Zirkuläres Bauen: Wie alte Türen und Fenster helfen können

Zirkuläres Bauen für Häuser:Zweites Leben für alte Türen und Beton auf der Bauteilbörse

Mark Hugo

von Mark Hugo

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Beim Bauen fallen viel Müll und CO2 an. Alte Teile und Materialien wiederzuverwenden, würde helfen. Das sogenannte zirkuläre Bauen ist im Trend, steckt aber noch in einer Nische.

Zwei Personen beugen sich in einer Halle über Bauteile und schauen auf einen Plan.

Der Gebäude- und Bausektor verbraucht in Deutschland enorme Energiemengen. Eine Hoffnung: die Wiederverwendung von alten Bauteilen. Mark Hugo, ZDF-Umweltredaktion, dazu im Gespräch.

08.05.2026 | 5:46 min

In der Bauteilbörse Kassel sucht Architektin LIsa-Marie Schmidt nach Innentüren. Ihr Ziel beim aktuellen Bauprojekt: So viele gebrauchte Teile wie möglich zu verbauen. Sie hofft, in der Halle, die mit Holzteilen, Metall, Fenstern und alten Armaturen vollgestopft ist, fündig zu werden.

Der Begriff für das, was sie da in großen Teilen macht, ist zirkuläres Bauen. Gemeint ist im Idealfall ein Kreislauf, bei dem Teile und Materialien nicht auf dem Müll landen, sondern immer wieder neu verwendet werden.

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Zirkuläres Bauen gab es schon in der Antike

In der Antike bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das schon so gemacht, weil Materialien teuer und rar waren. "Lange Zeit in der Menschheitsgeschichte gab es eigentlich keinen Abfall", so Schmidt. Erst seitdem werden Gebäude so gebaut, dass die Materialien beim Abriss kaum noch getrennt werden können.

Die Folge: Am gesamten Abfallaufkommen in Deutschland hatte der Bereich Bau und Abbruch 2023 nach Daten des Umweltbundesamtes mit mehr als 52 Prozent den mit Abstand größten Anteil. Dazu zählen vor allem Bodenaushub und Bauschutt.

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Zwar wird Vieles wiederverwendet, oft aber nur als Füllmaterial - oder es wird zu minderwertigem Beton recycelt. Der Standard ist noch immer neues Material. Die Baustoffherstellung alleine ist laut Sachverständigenrat für Umweltfragen für acht Prozent des deutschen Treibhausgasausstoßes verantwortlich.

Der unabhängige Sachverständigenrat für Umweltfragen hat im April mehr zirkuläres Bauen gefordert. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft werde in anderen Wirtschaftsbereichen weit besser realisiert, heißt es in einer Stellungnahme. Über Jahrzehnte hätten sich Standards und Routinen herausgebildet, die sich verändern müssten. Das Expertengremium empfiehlt unter anderem, zirkuläres Bauen gezielt zu fördern. Es könne so ein starker Treiber für Innovation und Modernisierung des Bausektors werden.


Kreislaufwirtschaft: Alter Beton in neuem Rathaus

Das 2022 fertiggestellte Rathaus in Korbach in Hessen zeigt, wie es anders gehen kann. Der alte Bau von 1970 wurde abgerissen. Der Beton wurde, soweit es ging, wiederverwendet. "Den haben wir zurückgebaut, haben versucht, ihn möglichst sortenrein wiederherzustellen", erklärt Stefan Bublak, bei der Hansestadt Korbach zuständig für Bauen und Umwelt.

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Von 9.000 Tonnen Beton wurden immerhin 6.000 vor allem im Unterbau und an den Fassaden wieder verbaut. Fast noch wichtiger: Der neue Bau taugt in ferner Zukunft einmal für "Urban Mining".

Das bedeutet nichts anderes, als dass Baustoffe oder Rohstoffe, die hier verarbeitet wurden, zum späteren Zeitpunkt möglichst problemlos zurückgebaut und wiederverwertet werden können.

Stefan Bublak, Hansestadt Korbach

Holzträger oder Betonwände wurden nicht verklebt, sondern zum Beispiel verschraubt.

Luftbild von einem Haus aus dem 3D-Drucker.

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Baumaterialien mit gezielter Planung wiederverwerten

Auch wenn an Unis und auf Fachtagungen bereits viel über zirkuläres Bauen geredet wird: In der Breite ist es noch längst nicht angekommen. Und deshalb ist es oft noch teurer und aufwändiger. Wenn man "von der Stange arbeitet", dann bestelle man einfach die passenden Türen in gewünschter Anzahl, erzählt die Architektin Lisa-Marie Schmidt.

Am 10. Mai ist deutscher Erdüberlastungstag. Laut Global Footprint Network bedeutet das, dass zu diesem Datum die Erde ihre Ressourcen aufgebraucht hätte, würden alle Menschen so leben und wirtschaften wie die Bevölkerung in Deutschland. Im letzten Jahr war der Tag am 3. Mai. Der weltweite Erdüberlastungstag fiel im letzten Jahr auf den 24. Juli.

Für die Berechnung analysiert das Global Footprint Network, wie viel Fläche etwa für Essen, Holz, die Aufnahme des CO2 sowie Straßen und Häuser der Menschen nötig ist. Über die Berechnungsmethode wird immer wieder gestritten. Einige Kritiker bemängeln, sie sei unzureichend oder unpräzise.


Beim zirkulären Bauen müsse der Rohbauer die Öffnungen in den Wänden an unterschiedliche Türen anpassen. "Es ist ein anderes Planen. Man plant sozusagen mit dem, was man findet", sagt Lisa-Marie Schmidt. Die Architektin wünscht sich deshalb eine schnelle, digitale Plattform, über die sie einfacher an passende Bauteile kommen könne. Und das möglichst bundesweit.

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Digitale Plattform soll Kunden und Anbieter vernetzen

Zumindest für den Raum Kassel geht die Bauteilbörse in wenigen Wochen mit einer Plattform an den Start. Die Suche nach passenden Teilen geht dann auch im Netz. Das biete Kunden "die Möglichkeit, die Produkte direkt aus dem Keller oder aus dem Industrielager sichtbar auf der Plattform für die Kreislaufwirtschaft zur Verfügung zu stellen", so Hans Weishaar von der Bauteilbörse.

Dass das, wenn auch noch im Kleinen, funktioniert, glaubt auch Lisa-Marie Schmidt. Das Interesse bei Firmen, die etwa Fenster auf dem Hof stehen haben, sei groß. Denn irgendwie sei das Bewusstsein für den wertschätzenden Umgang mit Material bei den Leuten schon noch verankert.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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Über dieses Thema berichtete "Volle Kanne" am 08.05.2026 ab 09:05 Uhr.

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