Recycling von Photovoltaik-Anlagen:Defekte Solarmodule: Wie sie entsorgt und recycelt werden
von Lana Ulman
Solarstrom zu erzeugen, ist sinnvoll. Doch was passiert, wenn ein Solarmodul ausfällt? Wer übernimmt die Rücknahme und wie lassen sich die verbauten Rohstoffe wiederverwerten?
Solarmodule müssen je nach Modell nach 25 bis 30 Jahren ersetzt werden. Sie landen jedoch nicht im Müll, sondern lassen sich recyceln - unter anderem in einem Betrieb in Sachsen-Anhalt.
31.03.2026 | 4:53 minPhotovoltaik-Module: Wie gut lassen sie sich recyceln?
Gut 90 Prozent der in Modulen verbauten Rohstoffe lassen sich zurückgewinnen. Die speziellen Recyclingverfahren sind noch jung und eine echte Kreislaufwirtschaft noch im Aufbau.
Wie wertvoll sind die Rohstoffe in Solarmodulen?
"Die wertvollsten Rohstoffe sind Silber, Aluminium, Kupfer, Glas und Silizium. Silber hat mit circa 20 Gramm den kleinsten Gewichtsanteil, macht aber wirtschaftlich fast die Hälfte des Gesamtwerts aus", sagt Jan-Philipp Mai, Co-Gründer einer Recyclingfirma. Durch den starken Anstieg des Silberpreises seit Juni 2025 wächst auch das wirtschaftliche Interesse an seiner Wiedergewinnung.
Silber: Kritischer Rohstoff für die Energiewende
Silber leitet Strom und Wärme besser als jedes andere Metall und ist daher in der Elektrik und Elektronik unverzichtbar. Doch die weltweite industrielle Nachfrage nach Silber ist höher als die Fördermenge.
Schätzungen zufolge sind rund 60 Prozent des jemals geförderten Silbers - etwa eine Million Tonnen - in Elektroschrott gebunden und gehen aufgrund fehlender Recycling-Möglichkeiten verloren. Silber ist damit bereits ein knappes Gut. Im November 2025 nahm die US-Regierung Silber auf die Liste der für die nationale Wirtschaft wichtigsten Stoffe, den "Critical Minerals", auf.
Beim Ausbau von Solarenergie liegt Deutschland international vorn, wie der Bundesverband Solarwirtschaft meldet. 2024 stieg die installierte Solarstromleistung um 14 Prozent.
07.05.2025 | 0:22 minWie funktioniert das Recycling von Solarmodulen?
Es gibt zwei zentrale Verfahren: Beim ersten werden die Materialien des Moduls durch thermische (Schmelzen), mechanische (Mahlen und Sieben) und chemische (Säuren, Laugen) Prozesse voneinander getrennt und gereinigt. Das Endprodukt sind die einzelnen Rohstoffe in kleiner Körnung.
Beim zweiten Verfahren wird das Paneel weitgehend mechanisch (Demontage) und thermisch (Schmelzen) in seine Einzelteile zerlegt. Das gilt als ökologischer, weil weniger chemische Methoden eingesetzt werden müssen. Die Rohstoffe, zum Beispiel Glas, haben noch Scherbengröße. Die gewonnenen Rohstoffe werden bei beiden Methoden anschließend verkauft und teils direkt weiterverarbeitet.
Die Wiederverwertung von Wind- und Solaranlagen ist herausfordernd. Innovatives Recycling soll wertvolle Rohstoffe schonen und die Kreislaufwirtschaft fördern.
24.03.2025 | 7:27 minWie lange können Solaranlagen genutzt werden?
Photovoltaikanlagen sind langlebig: "In der Regel halten sie 25 bis 30 Jahre. Die Leistung nimmt kaum, nur 0,5 Prozent pro Jahr, ab", sagt Luisa Schulze, Energietechnikerin und Co-Gründerin eines Startups für die Wiederverwendung gebrauchter Solarmodule.
Woran erkenne ich, dass meine PV-Anlage defekt ist?
Typische Anzeichen für einen Defekt seien beschädigtes oder milchiges Glas, spürbar geringere Erträge im Vergleich zum Vorjahr oder wiederkehrende Fehlermeldungen, erklärt Elektriker Jan Englert. "Das können Hinweise auf Probleme am Wechselrichter oder am Modul selbst sein." Doch eine beschädigte Anlage könne weiterhin Strom erzeugen, so Englert. Vor jeder Überprüfung sei es deshalb wichtig, den Wechselrichter auszuschalten und die Anlage vom Netz zu trennen. Im Zweifel sollte immer eine Fachkraft hinzugezogen werden.
In Deutschland sind im Jahr 2025 weniger neue Solaranlagen installiert worden. Auf privaten Häusern wurden 22 Prozent weniger neue Anlagen angebracht als im Vorjahr.
08.11.2025 | 0:16 minWer nimmt die defekten Module an?
PV-Module sind Elektrogroßgeräte. Die Hersteller und (Online-)Händler, die PV-Module vertreiben, sind europaweit verpflichtet, ihre Module zurückzunehmen und in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen. Sie nehmen die Altmodule beim Kauf neuer Paneele zurück.
Man kann sie auch bei Wertstoffhöfen, die Sammelstellen für PV-Module eingerichtet haben, abgeben. Die Rückgabe in haushaltsüblichen Mengen ist für private Nutzer kostenlos. Das sind grob gesagt 20 Stück.
Soll ich die Module vorher zerkleinern?
Nein! Das Modul im Ganzen lassen, auch Kabel nicht abschneiden. Das spart allen Beteiligten im Recycling-Prozess viel Arbeit, da das Recycling automatisch geschieht. Je beschädigter das Modul ist, desto schwieriger oder unmöglich wird das Recycling.
Die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung ignoriert nach Ansicht von Wissenschaftlern die Vorgaben des Klimaschutzgesetzes und verschiebt wirksamen Klimaschutz in eine unbestimmte Zukunft.
17.03.2026 | 10:13 minWie entwickeln sich die Rücklaufmengen von Solarmodulen?
Derzeit fallen in Deutschland jährlich etwa 20.000 bis 30.000 Tonnen Solarmodule an. Weltweit werden täglich 50.000 Tonnen Module installiert. Man erwartet in fünf bis sechs Jahren einen Rücklauf von einer Million Tonnen Solarmodule.
Im Jahr 2000 machte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Einbau von Photovoltaikanlagen für Privathaushalte attraktiv. Der Rücklauf dieser Module wird ab 2029 mit einem Volumen von etwa 100.000 Tonnen erwartet. Das wird die Wertstoffhöfe bundesweit belasten, weil sie mehr Lagerraum benötigen werden. Die Recyclingfirmen müssen bis dahin massiv ausbauen, um die anfallenden Mengen verarbeiten zu können.
Sind PV-Module nachhaltig, da ihre Herstellung viel Energie verbraucht?
"Ja, je nach Sonnenintensität", sagt Frank Zobel, Leiter des Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP. "In Deutschland haben Solarpaneele bereits nach einem Jahr die Energie, die zu ihrer Produktion nötig war, durch Solarstrom wieder reingeholt."
Lana Ulman ist Redakteurin im ZDF-Landesstudio Sachsen-Anhalt.
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