Umweltminister-Treffen:Deutschland braucht China beim Klimaschutz
von Elisabeth Schmidt, Peking
Deutschland war mal führend in der Photovoltaik. Inzwischen dominiert China den Weltmarkt in fast allen Klima-Technologien. Das sei nicht nur negativ, so Umweltminister Schneider.
China wehrt sich gegen das Klischee von umweltschädlicher Industrie. Es investiert so viel in erneuerbare Energien wie kein anderes Land - und trotzdem ist der Emissionsausstoß enorm.
31.03.2026 | 2:38 minWer etwa drei Stunden vom Pekinger Stadtzentrum mit dem Auto in die Provinz Hebei fährt, sieht die gepanzerten Drachen: Berge, auf die Zehntausende Solarpaneele gebaut wurden. China hat allein im vergangenen Jahr dreimal so viele Solaranlagen installiert wie Deutschland insgesamt besitzt. Die Volksrepublik dominiert die weltweite Photovoltaik-Rohstoff- und Lieferkette zu 80 Prozent. Deutschland hat inzwischen seine Solar-Branche aufgegeben, der letzte große Produzent ging vergangenes Jahr pleite.
China hat extrem viel in den letzten zehn Jahren für den Klimaschutz getan.
Carsten Schneider (SPD), Bundesumweltminister
Der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (SPD) ist gerade zu seinem Antrittsbesuch in Peking und Shanghai. Die kommunistische Staatsführung will das Land seit Jahren unabhängiger machen von Öl und Gas. Rohstoffe, die China selbst nicht hat. "Deswegen hat China viel investiert in Elektroautos, in Solarenergie und das hat dazu geführt, dass weltweit Solarpaneele mittlerweile so günstig sind, dass sie 90 Prozent des Energiezuwachses, des Produktionszuwachses auf der Welt ausmachen. Das kommt von China und dafür kann man durchaus auch dankbar sein", sagt der Bundesumweltminister.
Diese Monopolstellung setzt Peking allerdings auch als Druckmittel ein, etwa bei Exportkontrollen für Seltene Erden. Diese werden unter anderem für E-Auto-Batterien benötigt.
China besitzt ein Monopol auf den Abbau und den Export seltener Erden. Seit das Land dafür Ausfuhrbeschränkungen angeordnet hat, droht der Nachschub nun knapp zu werden.
19.06.2025 | 1:32 minChina: Klimaschützer und Klimasünder
Die Volksrepublik will 2060 klimaneutral sein und baut ihre Solar- und Windkraftanlagen, ihre Wasserkraftwerke, aber auch Atommeiler massiv aus. Parallel werden hier aber auch neue Kohlekraftwerke errichtet. Das Land bleibt in seiner rasanten Entwicklung weiter energiehungrig. China ist gleichzeitig größter Klimaschützer, aber auch größter Klimasünder. Kein Land der Erde stößt so viel CO2 aus.
Pekings gerade erst verabschiedeter neuer Fünf-Jahres-Plan sieht vor, massiv in Künstliche Intelligenz zu investieren. Die dafür benötigten Daten-Center und KI-Anwendungen werden immer mehr Energie benötigen. Kevin Tu, Chef des Pekinger Büros des Thinktanks "Agora Energy China", glaubt dennoch, dass der Trend in die richtige Richtung geht: "Im vergangenen Jahr hat der Anteil erneuerbarer Energiequellen den der fossilen in China erstmals übertroffen", erläutert er.
Deshalb ist es ziemlich klar, dass der künftige zusätzliche Strombedarf der KI durch erneuerbare Energien und andere saubere Erzeugungstechnologien gedeckt werden wird.
Kevin Tu, Agora Energy China
Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping hat den UN seine Klimaziele vorgestellt. Xi kündigte an, dass die Treibhausgasemissionen bis 2035 um bis zu zehn Prozent sinken sollen.
25.09.2025 | 0:30 minNeue Konkurrenz für Deutschland
Für Deutschland ist China sowohl Vorbild als auch Konkurrent bei Klimaschutz-Technologien. Beim in der Bundesrepublik so heftig umstrittenen Thema Wärmepumpen dominiert die Volksrepublik ebenfalls die weltweite Produktion (40 Prozent). "Wenn sie etwas wollen, sind sie ganz entschlossen und wackeln da nicht und ziehen das durch", bemerkt Carsten Schneider anerkennend über chinesische Entschlossenheit.
Ähnlich werden sie es noch machen im Bereich der Kreislaufwirtschaft, also Rohstoffe wiederzugewinnen, aus Produkten wieder herauszuholen. Da sind wir in Deutschland noch führend. Ich möchte, dass wir das bleiben.
Carsten Schneider (SPD), Bundesumweltminister
Es gelte deshalb, über faire Kooperationen auf Augenhöhe zu verhandeln. Gleichzeitig will Deutschland China als starken Partner bei Klimaschutz-Abkommen gewinnen, wie dem 2025 vorerst gescheiterten weltweiten Plastik-Abkommen. Vor allem, seitdem die USA aus wichtigen Vereinbarungen wie dem Pariser Klimaschutz-Abkommen ausgestiegen sind.
Während Trumps Amerika Klimaschutz aktiv bekämpft und der Green Deal in Europa wankt, werden die Elektrifizierung und die Dekarbonisierung für China zum Exportschlager.
09.11.2025 | 43:16 minPeking will verlässlicher Partner sein
Dass Peking sich in seiner Rolle als verlässlicherer Partner im Vergleich zu Washington nur allzu gut gefällt, könnte diesem Anliegen zugutekommen. "Ihr Besuch wird unserer Zusammenarbeit einen weiteren Schub verleihen und dazu beitragen, die Unsicherheiten der internationalen Lage durch die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland auszugleichen oder abzufedern", sagte Chinas Umweltminister Huang Runqiu beim gemeinsamen Treffen in Peking. Ohne die USA direkt zu nennen, sagte Huang, er sei überzeugt davon, dass Deutschland und China "verantwortungsvolle Nationen" seien.
Elisabeth Schmidt ist Ostasien-Korrespondentin und arbeitet im ZDF-Studio Peking.
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