Mehr Wohnraum schaffen:Wie alten Büros neues Leben eingehaucht wird
Der Wohnungsmarkt ist bundesweit angespannt. Neue Häuser bauen ist nicht die einzige Lösung: Architekt Markus Plöcker setzt darauf, vorhandenen Raum besser und smarter zu nutzen.
Wie schaffen wir neuen Wohnraum? Und wie viel Platz brauchen wir wirklich zum Leben? Wie kann man aus Altem schnell was Neues bauen? Mit neuen Ideen zur eigenen Wohnung.
03.05.2026 | 43:32 minIn der Nähe von Frankfurt entstehen 200 neue Wohnungen - und das in zwei ehemaligen Bürogebäuden, die bis auf das Grundgerüst zurückgebaut werden. Umwidmung heißt das in der Fachsprache. Entwurf und Planung stammen von Markus Plöcker und seinem Team.
ZDFheute: Warum haben Sie sich auf Umwidmungen spezialisiert?
Markus Plöcker: Wir müssen uns mehr mit den Themen Ressourcenverschwendung und Kreislaufwirtschaft beschäftigen. Die Umwidmung hat den Vorteil, dass ich schon gebaute Strukturen und gebundenes CO2 weiterverwende. Das macht auch wirtschaftlich Sinn, denn der Rohbau macht ungefähr ein Drittel der Kosten aus.
… ist gelernter Schreiner und Architekt. Zusammen mit Christian Olaf Schmidt hat er 2010 sein Architekturbüro in Frankfurt am Main gegründet. Umwidmungen sind fester Bestandteil ihres Portfolios und für Plöcker ein Muss in der heutigen Zeit. Das spiegelt sich auch in seinem Engagement wider: Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "Serielles Bauen im Bestand".
ZDFheute: Warum eignen sich Büros gut für Umwidmungen?
Plöcker: Bürogebäude sind meistens so aufgebaut, dass es keine tragenden Wände, sondern nur tragende Stützen gibt.
Das schafft eine große Flexibilität und man hat eine super Hardware, die mit einer neuen Nutzung bespielt werden kann.
Die Raumhöhen von Büros passen auch sehr gut zum Wohnen. Wenn die Fenster entsprechend hoch sind, habe ich eine bessere Belichtung und kann auch besser lüften.
Der Soziale Wohnungsmonitor des Pestel-Instituts zeigt: In Deutschland fehlen rund 1,4 Millionen günstige Wohnungen. Gleichzeitig werden weiterhin zu wenige neue Häuser gebaut.
15.01.2026 | 1:34 minZDFheute: Was sind Herausforderungen bei der Planung?
Plöcker: Unser Ziel ist, dass wir möglichst viel Bestandsrisiko im Vorfeld eliminieren. Man muss sich also sehr genau angucken, wie der Bestand aussieht. Wir nennen das Decoding. Dabei untersuchen wir, ob Schadstoffe vorhanden sind, ob die Bauteile alle so ausgeführt wurden, wie in den Plänen. Die zweite Herausforderung ist, die vorhandenen Flächen sinnvoll aufzuteilen.
Bezahlbarer Wohnraum wird in Deutschland immer knapper, vor allem in den Großstädten. In München verzweifeln selbst Besserverdiener und vor allem Familien.
13.03.2026 | 4:45 minZDFheute: Die neuen Appartements sind relativ klein geplant, welche Rolle spielt die Wohnungsgröße?
Plöcker: Größe ist keine Qualität an sich, sondern man muss die Funktionen gut organisieren. Da brauche ich gar nicht so viel Platz. Wenn wir sehen, wie viel Fläche pro Kopf beim Wohnen verbraucht wird, dann ist das meiner Ansicht nach nicht notwendig.
Ich wohne im Moment in einem klassischen Einfamilienwohnhaus, das wir umgebaut haben. Und ich kann mir gut vorstellen, gerade im Alter später, in einer kleineren Wohnung zu wohnen. Das habe ich mit meiner Frau auch schon besprochen.
Seit den 1960er-Jahren ist die durchschnittliche Wohnfläche pro Person stark gestiegen. Seit etwa 2005 nimmt sie bei Neubauwohnungen laut einer DIW-Studie wieder ab.
07.01.2026 | 0:28 minZDFheute: Was ändert sich konkret beim Umbau?
Plöcker: Bei einer Büronutzung geht es um das Arbeiten, um organisatorische Abläufe, die ich in Räume überführe. Beim Wohnen habe ich andere Anforderungen. Die Grundrisse sind viel kleinteiliger, jedes Appartement braucht eine Nasszelle und eine Küche. Die müssen mit Elektrokabeln und entsprechender Haustechnik versorgt werden.
Sehen Sie die Doku "Gesucht? Gefunden! Schluss mit der Wohnungsnot" von plan b am 3. Mai um 15:30 Uhr im ZDF oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
ZDFheute: Inwiefern können Umwidmungen den Wohnungsmarkt entlasten?
Plöcker: So ein Projekt wie das in Eschborn ist der Schlüssel für die Lösung des Wohnungsproblems. Wir haben durch das Homeoffice viele Flächen, die wir nicht mehr nutzen können. Leerstand ist Leergut, und so müssen wir das auch begreifen.
Für viele Gemeinden ist der Leerstand erst einmal negativ konnotiert. Aber er bietet ja eine Chance für ein neues Leben einer Immobilie.
Und da sehen wir ein sehr großes Potenzial für das Bauen in Deutschland.
Laut ifo Institut haben in den sieben größten Städten 30 Prozent der leerstehenden Büros das Potenzial, zu Wohnraum umgebaut zu werden. Daraus könnten bis 2030 60.000 Wohnungen entstehen.
ZDFheute: Warum ist das Potenzial nicht voll ausgeschöpft?
Plöcker: Wir kommen immer öfter in einen Zielkonflikt. Auf der einen Seite müssen wir Wohnraum schaffen und wollen günstig bauen, auf der anderen Seite haben wir uns an einen sehr hohen Standard gewöhnt, zum Beispiel beim Schallschutz. Wir müssen ein Gleichgewicht finden.
Ich glaube, wir könnten eine Qualität schaffen, die gut ist, auch wenn wir uns von den jetzigen Anforderungen verabschieden.
Das sehe ich als Aufgabe, auch für die Politik.
Das Interview führte Brianna Lache.
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