Neuer Anlauf beim Gebäudeenergiegesetz:"Heiz-Hammer", die Zweite?
von Karl Hinterleitner
Das "Heizungsgesetz" ist das wohl umstrittenste Reformprojekt der Ampel. Es soll Deutschlands Weg zur Klimaneutralität beschleunigen. Nun startet Schwarz-Rot einen neuen Anlauf.
Die Bundesregierung plant, ihre Eckpunkte für eine Reform des Heizungsgesetzes in dieser Woche vorzulegen. Das hatte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch angekündigt.
23.02.2026 | 0:32 minRund ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland stammen aus dem Gebäudesektor. Vor allem veraltete Öl- und Gasheizungen gelten als Klimasünder. Neue Heizsysteme sollen künftig stärker auf Wärmepumpen, Fernwärme, Solarthermie oder Biomasse setzen.
Übergangsfristen und Ausnahmen für Heizungen
In Neubauten gilt die Regel bereits flächendeckend. In Bestandsgebäuden greift sie dagegen laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern spätestens Mitte 2026, in kleineren Kommunen spätestens Mitte 2028. Wird in einer Kommune schon vorher eine Entscheidung über die Ausweisung als Gebiet zum Neu- oder Ausbau eines Wärmenetzes auf der Grundlage eines Wärmeplans getroffen, wird dort der Einbau von Heizungen mit 65 Prozent Erneuerbaren Energien schon dann verbindlich.
Wer eine funktionierende Öl- oder Gasheizung besitzt, muss sie nicht sofort austauschen. Erst wenn eine Heizung irreparabel ausfällt, greift die 65-Prozent-Regel, nach der neue Heizungen zu 65 Prozent aus Erneuerbaren Energien gespeist werden müssen. Zudem gibt es Übergangsfristen, Förderungen und Härtefallregelungen.
Beim Klimaschutz kommt Deutschland nur schleppend voran. Die Regierung hat große Ziele, doch viele Fragen bleiben offen. Warum zentrale Reformen stocken und steigende CO2-Preise verunsichern.
08.01.2026 | 3:23 minKritik am Heizungsgesetz: zu bürokratisch, zu zögerlich
Trotz diverser Nachbesserungen war das Gesetz immer umstritten. Vor allem in der CDU/CSU findet man die Vorgaben zu bürokratisch und Förderbedingungen zu unklar. Aber auch Klimaschützer und Umweltverbände sind unzufrieden: Sie halten das Gesetz für zu zögerlich und warnen, dass Übergangsfristen und Ausnahmen den Umbau zu stark verlangsamen.
Ein allseits unbeliebtes Gesetz: kein Wunder, dass die neue Regierung sich von diesem Image möglichst weit distanzieren wollte. Im Koalitionsvertrag hatte sich Schwarz-Rot sogar darauf geeinigt, das Heizungsgesetz "abzuschaffen". Was daraus geworden ist, darauf darf man jetzt gespannt sein. In dieser Woche sollen die Eckpunkte des neuen Gesetzes präsentiert werden.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) gibt es eigentlich schon seit 2020. Seitdem regelt es die Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden und zum Beispiel auch den Einsatz von Energieausweisen. Zum "Heizungsgesetz" wurde es erst Anfang 2024, nachdem eine Änderung den Einsatz erneuerbarer Energie beim Einbau neuer Heizungen auf mindestens 65 Prozent festlegte. Dafür gibt es aber viele Ausnahmen.
Die Diskussionen nach dieser Novelle waren groß und wurden nicht immer sachlich geführt. Von "Austauschpflicht" war die Rede und vom "Heizhammer". Dahinter stand die Angst vor sozialen Härten. Die daraufhin entschärfte Variante - so sind etwa auch Gasheizungen erlaubt, die in Zukunft auf den möglichen Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet werden können - gilt bis heute.
Neue Heizungen: Wie groß soll der Anteil an Erneuerbaren Energien sein?
Eine große offene Frage ist, ob neu eingebaute Heizungen weiterhin zu 65 Prozent aus Erneuerbaren Energien gespeist werden müssen. Davon hängen Investitionen in Milliardenhöhe ab. Werden in deutschen Wohngebäuden in den kommenden Jahren größtenteils Wärmepumpen eingebaut? Warten Stadtbewohner auf neue Wärmenetze, oder kaufen sie einfach weiter Gasheizungen?
Das Heizungsgesetz sollte Deutschlands Weg zur klimaneutralen Wärme ebnen - ein Spagat zwischen Klimaschutz, Planungssicherheit und sozialer Zumutbarkeit.
Investitionsklarheit schaffe man nicht, indem man Gesetze anzweifele, so Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zur Debatte um neues Gebäudeenergiegesetz.
01.02.2026 | 4:57 minHabecks "Heiz-Hammer" zu Ampel-Zeiten
Der erste Versuch ging daneben. Robert Habecks "Heiz-Hammer" ist als Begriff in die politische Geschichte eingegangen. Die neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kann hier vielleicht einen Neustart machen, was das verheerende Image betrifft, inhaltlich kann sie das Rad nicht neu erfinden. Die Gebäude emittieren immer noch genauso viel CO2 wie unter der Ampel, und auch die Klimaschutzziele gelten weiterhin.
Man darf gespannt sein, welche Änderungen es in dieser Woche überhaupt geben wird. Besonders tiefgreifend dürften sie nicht sein. Die größte bekannte Neuerung liegt ausgerechnet im Namen: Das "Gebäudenergiegesetz" (GEG) soll dann bald "Gebäudemodernisierungsgesetz" (GMG) heißen. Zumindest der Begriff aus der Ampel-Zeit, er wird tatsächlich abgeschafft - immerhin.
Karl Hinterleitner ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio.
Verkaufszahlen 2025 erneut gesunken:Heizungsbranche meldet schwächsten Absatz seit 15 Jahren
mit Video0:22Neues Heizungsgesetz wohl bis Frühjahr:Bringt 2026 ein neues Heizungs-Chaos?
von Mark Hugomit Video3:23- Exklusiv
Erneuerbare Energien weltweit:Solarausbau: Deutschland unter Top 5
Video0:22