Perlen aus Fidschi: Wie eine nachhaltige Perlenzucht gelingt

Perlenzucht auf den Fidschi-Inseln:Eine Kostbarkeit, die Dienstleister fürs Ökosystem ist

von Annette Hoth

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Justin Hunter hat einen Arbeitsplatz, von dem viele Menschen träumen dürften: auf den Fidschi-Inseln. In der Bucht von Savusavu züchtet er überaus wertvolle Tiere: Perlaustern.

plan b - unguilty pleasure

Gold aus alten Handys, Perlen aus nachhaltiger Zucht und Fairtrade-Edelsteine: Schmuck wird noch wertvoller, wenn er ohne Schaden für Mensch und Natur hergestellt wurde.

22.01.2026 | 43:30 min

Sie gehört zu den seltensten Muschelarten der Welt: die 'Pinctada margaritifera'. Schon in der Antike war sie berühmt und besonders kostbar. Die Perlenohrringe der ägyptischen Königin Kleopatra, so heißt es, entstammten diesem maritimen Juwel.

In Justin Hunters Unterwasser-Farm im Südpazifik leben Tausende von Tieren in Auster-Gittern an kilometerlangen Seilen. In jeder Auster reift eine wertvolle Perle heran. Doch das geschieht nur durch das Zutun des Züchters. Denn in der Natur produziert lange nicht jedes Exemplar eine Perle.

Fidschi-Perlen dunkel

Fidschi-Perlen schimmern in vielen verschiedenen Perlmutt-Tönen.

Quelle: Samuel Kaufmann

Kleine Operation setzt Perlen-Produktion in Gang

Um diesen Prozess künstlich anzustoßen, braucht es eine kleine Operation, die die Natur nachahmt. Zunächst wird einer Auster ein Stückchen sogenanntes Mantelgewebe entnommen. Dieses wird einer zweiten Auster eingesetzt, zusammen mit einem Perlmuttkügelchen - Fremdkörper also, die in der Natur Parasiten oder Sandkörner sein könnten.

Dadurch kommt ein Schutz-Mechanismus in Gang: Das Mantelgewebe bildet einen sogenannten Perlsack um den Fremdkörper, eine Perlmuttschicht nach der anderen. So entsteht eine Perle.

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"Wir wollen die Austern nicht zu sehr stressen", sagt der Züchter. "Es ist natürlich ein Eingriff, aber wir versuchen, sie so schonend wie möglich zu behandeln", so Hunter.

Es sind lebende Tiere, deshalb werden sie nass gehalten, schnell gewaschen und gereinigt.

Justin Hunter, Perlenzüchter

Die Austern kämen dann erst in ein Erholungsbecken und anschließend zurück ins Meer, erklärt Hunter.

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Austern als Dienstleister fürs Ökosystem

Das Tierwohl steht bei Hunter ganz oben. "Ich liebe die Umwelt, in der ich lebe. Sie ist ein großer Schatz", sagt er. Die empfindlichen Tiere brauchen eine intakte marine Umwelt, aber sie leisten auch ihren Beitrag dazu. Jede einzelne Auster filtert pro Tag 1.400 Liter Wasser - wie eine Kläranlage. Wo Perlaustern gedeihen, ist das Ökosystem im Gleichgewicht. Die Artenvielfalt profitiert davon.

"Das hier ist ein natürlicher Lebensraum für viele Meeresbewohner, vor allem Jungfische, Krebse und auch Seegurken. Der Fachbegriff für das, was Austern tun, ist 'Ökosystem-Dienstleistungen'", erklärt Hunter. "Sie ernähren sich, indem sie Wasser aufnehmen und dabei jede Art von Algen entfernen, die ihre Hauptnahrung sind."

Jeden Tag reinigen sie also diese Bucht.

Justin Hunter, Züchter

Sehen Sie die Doku "Brillante Ideen für grünen Schmuck" von plan b am 25. Januar 2026 um 15:30 Uhr im ZDF oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.


Seltene Kostbarkeiten statt Massenzucht

Mindestens 18 Monate lang braucht eine Perle, um heranzureifen. Dann holt Hunters Team die Austern ein zweites Mal an Land, wo ihnen ihr kostbares Geheimnis entnommen wird - eine Perle pro Auster.

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Ganz anders als in der weltweit verbreiteten Massenzucht. In kürzester Zeit sollen dort möglichst viele Perlen in einer Auster heranreifen. Die Schalentiere werden mit organischem Abfall gemästet - aus Hühner- und Schweinemastanlagen. Die überzüchteten Austern generieren bis zu 60 Perlen. Nach der Ernte sterben sie.

Das hat einer von Hunters Kunden mit eigenen Augen gesehen, der deutsche Schmuckunternehmer Jörg Gellner:

Ich war schockiert, in welchen Zuständen diese Perlen gezüchtet werden, was für eine Überproduktion es gibt, wie mit der Natur umgegangen wird.

Jörg Gellner, Schmuckunternehmer

Deshalb habe man sich von "diesem Massenprodukt Süßwasserperle" getrennt, so der Unternehmer.

Justin Hunter (l) und Jörg Gellner (r)

Teamwork: Schmuckhersteller Jörg Gellner (rechts) kauft seine Perlen bei Justin Hunter (links) auf den Fidschi-Inseln. Der sorgt für ein intaktes Meeresbiotop, um seine wertvollen Perlen zu züchten.

Quelle: Derek Pascoe

Wert einer Perle kann zwischen 50 und 400 Dollar liegen

Regelmäßig vergewissert sich der Unternehmer aus Baden-Württemberg, dass sich an den ökologischen Produktionsbedingungen auf den Fidschi-Inseln nichts verändert hat. Alle drei, vier Jahre besucht er seinen Geschäftspartner Justin Hunter. "Für mich ist es wichtig zu sehen, dass die Perlen ökologisch produziert werden, im Einklang mit der Natur. Und das ist einfach das einzig nachhaltige Juwel für mich, das es gibt", so Gellner.

Justin Hunter erntet rund 25.000 Perlen im Jahr. Je größer, desto teurer: Ihr Wert liegt pro Stück zwischen 50 und 400 Dollar. Der Rohstoff, aus dem Jörg Gellner Träume schmiedet.

Annette Hoth ist Redakteurin bei plan b.

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