Innovation aus Österreich:Solarenergie im Hochgebirge trotzt meterhohem Schnee
von Nina Hochfelsner, Wien
Photovoltaik in den Bergen macht Sinn: tiefe Temperaturen, klare Luft und überdurchschnittlich viele Sonnenstunden, doch der Schnee stört. Ein Start-up zeigt, wie‘s trotzdem geht.
In Sölden entsteht ein neues Energieprojekt: Baumförmige Photovoltaik-Anlagen trotzen dem Schnee, Wind und Kälte. Sie sollen hochalpinen Skigebieten ganzjährig grünen Strom liefern.
27.02.2026 | 2:04 minAuf Österreichs Gletschern fallen in besonders harten Wintern bis zu acht Meter Schnee - manchmal sogar noch mehr. Und dennoch ragen auf dem Tiefenbachgletscher in Sölden über sechs Meter hohe Solaranlagen aus den Gipfeln - ein regelrechter "Solarwald" in 3.000 Metern Höhe.
Baumartige Solarzellen
Entwickelt hat sie das Tiroler Start-up Helioplant. Derzeit sind 17 einzelne "Solarbäume" im Testbetrieb, bis Ende des Jahres sollen fast 800 Stück stehen. Die geplante Anlage könnte bis zu 6,3 Megawatt Spitzenleistung erzeugen. Zum Vergleich: Das wäre genug, um eine Kleinstadt mit 4.000 bis 4.500 Haushalten zu versorgen. Das Besondere an dem Ganzen: Die Solarmodule bleiben das ganze Jahr über schneefrei.
Das Problem mit dem Schnee
Strom genau dort erzeugen, wo fast immer die Sonne scheint - das klingt einfach. Doch bei meterhohem Schneefall wird daraus eine technische Herausforderung.
Solarenergie war im Juni 2025 erstmals wichtigste Stromquelle der EU. Ihr Anteil lag mit 22,1 Prozent knapp vor der Kernenergie, so die Zahlen des britischen Thinktanks Ember.
11.07.2025 | 0:20 minDiese Erfahrung mussten auch die Gründer des Start-ups Helioplant - Florian Jamschek, Thomas Sönser und Alexander Ploner - machen. Klassische Linien-Photovoltaikanlagen hielten dem Schnee nicht stand.
Bei den ersten Anlagen dieser Art, Linienanlagen nennen wir sie, war das Problem, dass nur circa 2,5 oder 3 Meter Bodenspalt war.
Florian Jamschek, Mitgründer von "Helioplant"
"Da passiert es, dass der Wind beschleunigt wird und den Schnee transportiert unter der Anlage", erklärt Florian Jamschek. Mehr als 60 Prozent der Anlagen wurden damals beschädigt und damit unbrauchbar. Denn wenn Schnee auf den Modulen liegt, kann kein Strom erzeugt werden. Für die Gründer war klar: Es braucht ein völlig neues Konzept.
Mit ihren Ideen prägen Start-ups Märkte und setzen neue Maßstäbe: Junge Unternehmer über ihre Selbstständigkeit und darüber, was besser werden sollte.
03.01.2026 | 1:35 minDer Trick mit dem Wind
Die Lösung fanden die Gründer in der Kreuzform. Inspirieren ließen sie sich dabei vom Lawinenschutz: Dort werden sogenannte Kolkkreuze aus Holz eingesetzt, um Schneeverwehungen von Häusern fernzuhalten.
Durch die kreuzförmige Struktur wird ein Windwirbel erzeugt und der putzt sozusagen den Helioplant frei von Schnee.
Florian Jamschek, Mitgründer von "Helioplant"
Unter den Anlagen bildet sich ein sogenannter "Kolk" - eine Mulde im Schnee. Die sorgt nicht nur dafür, dass sich keine Verwehungen bilden, sondern reflektiert zusätzlich Sonnenlicht. "Deswegen können wir garantieren, dass diese Paneele schneefrei bleiben", sagt Jamschek weiter.
In den bayrischen Alpen muss während der Skisaison zunehmend mit Kunstschnee ausgeholfen werden. Welche Folgen hat das Fehlen von richtigem Schnee auf den Tourismus und die Wirtschaft?
23.12.2025 | 2:04 minStrom für die Skilifte
Die Konstruktionen kommen zudem ohne Betonfundamente aus. Vier Anker im Fels reichen zum Befestigen aus. Außerdem ein Vorteil: Der erzeugte Strom wird über bestehende Leitungen zu den umliegenden Liftstationen und Gastronomiebetrieben am Berg transportiert.
Profiteur des Projekts sind vor allem die Bergbahnen Sölden. Sie haben das Vorhaben mit 14 Millionen Euro beauftragt, zusätzlich gab es vier Millionen Euro Förderung aus dem österreichischen Klima- und Energiefonds.
Bergbahnen werden energieautark
Und den Strom können die Bergbahnen auch gut gebrauchen: Denn viele Gondeln sind nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer in Betrieb - lediglich im Mai stehen sie still. Mit dem Solarprojekt soll künftig mehr als ein Drittel des Energiebedarfs der Bergbahnen gedeckt werden. Für Geschäftsführer Jakob Falkner ist das ein Schritt Richtung Unabhängigkeit:
Der Vorteil ist ja, wir können das ins eigene Netz einspeisen und dadurch rechnet sich das auch sehr wohl für unser Unternehmen. Und, was unglaublich wichtig ist, wir machen uns unabhängiger.
Jakob Falkner, Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden
Das hessische Dorf Bracht heizt mit Sonnenenergie: Ein Großteil des Wärmebedarfs im Ort kann dank Tausender Solarthermie-Kollektoren gedeckt werden.
08.01.2026 | 1:54 minNachfrage kommt aus der ganzen Welt
Bis Ende des Jahres soll das Mega-Projekt in Sölden abgeschlossen sein. Doch für die Gründer von Helioplant könnte das erst der Anfang sein. "Wir haben Anfragen aus der ganzen Welt", sagen sie. Aus der Schweiz, aus Südamerika, aus Neuseeland - überall dort, wo Berge, Sonne und Schnee aufeinandertreffen, wächst das Interesse an den innovativen Anlagen aus Österreich.
Mehr Nachrichten aus Österreich
Zwei Deutsche unter den Todesopfern:Drei Tote nach mehreren Lawinenabgängen in Österreich
mit Video0:40Grob fahrlässige Tötung:Frau am Großglockner erfroren - Freund in Prozess verurteilt
mit Video0:23Eurovision Song Contest 2026:Israel darf zum ESC, mehrere Länder sagen Teilnahme ab
von Dominik Rzepkamit Video1:54