Grenzen beim Après-Ski:Welche Wirkung hat das öffentliche Alkoholverbot in Sölden?
von Nina Hochfelsner, Wien
Schnee, Sonne, Skifahren - und feiern. Sölden ist Österreichs Après-Ski-Hotspot schlechthin. Doch seit Anfang Dezember ist auf öffentlichen Plätzen der Alkoholkonsum verboten.
Sölden in Tirol gilt als Après-Ski-Hochburg. Seit dieser Wintersaison herrscht Alkoholverbot an öffentlichen Orten im Ortskern, das soll Scherben reduzieren und die Sicherheit erhöhen.
24.02.2026 | 2:11 min16:00 Uhr in Sölden. Das Après-Ski beginnt. In der Schirmbar "Liebe Sonne" mitten im Ort lassen es die Besucher nach dem Skitag so richtig krachen. Gigi D’Agostino, ABBA und Wolfgang Ambros sind fester Bestandteil der Après-Ski-Playlist. Die Skigäste grölen die Hymnen mit, Biergläser werden gehoben, die Stimmung steigt.
Der Skiort Sölden hat ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und Straßen im Ortskern erlassen. Der Bürgermeister spricht von nächtlichen Ruhestörungen und dem Wunsch nach mehr Sicherheit.
15.02.2026 | 4:44 minDas Ziel ist mehr Ordnung und Sicherheit
Alkohol und Skifahren - für viele gehört das traditionell zusammen. Doch genau dieses Zusammenspiel hat auch Folgen: "Glasscherben, kaputte Flaschen bis hin zu Essensresten", zählt Söldens Bürgermeister Ernst Schöpf auf. "Im öffentlichen Raum waren zu viele Spuren sichtbar."
Seit 1. Dezember gibt es in Sölden ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen, Straßen und im Ortskern. Heißt konkret: Alkoholkonsum in Bars und Lokalen ist weiterhin erlaubt - draußen auf öffentlichen Flächen nicht. Das neue Verbot solle vor allem eines: mehr Ordnung und Sicherheit im Ort schaffen. "Wir wollen das Feiern überhaupt nicht verbieten oder abschaffen. Das passt nicht zu uns, das ist nicht unsere DNA", sagt der Bürgermeister aus Sölden, Ernst Schöpf.
Aber wir müssen halt schauen, dass es in einem Rahmen bleibt, wo wir es miteinander noch ganz gut verarbeiten können.
Ernst Schöpf, Bürgermeister von Sölden
Mit diesem Gedanken ist Sölden nicht alleine. Auch andere österreichische Wintersportorte wie Ischgl oder St. Anton am Arlberg haben bereits ähnliche Regelungen eingeführt.
Berge, Schnee und Sonnenschein - der Winter in den Alpen kann märchenhaft schön sein.
09.03.2025 | 30:05 minStrafen bis zu 2.000 Euro
Wer sich nicht an das Verbot hält, muss mit Strafen rechnen - theoretisch bis zu 2.000 Euro. So viel musste aber noch nie jemand zahlen, gibt der Bürgermeister zu: "Wir ziehen den Joker der Strafen ganz selten."
Manchmal passiert es dann aber doch - wie dem Urlauber Julian: "Ich bin aus der Schirmbar hinausgegangen und habe einen Meter hinter der Tür noch den letzten Schluck Bier genossen - und wurde erwischt. Ich musste 40 Euro zahlen."
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23.12.2025 | 2:04 minErst Gespräche, dann Strafen
Kontrolliert wird das Alkoholverbot von der Gemeindepolizei Sölden. Beamter Kilian Klotz ist regelmäßig im Ortskern unterwegs. Trifft er Gäste mit Alkohol außerhalb der Lokale an, sucht er zunächst das Gespräch, anstatt sofort Strafen zu verhängen. "Wenn man die richtige Gesprächsebene anpeilt, dann ist das Verständnis da."
Und dann ist es auch so, dass die Personen einsichtig sind und dann auch die Regeln einhalten.
Kilian Klotz, Kontrolleur des Alkoholverbots in Sölden
Oft genügt ein kurzer Hinweis. Die meisten Gäste reagieren verständnisvoll und gehen zurück in die Lokale. Auch im Berufsalltag der Angestellten im Ort zeigt sich eine Wirkung: Kellnerin Marie erlebt die Auswirkungen tagtäglich. Das Arbeiten sei seit dem Verbot deutlich entspannter geworden. Draußen gebe es weniger Streit und weniger Glasscherben zum Wegräumen.
Der Trend "Dry January" erfreut sich großer Beliebtheit. Dabei verzichten viele in den ersten vier Wochen des Jahres auf Alkohol, um dem Körper eine Pause zu gönnen.
07.01.2026 | 2:30 minAlkohol auch auf der Piste ein Thema
Nicht nur im Tal, auch auf der Skipiste spielt Alkohol eine Rolle. Skilehrer Ferdl beobachtet den Umgang der Gäste seit vielen Jahren. "Wenn jemand im Tal zehn Bier verträgt, sind es hier oben vielleicht nur drei", sagt er. Grund seien unter anderem die dünnere Luft am Berg und die beim Skifahren ausgeschütteten Glückshormone. "Da schlägt der Pegel schon mal schneller in die Höhe."
Verhalten der Skifahrer hat sich verändert
Auch die Skifahrer selbst nehmen Rücksicht. Einige trinken auf der Hütte, setzen dann aber auf die Gondel, um sicher ins Tal zu kommen. Betrunken Ski zu fahren sei schlicht zu gefährlich, sagt ein Hüttengast. Außerdem schließen die Hütten am Berg mittlerweile um 18:00 Uhr - eine Maßnahme, die verhindern soll, dass Gäste zu lange trinken, bevor sie auf die Piste zurückkehren.
Après-Ski bleibt also fester Bestandteil der Söldner Kultur - gefeiert wird weiterhin - aber mit klaren Grenzen.
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