Neue Daten der Bundesregierung:Zahl wohnungsloser Kinder und Jugendlicher stark gestiegen
Der angespannte Wohnungsmarkt verschärft soziale Probleme. Immer mehr Minderjährige in Deutschland leben ohne eigene Wohnung. Daten der Regierung zeigen einen deutlichen Anstieg.
Die Zahl wohnungsloser Minderjähriger in Deutschland ist stark gestiegen. Anfang 2025 waren mehr als 137.100 Kinder und Jugendliche betroffen. Ein Grund ist laut Regierung der Ukraine-Krieg.
13.03.2026 | 0:41 minDie Zahl wohnungsloser Minderjähriger in Deutschland hat sich laut Bundesregierung zwischen den Jahren 2022 und 2025 fast verdreifacht. Das geht aus einer Antwort des Bundesbauministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, über die die "Rheinische Post" berichtete.
Demnach galten zum 31. Januar 2025 bundesweit mehr als 137.100 Menschen unter 18 Jahren als wohnungslos. Ende Januar 2022 seien es rund 47.200 gewesen.
Auch mehr junge Erwachsene bis 25 Jahre wohnungslos
Auch die Zahl der Wohnungslosen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren erreichte demnach im Januar 2025 mit rund 55.700 einen neuen Höchstwert. Im Januar 2022 galten fast 18.800 Menschen in dieser Altersgruppe in Deutschland als wohnungslos, wie das Ministerium erklärte.
Die meisten wohnungslosen Minderjährigen gab es den Angaben zufolge im Januar 2025 in:
- Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland (rund 31.700)
- Baden-Württemberg (rund 29.500)
- Berlin (rund 15.700)
Auch in Österreich sind die Zahlen dramatisch: Etwa ein Drittel der Wohnungslosen ist zwischen 18 und 30 Jahren alt. Seit dem sechsten Lebensjahr ist die Klagenfurterin Martina ohne Zuhause. Eine Organisation hilft ihr.
13.05.2025 | 2:10 minWarum mehr Minderjährige wohnungslos sind
Als Gründe für den Anstieg nannte die Bundesregierung unter anderem die Zahl geflüchteter Menschen aus der Ukraine, die seit 2023 erfasst wurde, sowie eine "Verbesserung der Datenmeldung durch die beteiligten Stellen".
Deutlich gestiegen sei zudem die durchschnittliche Dauer der Unterbringung wohnungsloser Menschen in den Kommunen. So seien in entsprechenden Unterkünften untergebrachte Minderjährige zwischen 14 und 18 Jahren im vergangenen Jahr im Schnitt seit fast 150 Wochen dort gewesen, um eine Obdachlosigkeit abzuwenden oder diese zu beenden (2023: 117 Wochen). Die Altersgruppe der Jugendlichen war damit laut dem Ministerium im Jahr 2025 statistisch gesehen am längsten in solchen Unterkünften untergebracht.
Die Wohnungslosenhilfe schätzt, dass aktuell mehr als 1,029 Millionen Menschen wohnungslos sind. Die Wohnungssuche kann aber auch gelingen, zeigt ein Beispiel aus Berlin.
17.11.2025 | 1:41 minLinken-Abgeordnete wirft Schwarz-Rot "sozialpolitisches Versagen" vor
Die Linken-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für soziales Wohnen, Sahra Mirow, warf der Bundesregierung ein "beispielloses sozialpolitisches Versagen" vor. Der "Rheinischen Post" sagte sie:
Wer einen so großen Teil seiner Jugend in Unterkünften verbringen muss, die häufig nur auf Erwachsene ausgerichtet sind, dem verwehrt der Staat auf fatale Weise gleiche Entwicklungschancen.
Sahra Mirow, Linken-Bundestagsabgeordnete
Auch viele Frauen sind von Wohnungslosigkeit betroffen – und das oft unbemerkt. Sie flüchten sich an andere Orte. Das Projekt "Housing First für Frauen" in Berlin will helfen.
30.10.2024 | 1:48 minMehr Wohnungslose in Deutschland:Wohnung verloren, Zukunft verloren? Deutschlands stille Krise
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