Proteine aus Insekten: Was Insektenfarming hemmt

Hochwertige Proteine aus Insekten:Zwischen Labor und Markt: Was Insektenfarming bremst

Porträt-Foto von ZDF-Redakteurin Eva Maria Schmidt.

von Eva Schmidt

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Was im Labor funktioniert, hat in der Praxis seine Grenzen: Insektenmast macht aus Essensresten hochwertige Proteine. Aber für Tierfutter gelten Richtlinien, die das verhindern.

Ein Maikäfer sitzt auf einem Ast

Auch wenn Maikäfer nicht in Futter oder Nahrungsmitteln zugelassen sind, wächst das Interesse an Insekten als Proteinquelle. Trotz ökologischer Vorteile kämpfen Betriebe mit Kosten und Nachfrage.

30.05.2026 | 1:09 min

In der EU sind vier Arten von Insekten als Lebensmittel zugelassen: Wanderheuschrecke, Hausgrille, gelber Mehlwurm und Buffalowurm, wobei letztere nur als Larven verarbeitet werden. Sie kommen getrocknet und pulverisiert sowie als Paste in den Handel und finden sich zum Beispiel in Fleischzubereitungen wie Burgerpatties wieder.

Insektenfarming: Hochwertiges Protein und effizientes Futtermittel

Insekten liefern hochwertiges Protein und Fett. Insektenmast wird auch in Deutschland betrieben. "Eine effizientere Welternährung ist ein Kerngedanke beim Insektenfarming", erklärt Patrick Klüber vom Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie gegenüber ZDFheute.

Als Lebensmittel sind Insekten nach wie vor ein Nischenprodukt. Viel wichtiger sind sie als Zutat im Tierfutter. Insekten gelten als gute Alternative zu Soja oder Fischmehl und werden bislang vor allem für Heimtier- und Fischfutter verwendet.

Hundefutter aus Insekten

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18.06.2025 | 1:29 min

Schwarze Soldatenfliege: Bessere Ökobilanz als Rindfleisch

Große Hoffnungen ruhen auf der Schwarzen Soldatenfliege. Sie brauche zwar viel Wärme, habe aber abgesehen davon eine günstige Ökobilanz, erzählt Patrick Klüber. Die Mast erfolge vertikal und damit platzsparend auf engem Raum und verbrauche wenig Wasser.

Hinzu komme, dass die Larven Futtermittel effizienter als die meisten anderen Nutztiere verarbeiten. Ein Beispiel: Beim Rind ergeben zehn bis 15 Kilogramm Futter ein Kilogramm Körpermasse, bei der Schwarzen Soldatenfliege sind es 1,5 bis zwei Kilogramm Futter für ein Kilogramm Insekt.

Einspinnen der Gespinstmotten

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Insektenlarven machen Abfälle zu nutzbarem Protein

Geht es um die Schwarze Soldatenfliege, gerät auch Georg Dusel ins Schwärmen. Dusel ist Professor für Tierernährung und Tierhygiene an der Technischen Hochschule Bingen.

Diese Larven sind regelrechte Entgiftungsstationen.

Georg Dusel, Technische Hochschule Bingen

Im Labor können die Larven von Abfällen wie Mensaresten ernährt werden. Im Versuch habe sich sogar gezeigt, dass die Larven mit Pilzen befallenes Getreide fressen, ohne dass sie das Gift in ihren eigenen Körper aufnehmen.

Insektenfreundlicher Balkon

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Tierfutter aus Insekten: Noch nicht in Massenproduktion angekommen

Was unter Laborbedingungen vielversprechend läuft, ist in der Praxis noch unternehmerisch riskant. Mit dem Insolvenzantrag von FarmInsect aus der Nähe von München hat die Branche einen schweren Dämpfer hinnehmen müssen, zumal es nicht die erste Insolvenz im Insektenfarming ist.

Dirk Wessendorf, Geschäftsführer von "Illucens", das Futtermittelzutaten auf Insektenbasis produziert, sieht die Probleme des Insektenfarmings auch in strengen Richtlinien. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft wäre es ideal, die Larven mit Lebensmittelresten zu füttern, sagt Wessendorf, der 2024 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde, gegenüber ZDFheute. Aber Insekten würden als Nutztiere gelten und unterlägen deshalb strengen Futtermittelrichtlinien, erläutert Wessendorf.

Insektenmast bislang aus Kostengründen nicht konkurrenzfähig

Daran sind laut Wessendorf schon vielversprechende Projekte mit Supermärkten gescheitert. Wenn in einer abgelaufenen Tütensuppe nicht nur Gemüse, sondern auch tierische Reste zu finden seien, erläutert Dirk Wessendorf, dürfen sie nicht ins Futtermittel für die Insekten. Die Regeln ließen keine Ausnahmen zu, weshalb der Sortieraufwand für die Supermärkte zu hoch gewesen sei.

In der Konsequenz bekommen die Larven hochwertiges Tierfutter wie Roggen, was die Mast teuer mache und damit nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber Importen von billigem Soja.

Am Bordstein einer Straße krabbelt eine Ameise.

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Experten raten, Futtermittelrichtlinien für Insektenmast zu prüfen

Auch Georg Dusel kennt die rechtlichen Restriktionen bei der Insektenmast und stellt in Frage, ob bei Insektenlarven die gleichen strengen Regeln angewendet werden sollten wie bei der Mast von Schweinen oder Rindern.

In der Europäischen Union gelten die Futtermittelrichtlinien für alle Nutztiere gleichermaßen. Also sowohl für Rinder, Schweine und Hühner als auch für Insekten. Die Gesetze sollen Tierseuchen verhindern und sind nicht zuletzt eine Konsequenz aus dem BSE-Skandal. Seit 2021 dürfen aber unter strengen Auflagen Insekten in Futter für Schweine und Geflügel eingesetzt werden.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Insekten: Zwischen Plage und Zukunftsfood" am 30.05.2026 um 06:25 Uhr.

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