Wie die Energiekrise die Klimaverhandlungen in Bonn beeinflusst

UN-Klimaverhandlungen in Bonn:Teure Energie: Momentum für die Klimapolitik?

Elisa Miebach

von Elisa Miebach, Bonn

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Mitten in der Energiekrise wird Bonn zum Zentrum der internationalen Klimadiplomatie. Warum die hohen Öl- und Gaspreise neuen Schwung in die Verhandlungen bringen.

Zu sehen ist ein Mann der in einer knienden Position ein Solarmodul inspiziert.

Steigende Öl- und Gaspreise und die Energiekrise bestimmen den Diskurs vor den Zwischenverhandlungen in Bonn. Das könnte auch mehr Tempo bei der Energiewende hin zu den Erneuerbaren bringen.

Quelle: AP

Der Verhandler von Fidschi hätte beinahe nicht nach Bonn reisen dürfen. Dabei begannen hier am Montag die wichtigsten Verhandlungen vor der großen Klimakonferenz Ende des Jahres - besonders relevant für Staaten wie Fidschi, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind.

Aufgrund der durch den Iran-Krieg verursachten hohen Energiepreise hatte der Pazifikstaat ein Reiseverbot für Regierungsbeamte erteilt. Die Energiekrise halte Regierungen weltweit wirtschaftlich im "Würgegriff", so formulierte es der Chef des Klimasekretariats der Vereinten Nationen, Simon Stiell, in seiner Eröffnungsrede.

Waage mit Figuren an beiden Enden. In der Mitte ist eine Solarzelle zu sehen.

Wir stecken mitten in der Energiewende. Lange ging es nur um den Ausbau erneuerbarer Energien. Jetzt schiebt sich eine andere Frage in den Vordergrund: Wer zahlt den Preis dafür?

17.04.2026 | 43:49 min

Energiekrise prägt UN-Klimaverhandlungen in Bonn

Die Energiekrise bestimmt die Gespräche auf den UN-Klimazwischenverhandlungen. Sie könnte aber auch stärkere Unterstützung bringen für eine progressive Klimapolitik. "Wir sehen, dass das Momentum weltweit zunimmt, zum Beispiel in Asien", erklärt Cosima Cassel von der Klimaorganisation E3G.

Der aktuelle Ölschock ist für viele Länder eine klare Lektion - fossile Abhängigkeit ist ein strategisches Risiko.

Cosima Cassel, Klimaorganisation E3G

Vietnam, Südkorea und die Philippinen sind nur einige der Länder, die neue Förderungen und ambitionierte Ziele für mehr erneuerbare Energien verabschiedet haben. Nicht, weil sich ihre Einstellung zur Klimapolitik grundlegend geändert hat, sondern weil ihre Länder besonders durch die Sperrung der Straße von Hormus getroffen wurden.

Strommast

Deutschland will aussteigen: Keine Kohle. Kein Gas. Keine Atomkraft. Stattdessen wollen wir schnell komplett auf erneuerbare Energien setzen. Droht so ein großer Strom-Blackout?

11.09.2022 | 29:04 min

Dadurch stieg gerade in Asien kurzfristig die Stromerzeugung aus Kohle an - allein in Indien etwa um zehn Prozent. Gleichzeitig wuchs auch die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien rapide, in Indien im gleichen Zeitraum etwa um 29 Prozent.

Weltweit hat die Stromproduktion aus Sonne und Wind im April zum ersten Mal die aus Gas überholt. Durch die stark gefallenen Kosten für Solarzellen und Windturbinen war die Installation in den vergangenen Jahren bereits stark gewachsen.

Solar und Wind haben zum ersten Mal Gas als Stromquelle überholt

ZDFheute Infografik

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Auch europäische Industrieländer kündigten neue Maßnahmen an, darunter sind auch Subventionen für fossile Energien. Frankreich aber will etwa die Subventionen für Wärmepumpen und Elektroautos verdoppeln; in Großbritannien werden Solarzellen und Wärmepumpen in neuen Gebäuden verpflichtend.

Elektrifizierung wird zum Buzzword

Ein Schlagwort macht die Runde, bei Regierungschefs genauso wie auf den Klimazwischenverhandlungen in Bonn: Elektrifizierung.

Das Ziel: den Gas- und Ölverbrauch von Autos, Heizungen und der Industrie zu reduzieren. Und den Strom dafür aus erneuerbaren Energien zu generieren. Die Verdreifachung des Ausbaus der Stromerzeugung aus Sonne, Wasser und Wind wurde bereits 2023 auf der Klimakonferenz in Dubai gemeinsam beschlossen. Das Thema Elektrifizierung könnte ein Kern der Debatten auf der kommenden Klimakonferenz in Antalya, in der Türkei, werden.

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Hotspot der Klimadiplomatie

Es soll endlich konkreter werden, sagen viele. "Bei den diesjährigen Bonner Klimaverhandlungen geht es um weit mehr als technische Detailfragen", so Laura Schäfer von der Klimaorganisation Germanwatch.

In diesem Jahr stehe neben den Verhandlungen auch die Umsetzung im Mittelpunkt. Das bedeute, auch alle angekündigten Regierungsinitiativen der vergangenen Jahre, etwa zum Waldschutz oder zum Kohleausstieg, zu bewerten und zusammenzubringen.

Brasilien, Belem: Andre Correa do Lago, Präsident der COP30, rechts, und Marina Silva (l), brasilianische Umweltministerin, nehmen an einer Pressekonferenz im Rahmen des UN-Klimagipfels COP30 teil.

Die Weltklimakonferenz in Brasilien 2025 endet ohne Durchbruch. EU und Deutschland setzen sich nicht durch, ein klarer Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energien fehlt.

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Das führte bei der Mehrheit der Staaten, die sich für eine progressive Klimapolitik einsetzen, zu Gegenwehr. In New York hat die UN-Generalversammlung im Mai mit 141 Stimmen dafür eine Resolution verabschiedet, die auf strengere Klimaschutzverpflichtungen drängt.

Zum ersten Mal haben sich außerdem fast 60 Staaten im April in Santa Marta, Kolumbien, getroffen, um den weltweiten Ausstieg aus den fossilen Energien voranzubringen.

Photovoltaik am Fabrikgebäude

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16.04.2026 | 1:35 min

Klimafinanzierung weiterhin ungelöster Konfliktpunkt

"Mit dem Rückenwind aus New York und Santa Marta können die Staaten der COP31 Beine machen und in Bonn frühzeitig Prioritäten festzurren", so Viviane Raddatz, Leiterin für Klimapolitik beim WWF Deutschland.

Neben der Reduzierung der Emissionen werden zentrale Verhandlungspunkte auch die immer noch unzureichend gesicherte Klimafinanzierung und die Klima-Anpassung sein.

Elisa Miebach ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

US-Abschied aus Klimarahmenkonvention
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Ein radikaleres Nein zum Klimaschutz geht kaum: Donald Trump will nun auch die Klimarahmenkonvention verlassen. Die USA wären aus allem raus - und könnten nur schwer wieder zurück.
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Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 08.06.2026 ab 23:50 Uhr.

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