Trotz der Klimaziele der FIFA:Warum die WM 2026 die klimaschädlichste aller Zeiten wird
von Charlotte Reinhold
Viele Teams, weite Strecken: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in USA, Kanada und Mexiko werden viele CO2-Emissionen anfallen. Was allein das DFB-Team verursachen würde.
Countdown für das Fußball-Highlight des Jahres: die WM 2026. Die größte Weltmeisterschaft ever. Und obendrein noch nachhaltig. So die FIFA.
10.05.2026 | 43:52 minDie Fußball-Weltmeisterschaften werden immer größer - ebenso die Nachhaltigkeitsversprechen der FIFA. Bis 2030 will der Weltfußballverband seine CO2-Emissionen halbieren, bis 2040 sogar Netto Null erreichen.
Doch die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zeigt in puncto Nachhaltigkeit eine andere Entwicklung: 48 Teams statt 36, 104 Spiele statt 64 und Austragungsorte auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent bedeuten mehr Reisen, mehr Flüge - und damit mehr Emissionen.
Kohlendioxid, Methan und Lachgas zählen zu den Gasen, die die Erderwärmung beschleunigen. Seit Beginn der Industrialisierung hat sich ihr Anteil in der Atmosphäre deutlich erhöht.
14.11.2025 | 0:45 minFußball-WM: Bericht zeigt verursachte Emissionen
Für Andrew Simms vom New Weather Institute, das die Klimaziele der FIFA kritisch begleitet, ist klar:
Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass die WM 2026 die umweltschädlichste aller Zeiten sein wird.
Andrew Simms, New Weather Institute
Laut dem Bericht "FIFA's Climate Blind Spot" des New Weather Institutes verursacht das Turnier mindestens neun Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Über 85 Prozent davon (7,72 Millionen Tonnen) entfallen auf den Flugverkehr. Unterkünfte, Merchandise und Gastronomie verursachen weitere 1,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.
Neben Kohlendioxid (CO2) gibt es noch weitere Gase, die den Klimawandel beeinflussen, beispielsweise Methan (CH4). Die Gase tragen unterschiedlich stark zum Treibhauseffekt bei. Um die Emissionen besser vergleichen zu können, werden sie in sogenannte CO2-Äquivalente umgerechnet. Also in die Menge Kohlendioxid, die dem Treibhauseffekt der Menge des anderen Gases entspricht.
Quelle: Helmholtz-Klima-Initiative
DFB-Team bei WM: Lange Transportwege mit hohem CO2-Ausstoß
Ein Blick auf die deutsche Nationalmannschaft verdeutlicht die Dimensionen. Angenommen, Deutschland erreicht das Finale, würde das Team acht Spiele in sechs bis acht verschiedenen Stadien bestreiten.
Bei einem Emissionsfaktor von 0,25 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Passagierkilometer entstehen allein für die deutschen Spieler und Betreuer rund 195,5 Tonnen CO2-Äquivalente. Insgesamt würde das DFB-Team dann etwa ein bis 1,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Das entspricht rund 25 bis 30 Erdumrundungen.
In Europa ist das System zum Handel mit Emissionszertifikaten, der sogenannte ETS, ein zentrales Instrument zur Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen.
27.11.2025 | 6:32 minSaudi Aramco: Umstrittenes FIFA-Sponsoring durch Öl-Multi
FIFA-Präsident Gianni Infantino betont zwar die Verpflichtung, Emissionen zu "messen, zu reduzieren und zu kompensieren". Doch vor allem der letzte Punkt, das Kompensieren, steht seit Jahren in der Kritik. Statt Emissionen konsequent zu vermeiden, setzt die FIFA weiterhin auf Ausgleichsmechanismen wie den CO2-Zertifikatehandel.
Der saudi-arabische Ölkonzern Aramco hat trotz Iran-Krieg seinen Gewinn um 25 Prozent gesteigert. Die Steigerung gelang dem Unternehmen mit einer Öl-Pipeline, die die Straße von Hormus umgeht.
10.05.2026 | 0:26 minBesonders umstritten in Bezug auf die Klimaversprechen der FIFA ist der Hauptsponsor der Organisation: der saudische Ölkonzern Saudi Aramco, der größte Öl- und Gaskonzern der Welt. Ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf fossilen Energien basiert.
Sie gehören zu den größten Umweltverschmutzern der Welt und nutzen Sportsponsoring gezielt, um ihr Image zu verbessern.
Andrew Simms, New Weather Institute
Das New Weather Institute kommt zu dem Schluss: Durch die Zusammenarbeit könnten Emissionen von rund 30 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten entstehen. Das Institut leitet diesen Wert aus der Annahme ab, dass mehr Werbung für Aramco zu höheren Verkäufen fossiler Brennstoffe führt.
Saudi Aramco betreibt in Port Arthur im US-Bundesstaat Texas mit seiner Tochterfirma Motiva die größte Raffinerie der USA. Die Region gilt als sogenannte "Sacrifice Zone", weil die Benzolbelastung durch die Ölindustrie hier außergewöhnlich hoch ist. Immer wieder werden in der Region Grenzwerte überschritten.
Eine Studie des Environmental Integrity Project aus dem Jahr 2020 belegt eine hohe industrielle Benzolbelastung in Port Arthur und zeigt außerdem einen klaren Zusammenhang zwischen Benzol-Emissionen und einem erhöhten Krebsrisiko.
Nachhaltigkeits-Versprechen der FIFA noch glaubwürdig?
Die WM 2026 ist mehr als ein Sportereignis. Sie ist ein Test für die Glaubwürdigkeit der FIFA. Und je genauer man auf das Thema Emissionen schaut, desto deutlicher wird: Wenn man die Nachhaltigkeits-Versprechen der FIFA mit der Realität vergleicht, stellt sich die Frage, ob es der FIFA tatsächlich um Nachhaltigkeit geht oder ob ihre grünen Papiere reines Greenwashing sind.
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