Die Folgen eines wegweisenden Urteils:Klare Niederlage für Trump - aber kein Ende im Zollstreit
von Beatrice Steineke, Washington, D.C.
Für Donald Trump war das Zoll-Urteil des Obersten Gerichts schlicht "eine Schande". Nachdem die Richter seine Zölle weitgehend gestoppt hatten, kündigte er gleich Neue an.
Das Oberste Gericht in den USA hat die von Trump verhängten Zölle gekippt. Der US-Präsident habe seine Befugnisse überschritten, urteilten die Richter.
20.02.2026 | 1:38 minEs war vielleicht die größte Niederlage für US-Präsident Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit. Das Oberste Gericht der USA kippte seine Zölle in weiten Teilen. Die Richter entschieden, dass Trump seine Befugnisse überschritten hat, als er sich auf ein Notstandsgesetz berief. Die Reaktion des Präsidenten: Empörung über die Richter und neue Zölle auf anderer Grundlage.
Für die US-Regierung geht es um Zölle in Höhe von mehreren Milliarden Dollar, die nun rechtswidrig eingenommen wurden. Trump hatte immer wieder betont, dass es sein Recht als US-Präsident sei, "Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit gegen Länder zu erheben, die uns jahrelang ausgebeutet haben".
Eine "absolute Schande", urteilte Trump am Freitag und kündigte an:
Ich werde heute ein Dekret unterzeichnen, das auf der Grundlage der Section 122 einen globalen Zoll von zehn Prozent zusätzlich zu den bereits erhobenen Zöllen erhebt.
Donald Trump, US-Präsident
Das von ihm erwähnte Haushaltsgesetz von 1974 erlaubt etwa Importzölle für bis zu 150 Tage, aber auch weitere Möglichkeiten.
Die Zölle, so US-Politikwissenschaftler Jack A. Goldstone, seien zentral "für Trumps Sichtweise der internationalen Beziehungen und seine eigene Macht, die amerikanische Wirtschaft zu gestalten".
Trump wird dies lediglich als ein zu überwindendes Verfahrenshindernis betrachten und nicht als Signal für einen Kurswechsel.
Jack A. Goldstone, US-Politikwissenschaftler
Betroffen sind alle Zölle, die Trump unter Berufung auf das Notstandsgesetz IEEPA verhängt hat. Es erlaubt dem Präsident, im Krisenfall auch ohne Zustimmung des Kongresses Dekrete zu erlassen. Als erster Präsident hat Trump dieses Gesetz für seine Zollpolitik genutzt. Vor dem Supreme Court hatten bereits untere Instanzen entschieden, dass das nicht rechtens sei, nachdem mehrere US-Unternehmen und Bundesstaaten dagegen geklagt hatten.
Der Republikaner begründete die sogenannten reziproken Zölle mit angeblichen Ungleichgewichten und Benachteiligungen für die USA im internationalen Handel. Darunter fällt der Zollsatz von 15 Prozent, der aktuell für den Import der meisten EU-Produkte in die USA gilt. Neben der EU sind Dutzende weitere Handelspartner der USA von je nach Land variierenden Zöllen betroffen.
In seiner zweiten Amtszeit hatte der Trump zudem Aufschläge auf Wareneinfuhren aus Kanada, Mexiko und China erlassen. Seine Begründung: Die Länder täten nicht genug gegen die Verbreitung von Drogen wie Fentanyl sowie gegen illegale Migration. Auch diese Zölle fußen auf dem Notstandsgesetz.
Quelle: dpa, Reuters
Muss die US-Regierung die Zölle aufheben und erstatten?
Die Richter am Obersten Gericht entschieden deutlich mit einer Mehrheit von sechs zu drei: In nationalen Notlagen kann der US-Präsident den Außenhandel regulieren mittels Notstandsgesetz, aber nicht um Zölle zu erheben. Die USA befänden sich auch nicht mit "allen Ländern der Welt im Krieg", so würden Kriegsbefugnisse nicht gelten.
Nach der wegweisenden Entscheidung bleiben für Unternehmen Fragen offen: Werden die betroffenen Zölle nun aufgehoben? Wie schnell geht das? Werden sie zurückerstattet? Darauf gingen die Richter am Freitag nicht ein.
Der Supreme Court hat die Zölle von US-Präsident Trump als unrechtmäßig verurteilt und sendet damit ein Signal. Die ZDF-Korrespondenten David Sauer und Ulf Röller ordnen diese Entscheidung ein.
20.02.2026 | 2:19 minVor dem Supreme Court wurde bereits an niedrigeren Instanzen über die Zölle verhandelt. Da ging es etwa um einen vorläufigen Stopp. Doch um die Zölle weiter einnehmen zu können, erklärt Ulrike Malmendier bei ZDFheute Live, habe die US-Regierung argumentiert: Im Falle der Verfassungswidrigkeit würden sie diese Zölle zurückzahlen.
