Wie Sport umweltfreundlicher sein kann:"Bei allen Anschaffungen können wir etwas bewirken"
Kauf von Ausrüstung, Anreise: Auch Sport hat Auswirkungen auf die Umwelt. Die Sportökologie forscht dazu. Was wir tun können, um uns und die Natur beim Sport weniger zu belasten.
Ski, Surfboards, Sportbekleidung oder auch Mountainbikes - allzu oft bestehen sie aus umweltschädlichen Materialien. Wie kann die Sportindustrie grüner werden?
01.03.2026 | 43:30 minZDFheute: Das Forschungsfeld der Sportökologie ist noch recht jung. Geht es dabei um reine Grundlagenforschung?
Fabian Sommer: Nein. Im ersten Schritt müssen wir natürlich herausfinden, wo die Probleme liegen. Aber das Ziel ist am Ende immer, mit Hilfe der Forschung auch Empfehlungen und Lösungen zu finden. Wie können wir unseren Impact verringern und dabei den Sport weiter mit Freude betreiben, nur eben umweltverträglicher.
… ist Sportökologe an der Universität Bayreuth. Der begeisterte Sportler und Biologe promoviert und forscht zu der Frage, welche Spuren wir beim Sport in der Umwelt hinterlassen. Dabei sucht er auch nach Wegen, diese Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.
ZDFheute: Gibt es ein Hauptproblem beim Sport?
Sommer: Es gibt viele Faktoren.
Einer der größten ist der CO2-Ausstoß bei der Anreise zum Sport. Besonders bei weiten Strecken, zum Beispiel zum Skifahren.
Fabian Sommer
Daneben ist die Ausrüstung sehr ressourcenverbrauchend und oft umweltschädlich, vor allem die synthetischen Materialien, aus denen die meiste Sportkleidung besteht. Oft werden sie mit PFAS, also Ewigkeitschemikalien beschichtet, um sie wasserabweisend zu machen. Sie lösen sich, verbleiben dauerhaft in der Umwelt, haben einen Einfluss auf unsere Gesundheit und die Kleidung ist kaum recycelbar.
Die Ewigkeitschemikalien PFAS belasten das Trinkwasser, weshalb der BUND Leitungs- und Mineralwasser testet. Schätzungsweise sind neun von zehn Proben mit den Schadstoffen belastet.
13.02.2026 | 1:42 minAuch die Herstellung und Entsorgung von Sportequipment wie Skiern und Surfboards ist problematisch. Sie bestehen aus vielen verschiedenen Materialien, meist auf Kunststoffbasis oder sind mit Chemikalien verklebt, und so kaum wieder zu trennen, um sie zu recyceln.
Eine wichtige Frage ist auch, wo und wann wir uns in der Natur bewegen. Oft ist die Natur überlastet mit der Menge an Sportlern, die inzwischen zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs sind. Mit ausgewiesenen Strecken und einer intelligenten Besucherlenkung können wir Konflikte zwischen Sportlern, Natur und zum Beispiel Wanderern vermeiden.
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29.05.2025 | 29:40 minZDFheute: Sie selbst messen ganz konkret, wie viel Schadstoffe einzelne Sportarten in der Natur hinterlassen: in Ihrem Fall Mountainbike-Reifen. Wie kam es dazu?
Sommer: Ich fahre selbst viel Rad. Deshalb wollte ich wissen, wie viel Mikroplastik ich dabei in der Natur hinterlasse. Ich habe gesucht, aber nirgendwo echte, gemessene Zahlen dazu gefunden. Deswegen haben wir eine Studie dazu gestartet.
Teures Rad, unbequemer Sitz? Das muss nicht sein. Mit passender Rahmengeometrie, richtiger Sitzhaltung und ergonomischer Beratung bleibt Radfahren schmerzfrei und entspannt.
25.09.2025 | 4:21 minZDFheute: Wie groß sind die Auswirkungen von Mountainbikereifen für die Umwelt?
Sommer: Wir haben herausgefunden, dass ein Satz Mountainbikereifen im Schnitt 3,6 Gramm Kunststoffabrieb auf 100 Kilometern hinterlässt.
Hochgerechnet auf alle Mountainbikes in Deutschland sind das fast 1.000 Tonnen pro Jahr.
Fabian Sommer
Das ist natürlich kein Vergleich zum Abrieb durch Autoreifen, der bei etwa 100.000 Tonnen pro Jahr liegt. Aber Mountainbikes bewegen sich mitten in der Natur und ihr Abrieb gelangt direkt dorthin. Deswegen müssen wir mehr darüber wissen. Das ändert nichts daran, dass Fahrradfahren sehr nachhaltig ist. Aber das heißt ja nicht, dass wir es nicht noch besser machen können.
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04.08.2024 | 28:41 minZDFheute: Hat Ihre Forschungsarbeit schon direkte Auswirkungen?
Sommer: Ja, tatsächlich. Die Reifenindustrie ist auf unser Forschungsprojekt aufmerksam geworden und ist an unserer Studie interessiert. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse in die Entwicklung und das Design von Reifen zukünftig einfließen und helfen, den Reifenabrieb noch zu verringern.
Sehen Sie die Doku "Unguilty Pleasure: Sport mit gutem Gewissen" von plan am 01.03.2026 um 15:30 Uhr im ZDF oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
ZDFheute: Was kann man als Fahrradfahrer jetzt schon tun?
Sommer: Wir können jetzt schon sagen, dass breite, grobstollige Reifen besonders viel Abrieb erzeugen. Deshalb ist es wichtig, dass jeder für den eigenen Nutzungszweck den richtigen Reifen wähle. Wenn ich nicht im groben Gelände unterwegs bin, brauche ich solche Reifen nicht. Schon so lässt sich unnötiger Abrieb vermeiden.
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15.01.2023 | 28:45 minZDFheute: Wie sieht es in anderen Sportarten aus?
Sommer: Die Herstellung von Sportequipment verbraucht viele Ressourcen. Und auch hier gilt: Oft sind die einfacheren Produkte weniger schädlich. Brauche ich wirklich die extrem ausgestattete Expeditionsjacke für meine Wanderung im Mittelgebirge? Oder ist die Jacke, die ich schon zu Hause habe, ausreichend? Bei allen Anschaffungen, von der Kleidung bis zum Surfboard, können wir etwas bewirken, indem wir uns für nachhaltige Produkte entscheiden, auch wenn sie manchmal etwas teurer sind.
Bei der Anreise habe ich oft die Wahl: Muss ich mit dem Auto zum Sport fahren oder reichen auch die Öffis oder das Rad? Gerade bei Sportarten mit weiter Anreise wie Mountainbiken oder Skifahren macht das Transportmittel einen großen Unterschied.
Das Interview führte Marc Haenecke.
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