Hamburg im Frost: Wie Obdachlose und Helfer der Kälte trotzen

Mitternachtsbus in Hamburg:Unterwegs im Frost: Was Obdachlose und Helfer erleben

Britta Hilpert

von Britta Hilpert

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Minus 10 Grad in Hamburg: Der Mitternachtsbus der Diakonie versorgt Obdachlose mit heißem Essen, Kleidung - und Menschlichkeit. Was Betroffene und Helfer in der Kälte erleben.

Mitternachtsbus in Hamburg

In Hamburg ist der Mitternachtsbus unterwegs, um Wohnungslosen bei der Kälte Schutz zu bieten. Denn für sie ist das kalte Wetter lebensgefährlich.

12.01.2026 | 2:03 min

Es ist der kälteste Tag dieses Winters in Hamburg - und da ist plötzlich ein Fön das wichtigste Instrument für den Mitternachtsbus der Diakonie. Denn ihr Elektrobus lädt nicht, weil die Steckdose vereist ist. Mit dem Fön lösen sie das Eis und das Problem. Tim Rooks steckt den Bus an: "Ja, jetzt lädt er", sagt er, sichtlich erleichtert. "Die Gäste warten schon!"

Der Mitternachtsbus der Diakonie wird rund 15 Stopps ansteuern in Hamburgs Zentrum, dort, wo Wohnungslose ihn gut finden. Jede Nacht ist er unterwegs, diese Nacht ist besonders, denn es sind minus 10 Grad. "Es werden gar nicht so viel Leute sein an unseren Haltepunkten, denn die meisten werden versuchen, irgendwo unterzukriechen," meint Rooks, einer von vier Freiwilligen auf dem Bus. Es gibt in Hamburg mehrere Notunterkünfte für Wohnungslose, aber manche bleiben trotzdem draußen.

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Diakonie: Es braucht vor allem Solidarität mit Obdachlosen

Für Menschen ohne Obdach ist es jetzt gefährlich. Warmes und wärmendes haben sie in den Bus geladen: Isomatten, dicke Socken, Mützen, Schals, und vor allem: heißes Wasser. Tee, Brühe, Kakao, das ist gefragt. Ebenso wie süße Teilchen, die ein Bäcker nicht mehr verkaufen konnte, und belegte Brote. Das braucht man in der Kälte, denn sie frisst Kalorien.

Wir dürfen mitfahren, um die Arbeit der Diakonie zu zeigen, denn gerade jetzt benötigen sie Spenden: warme Kleidung, insbesondere warme Schuhe für Männer, Schlafsäcke, Isomatten, und natürlich Geld. Am meisten aber brauchen sie einfach menschliche Solidarität, sagt Corinna Schnaus, die Leiterin des Projektes "Mitternachtsbus":

Wir brauchen vor allem Leute, die nach den Leuten schauen.

Corinna Schnaus, Leiterin Projekt "Mitternachtsbus"

"Wenn man jemanden draußen sieht, dann gern die Person ansprechen. Einmal nachfragen, wie es geht. Wenn jemand da liegt, mal nachschauen: atmet die Person noch? Und im Zweifelsfall auch einen Rettungswagen rufen", erklärt Schnaus.

Viele Menschen haben schlicht Hunger

Es geht los durch das verschneite Hamburg. Beim ersten Stopp warten schon etwa 50 Leute, darunter Axel. "Ich bin obdachlos, wohne aber jetzt in einer Notunterkunft, aber ich muss zwischendurch mal was essen", erklärt er. "Ich bin jetzt zwar Rentner, aber die Bearbeitungszeit meiner Rente ist so lang, ich hab' deshalb kein Geld. Das muss ich irgendwie überbrücken."

Die meisten am Bus kommen her, weil sie schlicht Hunger haben, wie Matthias:

Der Bus bringt mir viel, denn abends was zu finden, ist unwahrscheinlich schwierig.

Matthias

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Viele Obdachlose unterschätzen Gefahr von Kälte

Wir fragen Matthias und Axel, ob sie Leute kennen, die bei der Kälte draußen schlafen. "Ja klar! Denen ist das manchmal zu kompliziert, sich beim Winternotprogramm zu registrieren", meint Axel. Matthias sagt, es ginge um was anderes: "Die wollen frei bleiben!"

Doch die "Freiheit" ist bei der Kälte gefährlich. Bei der Weiterfahrt erzählen uns die Freiwilligen, dass auch psychische Belastungen eine Rolle spielen, oder Süchte. Auch verlieren Wohnungslose irgendwann das Gefühl für ihren eigenen Körper: "Denen ist oft gar nicht bewusst, wie kalt das wirklich ist", sagt Tim, "und wie gefährlich."

Obdachlose Person auf der Straße, sitzt mit Rücken zur Kamera.

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Skepsis gegenüber Hilfsangeboten

Der Bus passiert einen Brückenpfeiler, daneben ein blaues Zelt, ein schwacher Lichtschein darin. Wer jetzt noch so übernachtet, ist in Gefahr, sagt Tim. Aber: "Hier können wir nicht anhalten", erklärt er, "zu gefährlich!" Sie versuchen unter den Wohnungslosen zu verbreiten, wo sie jede Nacht stehen - wer Hilfe braucht, kann dorthin kommen.

Das kostet manche Überwindung. "Die haben ein Misstrauen gegenüber Institutionen, das ist so mein Gefühl", sagt Tim. "Wenn wir, zum Beispiel, jemanden treffen mit Verletzungen oder so, und wir sagen 'du musst ins Krankenhaus', dann wollen die das oft partout nicht."

Am nächsten Stopp ist niemand - das ist gut, die Menschen haben wohl was Warmes gefunden. Zumindest für diese Nacht.

Britta Hilpert leitet das ZDF-Studio in Hamburg.

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