Für die Ökonomin und Wirtschaftsweise ist daher klar, eine Rückerstattung sei möglich. "Ob das in der Praxis dann wirklich genauso der Fall sein wird, ist sicherlich eine andere Frage. Aber das sollte erst mal aufgrund der eigenen Argumente der Regierung die Grundannahme sein."
In vorherigen Gerichtsverhandlungen habe die US-Regierung argumentiert, die Zölle zurückzuzahlen, sollten diese verfassungswidrig sein, sagt Wirtschaftsweise Malmendier bei ZDFheute live.
20.02.2026 | 12:11 minWelche Möglichkeiten hat Trump, um Zölle zu verhängen?
Zölle fallen in die Zuständigkeit des US-Kongresses, das habe der Oberste Gerichtshof nun bestätigt, so Penny Naas vom "German Marshall Fund". Es sei ein "schwerer Schlag" gegen die Möglichkeit des Präsidenten, Zölle zu erheben, "ohne ausdrückliche Befugnisübertragung durch den Kongress".
Länder mit Handelsabkommen, wie etwa die Europäische Union, sollten sorgfältig abwägen, so die Expertin für internationale Ökonomie und Geopolitik, ob sie die Vereinbarungen für ungültig erklären. Trump habe noch weitere Alternativen als das Haushaltsgesetz von 1974.
Möglich sind ebenfalls Zölle auf bestimmte Produkte - vergleichbar mit denen auf Stahl und Aluminium.
Erste republikanische Stimmen unterstützen einen Gesetzesentwurf im US-Kongress - wie Senator Bernie Moreno aus Ohio. "Dieser Verrat muss rückgängig gemacht werden, und die Republikaner müssen sich unverzüglich an die Arbeit machen."
Die Aufhebung der Zölle ist für US-Präsident Donald Trump der größte Rückschlag in seiner zweiten Amtszeit. ZDF-Korrespondent David Sauer mit einer Einordnung aus Washington.
20.02.2026 | 0:54 minWas heißt das für die Wirtschaft?
Seit Trumps weitreichende Zölle eingeführt wurden, hätten sich viele Handelspartner international von den USA abgewendet, erklärt Agathe Demarais von "European Council on Foreign Relations".
Die Expertin für globale Handelsbeziehungen nennt als Beispiel China. 2025 verzeichnete das Land einen weltweiten Handelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar.
Chinas Handelsüberschuss macht deutlich, wie erfolgreich chinesische Unternehmen ihre Exporte auf andere Märkte umgeleitet haben.
Agathe Demarais, Senior Policy Fellow, "European Council on Foreign Relations"
Auf der ganzen Welt hätten Staaten ihre Bemühungen verstärkt, Handelspartnerschaften ohne die USA abzuschließen. Eine schwierige Ausgangsposition und ein Grund, warum der US-Präsident für April einen Besuch in China angekündigt hat.
Bundeskanzler Merz appelliert in seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz an die USA, angesichts globaler Herausforderungen das transatlantische Vertrauen wieder aufzubauen.
13.02.2026 | 32:16 minFür Unternehmen in Deutschland sei das größte Problem mit Trumps Zollpolitik, die wirtschaftspolitische Unsicherheit, erklärt Ulrike Malmendier. Das Urteil der Richter sei nur eine "Verschnaufpause".
Es gibt immer noch starke Unsicherheit, wie es denn weitergehen wird. Und ich kann nur hoffen, dass sich unsere Unternehmer mehr und mehr auf den EU-Binnenmarkt besinnen können.
Ulrike Malmendier, Ökonomin und Wirtschaftsweise
Laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) tragen amerikanische Importeure und Verbraucher zu 96 Prozent die Hauptlast der Zölle. Nach Berechnungen der unabhängigen Non-Profit-Organisation "Tax Foundation" könnte jeder US-Haushalt in diesem Jahr im Durchschnitt 1.300 Dollar mehr Steuern zahlen - aufgrund von Trumps Zöllen.
Das US-Repräsentantenhaus hat sich in einer Abstimmung gegen Donald Trumps Kanada-Zölle gestellt. Auch sechs Republikaner votierten trotz Drohungen des US-Präsidenten dafür.
12.02.2026 | 0:22 minAuf diesen schweren Rückschlag konnte sich die US-Regierung seit Monaten vorbereiten. Für seine Antwort hat der 47. US-Präsident die größte Bühne am kommenden Dienstag. Im US-Kongress hält er die Rede zur Lage der Nation. Nicht nur Demokraten und Republikaner, sondern die ganze Welt wird wissen wollen, wie Trump seine Wirtschaftspolitik ausrichtet.
Beatrice Steineke ist Korrespondentin im ZDF-Studio Washington, D.C..
Mit Material von dpa und Reuters.
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