem hohen Temperaturen von bis zu 150 Millionen Grad Celsius in den Reaktoren zu erzeugen, die für die Fusion benötigt werden. Bisher ist es auch nicht gelungen, den Prozess länger als 22 Minuten laufen zu lassen.

Um wirklich die Energiequelle der Zukunft zu sein, müsste so ein Fusionsreaktor rund um die Uhr in Betrieb sein. Und der Grundstock an den Ausgangsmaterialien Deuterium und Tritium ist derzeit noch zu gering.

Beispielbild eines Hochspannungsmasten

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Forschung, Start-Ups und Milliarden vom Bund

Viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen versuchen aber weiterhin, diese quasi unendliche Energiequelle anzuzapfen. In Deutschland betreibt das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) zwei Versuchsreaktoren - in Garching bei München und in Greifswald. Auch vier Start-ups wollen mitmischen - zwei in München, Proxima Fusion und Marvel Fusion, und zwei in Südhessen, Gauss Fusion in Hanau und Focused Energy in Darmstadt.

Das Bundesforschungsministerium schießt zwei Milliarden Euro Forschungsförderung zu, auch private Geldgeber sind dabei. Und die scheinen durchaus überzeugt zu sein, dass das in absehbarer Zeit klappt mit der Kernfusion.

Das Start-up Marvel Fusion hat 350 Millionen Euro an Kapital eingesammelt und kooperiert mit Siemens Energy und mit der Colorado State University. "Dann haben wir für Anfang der 30er (Jahre) einen Prototyp geplant, mit dem wir zum ersten Mal die Schwelle zur Energiegewinnung überschreiten wollen. Und Mitte der 30er kommt dann ein kommerzielles Kraftwerk", so Sophia Spitzer von Marvel Fusion.

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Kritik am politischen Versprechen der Kernfusion

Claudia Kempfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), glaubt nicht an solche Pläne. Eine gemeinsame Studie des DIW mit der TU Berlin kommt zum Schluss, dass die kommerzielle Nutzung der Kernfusion nicht so schnell kommt, wie von Politik und Start-ups verkündet.

"Aus unserer Sicht ist es ein sehr stark politisch motiviertes Versprechen, weil weder technologisch noch innovationstechnisch es wirklich hergibt, dass man davon ausgehen kann, dass in einigen Jahrzehnten ein Fusionskraftwerk in Deutschland stehen wird", sagt Kempfert.

Insofern kann man daran forschen, aber es wird keine kommerzielle Nutzung geben können.

Claudia Kempfert, DIW

Doch durch die Start-ups gibt es eine neue Dynamik im Fusionsmarkt, gibt Prof. Robert Wolff vom IPP zu bedenken. Er rechnet damit, dass viele Entwicklungen nun parallel ablaufen und so das Tempo stark anziehen wird.

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US-Präsident Trump steigt in Fusionsenergie ein

Im Dezember 2025 stieg selbst der Erdöl-Fan Donald Trump in die Kernfusion ein. Sein Unternehmen Trump Media and Technology Group (TMTG) hat mit TEA Technologies fusioniert. Ziel ist, in sechs Jahren weltweit das erste kommerzielle Fusionskraftwerk an den Start zu bringen.

Ob es klappt, in absehbarer Zeit zumindest ein Fusions-Kraftwerk zum Laufen zu bringen, ist derzeit immer noch offen. Wenn ja, könnte sie helfen, den immer größer werdenden Energiehunger der Welt zu stillen.

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Quelle: dpa

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Über das Thema berichtete am 17.02.2026 die Sendung heute ab 19:00 Uhr.

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