Grob fahrlässige Tötung:Frau am Großglockner erfroren - Freund in Prozess verurteilt
Ein Paar bestieg im Januar 2025 den Großglockner - die Frau erfror kurz vor dem Gipfel. Ihr Freund ist nun wegen grob fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen worden.
Ein Gericht in Innsbruck hat einen Bergsteiger wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt. Der Österreicher hatte seine Freundin am Gipfel des Großglockners zurückgelassen, wo sie erfror.
20.02.2026 | 0:23 minIm Januar 2025 endete eine Bergtour am Großglockner in Österreich für ein Paar tragisch: Während der Mann gerettet werden konnte, kam seine damals 33-jährige Partnerin ums Leben. Der Bergsteiger wurde nun wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt. Der Richter am Landesgericht Innsbruck verhängte eine fünfmonatige Bewährungsstrafe sowie eine Geldstrafe.
Emotionales Statement des Angeklagten
Die Frau und ihr heute 37 Jahre alter Freund waren gemeinsam auf den höchsten Berg Österreichs gestiegen. Die völlig entkräftete Frau starb schließlich in der Nacht bei eisigem Wind knapp unterhalb des Gipfels, während der Mann versuchte, Hilfe zu holen.
In Österreich stand ein Mann vor Gericht, weil seine Freundin bei einem Bergunglück ums Leben kam.
19.02.2026 | 1:44 minZu Beginn des Prozesses hatte sich der Angeklagte mit einem emotionalen Statement an den Richter gewandt. Er wolle sagen, "dass es mir unendlich leid tut, was passiert ist, und wie es passiert ist". Er bekannte sich vor dem Landesgericht Innsbruck aber nicht schuldig.
Freundin blieb knapp unter dem Gipfel zurück
Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, er habe seine Partnerin in der Nacht "schutzlos, entkräftet, unterkühlt und desorientiert" knapp unterhalb des 3.798 Meter hohen Gipfels zurückgelassen. Aus Sicht des Anklägers beging der Alpinist eine Reihe schwerer Fehler.
Der Staatsanwalt sprach von mangelhafter Planung und Ausrüstung, von einer versäumten Umkehr trotz eisigen Windes und von einer viel zu späten Alarmierung der Rettungskräfte in der Nacht.
Bei einer privaten Tour seien die Bergsteiger eigentlich für sich selbst verantwortlich. Bei unterschiedlicher Vorerfahrung sei das anders, sagt ZDF-Korrespondent Rechenberg bei ZDFheute live.
19.02.2026 | 8:56 minEx-Freundin: Wurde auch am Großglockner alleine gelassen
Eine Ex-Freundin des Angeklagten sagte aus, dass er sie einmal auf einer anderen Route auf dem Großglockner alleingelassen habe, weil sie zu langsam vorangekommen sei und weil sich die beiden über die Route gestritten hätten. "Dann war er auf einmal weg", sagte sie. "Es war mitten in der Nacht, meine Stirnlampe ist ausgegangen, ich war am Ende meiner Kräfte", schilderte die Zeugin.
Der Angeklagte betonte im Prozess, dass seine Anfang 2025 am Großglockner gestorbene Freundin ebenfalls begeisterte Bergsteigerin und sehr sportlich gewesen sei. "Wir haben die Tour immer gemeinsam geplant und die Entscheidungen gemeinsam getroffen", sagte der 37-Jährige.
Auch im Januar sei die Tour möglich, so Bergsteigerin Anja Blacha bei ZDFheute live. Aber nur unter Berücksichtigung der zusätzlichen Ansprüche, die der Winter an einen stelle.
19.02.2026 | 27:07 minAngeklagter brachte sich Bergsteigen selbst bei
Der 37-Jährige verfügte zwar wohl über große Erfahrung mit anspruchsvollen alpinen Bergtouren. Sein Wissen hat er sich allerdings nicht in Kursen angeeignet, sondern direkt am Berg und durch Online-Videos. Er betonte mehrfach, über "keinerlei Alpin-Ausbildung" zu verfügen und somit keinesfalls in der Rolle des Bergführers gewesen zu sein.
Seine Freundin war ebenfalls viel in den Bergen unterwegs, doch sie hatte kaum Erfahrung mit hochalpinen Touren im Winter, wie der Richter betonte.
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