Kanada Co-Ausrichter mit zwei Städten:Begeisterung vor WM - aber auch politische Spannung
von Susanne Lingemann
Kanada richtet die WM 2026 in Toronto und Vancouver aus. Zwei Städte, belastet durch hohe Kosten, Sicherheitsfragen und gesellschaftliche Spannungen.
An Kanadas Ost- und Westküste liegen bei der Fußball-WM 2026 die Schauplätze des Co-Ausrichters. Gespielt wird im BMO Field in Toronto und im BC Place in Vancouver. Beide Stadien mitten in der Stadt, beide Arenen wurden für das Turnier umgerüstet.
Toronto hat sein Stadion am Lake Ontario temporär auf 45.000 Plätze erweitert. Vancouver renovierte das BC Place zwischen Skyline, Wasser und Bergen mit neuester Technologie und installierte im Mai Naturrasen.
Toronto peppt den ÖPNV auf
Der organisatorische Aufwand ist hoch - auch jenseits der Stadien. Toronto setzt auf eine konsequente Nahverkehrsstrategie: Straßen rund um das Stadion werden gesperrt, öffentliches Parken stark eingeschränkt.
Das sind die Stadien der Fußball-WM 2026
Insgesamt haben die 16 Stadien, in denen die Spiele der Fußball-WM 2026 ausgetragen werden, eine Kapazität von 1.067.644 Plätzen. Hier: Das BC Place Stadium in Vancouver, Kanada.
Quelle: IMAGO / agefotostockDafür wurden Bus-, Bahn- und Regionalverkehr massiv ausgebaut. Fans sollen an Spieltagen fast ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Herzstück des Konzepts ist ein großes Fanfestival nahe des historischen Viertels Fort York, bewusst angebunden an bestehende Verkehrsinfrastruktur.
In Vancouver herrscht auch Skepsis
In Vancouver ist die Vorfreude groß - zugleich aber spürbar ambivalent. Viele Fans des Profiklubs Vancouver Whitecaps freuen sich darauf, Weltklasse-Fußball in ihrer Stadt zu erleben und sind stolz, Kanada und ihre Stadt der Welt zu zeigen. Es gibt aber auch Skepsis.
Ich liebe Fußball, doch was da nur 45 Minuten von hier über der Grenze passiert, macht es schwer, den World Cup so richtig zu genießen.
Rob, Mitglied des Fanklubs "Rain City Brigarde"
"Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die in die USA reisen", fügt Heather vom Fanklub "Sisters" hinzu: "Ich fühle mich da nicht sicher."
Andere verweisen auf überteuerte Ticketpreise. "Fußball ist ein Volkssport - und wenn wir solche exorbitanten Preise verlangen, ist das nicht das, worum es in der WM gehen sollte", sagt ein Fan.
Trotz der Debatten soll der Fokus auf dem Spiel bleiben. Axel Schuster, Sportdirektor des Thomas-Müller-Klubs Whitecaps, der früher für Mainz und Schalke gearbeitet hat, betont: "Die Weltmeisterschaft zeigt, dass Fußball auf Weltniveau auch in bestehenden Stadien funktioniert - mitten in der Stadt und nah bei den Menschen."
Zugleich räumt er ein, dass die geteilte Austragung und politische Spannungen die Wahrnehmung des Turniers verändern.
Die hohen Kosten für die Austragungsstädte stoßen auf Kritik. Vancouver, wo acht Spiele ausgetragen werden, rechnet mit Gesamtausgaben zwischen 300 und 490 Millionen Euro, vor allem für Sicherheit, Verkehr, Gesundheit und Fan-Infrastruktur.
Am 11. Juni beginnt die WM. Wissenschaftler warnen vor extremer Hitze im Süden der USA und Mexiko. Die FIFA verspricht Schutzmaßnahmen. Experten fordern, dass diese auch wirklich greifen.
29.04.2026 | 1:19 minAuch Toronto - mit sechs Spielen - kalkuliert mit etwa 237 Millionen Euro. Bund und Provinzen beteiligen sich, dennoch bleibt viel Verantwortung bei den Städten.
Vancouver mit Blick auf indigene Bevölkerung
In Vancouver kommt eine weitere Ebene hinzu: die indigene Gastgeberrolle. Die Spiele finden auf traditionellem Land der First Nations statt, die offiziell in der Planung eingebunden sind.
Die WM 2026 wird groß, laut und politischer als je zuvor. Während FIFA-Boss Infantino in den höchsten Tönen schwärmt, gibt es gleichzeitig jede Menge Kritik. Was kommt da auf uns zu?
11.12.2025 | 18:09 minWilson Williams, Chairperson der Squamish Nation, sagt: "Dieses Turnier findet auf unserem Land statt. Entscheidend ist die volle Beteiligung - nicht nur Zeremonie, sondern echte Mitwirkung." Besonders wichtig sei, dass auch indigene Kinder Zugang zu Spielen und Programmen erhalten.
Die WM 2026 wird damit in Kanada mehr als ein Sportereignis. Sie bringt Begeisterung, aber auch politische Fragen auf die Tribünen - und zeigt, wie eng Fußball, Sicherheit und gesellschaftliche Debatten miteinander verwoben sind.
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