Rückzug der "Gefährdungsfeststellung":USA: Was Trumps neue Attacke auf den Klimaschutz bedeutet
von Mark Hugo
Klimawandel-Leugner Trump hat nun auch die so genannte "Gefährdungsfeststellung" gekippt. Banal ist das nicht. Damit entfällt die Basis für eine ganze Reihe von Klimaschutz-Regeln.
US-Präsident Trump hat die Grundlage des Klimaschutzes in den USA widerrufen. Trotz klarer wissenschaftlicher Lage sollen Treibhausgase nicht mehr als gesundheitsschädlich gelten.
13.02.2026 | 1:27 minEs klingt fast ein bisschen nebensächlich, wenn die Trump-Administration in den USA nun die so genannte "Gefährdungsfeststellung" zurücknimmt. Das ist es aber nicht. Kurz gesagt stellt diese wissenschaftlich fundiert fest, dass Treibhausgase eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen darstellen.
Da der bekennende Klimaschutz-Gegner Donald Trump bereits den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimavertrag vollzogen und den aus der zugrundeliegenden UN-Klimarahmenkonvention angekündigt hat, verwundert das nicht wirklich. Trotzdem hat dieser nächste Schritt große Folgen.
Grundlage für viele Regeln zum Kampf gegen den Klimawandel
Die Gefährdungsfeststellung (Endangerment Finding) hatte die US-Umweltbehörde EPA 2009 unter US-Präsident Barack Obama veröffentlicht - auf Basis wissenschaftlicher Studien. Sie war die Grundlage dafür, den "Clean Air Act", also das Luftreinhaltegesetz, sozusagen zu erweitern. Jahrzehntelang galt das Gesetz nur für Schadstoffe wie Blei, Ozon und Ruß.
Die USA sind nach China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen weltweit. Nach Daten des Global Carbon Budgets lag etwa der Ausstoß von Kohlendioxid aus fossilen Quellen 2024 bei 4,9 Milliarden Tonnen. Zum Vergleich: Der der gesamten EU lag bei 2,43 Milliarden Tonnen. Pro Kopf verursachte jeder US-Bürger 14,2 Tonnen CO2. Der weltweite Durchschnitt liegt bei rund 4,7 Tonnen, der in der EU bei etwa 5,4 Tonnen.
Mit der Gefährdungsfeststellung erlaubte es der EPA nun auch Auflagen und Qualitätsstandards für sechs Treibhausgase, darunter CO2 und Methan, festzulegen. Sie war damit zentral für viele Klimaschutzmaßnahmen in den USA. Dass sie die EPA nun zurückzieht, nennt Trump die "größte Deregulierungsmaßnahme in der amerikanischen Geschichte".
Während Trumps Amerika Klimaschutz aktiv bekämpft und der Green Deal in Europa wankt, werden die Elektrifizierung und die Dekarbonisierung für China zum Exportschlager.
09.11.2025 | 43:16 minStrenge Abgasstandards könnten nun fallen
Experten erwarten, dass das nun die Rücknahme vieler Bestimmungen nach sich ziehen wird. Dazu zählen auch Abgasstandards für Autos. Ex-Präsidenten Joe Biden hatte strenge Vorschriften durchgesetzt: Im Flottendurchschnitt des Modelljahres 2031 müssen danach umgerechnet etwa 4,7 Liter Kraftstoff für rund 100 Kilometer ausreichen.
Das sollte Verbraucher finanziell entlasten und dem Klimaschutz helfen. Die Autobranche sah das weitgehend kritisch. Die Regeln hätten zu Kosten im Umfang von Billionen Dollar geführt, die ganze Sektoren der US-Wirtschaft, vor allem die Autoindustrie, abgewürgt hätten, sagt auch Trumps aktueller EPA-Chef Lee Zeldin jetzt.
Forscher sehen direkte Bedrohung "unserer Zukunft"
Heftige Kritik an Trumps neuer Attacke auf den Klimaschutz kommt dagegen von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der American Geophysical Union (AGU):
Das ist das Zurückweisen etablierter Wissenschaft, das Leugnen eines Kampfes, den wir gerade kämpfen, und eine direkte Bedrohung unserer gemeinsamen Zukunft.
Statement der AGU
Christoph Bals, politischer Analyst bei Germanwatch, sieht in Trumps Kurs einen Fehler, der vor allem den USA selbst schade: "Der US-Präsident ist für eine Verlängerung des fossilen Geschäftsmodells bereit, Zukunftsindustrien abzubremsen und anderen Regionen in der Welt die Führung dabei zu überlassen."
US-Umweltverbände wie der "Natural Resources Defense Council" und auch die American Public Health Association haben bereits Klagen gegen den Rückzug angekündigt. "Er ist unwissenschaftlich, schlecht für die Wirtschaft und er ist illegal", so Manish Bapna vom Council.
Ein internationales Forscherteam sieht die Erde nah an kritischen Kipppunkten, die auf lange Sicht stabile Lebensbedingungen gefährden. Noch bleibe ein kurzes Zeitfenster.
11.02.2026 | 0:29 minKlagen gegen Rücknahme bereits eingereicht
Ihr Argument: Die Rücknahme der Gefährdungsfeststellung verstoße gegen ein Urteil des Obersten US-Gerichts von 2007, nach dem Treibhausgase als Schadstoffe gelten und von der EPA demnach reguliert werden müssen. Auf dieser Grundlage haben Gerichte Klagen gegen die Feststellung bereits mehrfach zurückgewiesen.
Ob bis in die höchste Instanz auch diesmal im Sinne der Klimaschützer entschieden werden wird, ist allerdings fraglich. Das Oberste Gericht ist inzwischen anders besetzt - mit vielen Trump-freundlichen Richtern. So oder so könnte die juristische Auseinandersetzung Jahre dauern.
Trump kann Energiewende nicht mehr "dauerhaft ausbremsen"
Ob die US-Regierung mit ihrem Anti-Klimaschutz-Kurs überhaupt die Energiewende im Land noch stoppen kann, sei offen, sagt Christoph Bals. "Dauerhaft ausbremsen kann sie sie definitiv nicht, denn Physik und Wirtschaftlichkeit stehen dagegen." Immerhin mehr als die Hälfte der Investitionen in Erneuerbare Energien in den USA wurden in Staaten getätigt, die von Republikanern regiert werden.
Das zeigt, dass zunehmend der Markt die Ideologie schlägt.
Christoph Bals, Germanwatch
Und noch eine Zahl: Mehr als 60 Prozent des US-Ausstoßes von Treibhausgasen entstehe laut Bals in Bundesstaaten, die sich weiterhin dem Klimaabkommen von Paris verpflichtet sehen. Diese vor allem aber andere wichtige Player wie die EU, müssten nun Handlungsfähigkeit zeigen.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
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