Verhältnis Iran - China :Trumps Krieg ist Propaganda-Sieg für Peking
von Miriam Steimer, Peking
Wirtschaftlich und politisch ist Iran ein wichtiger Partner Pekings. Doch Iran braucht China dringender als umgekehrt. Chinas Partner sind so lange Partner, wie sie etwas nützen.
Wirtschaftlich und politisch ist der Iran wichtiger Partner Chinas. Doch die Verbindung zwischen beiden Ländern ist asymmetrisch: Iran braucht China viel dringender als umgekehrt.
04.03.2026 | 3:06 minEigentlich wollen die Zwillingsbrüder Majid and Massoud Shamaeizadeh gerade Urlaub in ihrer Heimat Iran machen. Die Koffer sind gepackt, doch wegen des Kriegs sind sie nicht geflogen. Seit 17 Jahren leben sie in Peking, verkaufen Produkte aus ihrer Heimat: Schmuck, Instrumente, Teppiche.
Chinesen finden etwas Vertrautes in der iranischen Kultur.
Massoud Shamaeizadeh, Geschäftsmann aus Iran in Peking
Asymmetrisches Verhältnis zwischen Iran und China
"Vielleicht wegen der vielen Gemeinsamkeiten unserer Kulturen, wie Musik, Kunst, Gemälde", sagt Massoud Shamaeizade. Doch das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist asymmetrisch: Iran braucht China viel dringender als umgekehrt. "Viele mittelständische und kleine Unternehmen aus Iran sind in China tätig. Aber in Iran gibt es Großprojekte", sagt Shamaeizadeh. "Große Unternehmen aus China, die Eisenbahnen oder Tunnel bauen", fügt sein Bruder hinzu.
Nicht nur wirtschaftlich, auch politisch ist Iran wichtiger Partner für China. Bei der Militärparade in Peking im September 2025 gehört Irans Präsident zu den Ehrengästen, bewundert Pekings neueste Waffensysteme. Iran kauft Waffen aus China und testet sie bei gemeinsamen Militärübungen. "Da hat das chinesische Militär die Möglichkeit, von Iran zu lernen. Denn Chinas Militär hat das Problem, dass es seit den 50er Jahren keinen Krieg mehr geführt hat. Iran hingegen hat wirkliche Einsatzerfahrungen", sagt Antonia Hmaidi vom Mercator Institute for China Studies.
Nach den amerikanisch‑israelischen Angriffen und der Tötung von Chamenei verurteilt China die "Ermordung eines Staatsoberhaupts“. Doch sonst bleibt Peking im Konflikt zurückhaltend.
05.03.2026 | 2:37 minZurückhaltende Worte aus Peking
Auf Pekings Drängen wird Iran in Bündnisse wie BRICS oder Shanghaier Kooperation aufgenommen. Bündnisse, die Staats- und Parteichef Xi Jinping mit seinen "Freunden" als Alternative zu denen aufbaut, die in seinen Augen von den USA dominiert werden.
Trotzdem klingt Pekings Kritik am US-israelischen Angriff auf Iran eher zurückhaltend. Macht gebe einem kein Recht, und die Welt dürfe nicht zum "Gesetz des Dschungels" zurückkehren, sagt Chinas Chefdiplomat und fordert eine Feuerpause und ein Ende des Krieges.
Dies ist ein Krieg, der nie hätte passieren dürfen, und der für keine der beteiligten Seiten Vorteile hat.
Wang Yi, Chinas Außenminister
In Peking ist der Nationale Volkskongress zu Ende gegangen. Investitionen in Schlüsselindustrien wurden beschlossen und ein Gesetz, das Minderheitenrechte beschneidet, so Kritiker.
12.03.2026 | 3:13 minAm Ende könnte Russland profitieren
China hat den Angriff schon zuvor verurteilt, ein Ende der Militäroperationen und Sicherheit in der Straße von Hormus zum Wohl der Weltwirtschaft gefordert. Denn Pekings Interesse am Nahen Osten: Neue Märkte und günstiges Öl. Bis zu 90 Prozent der iranischen Öl-Exporte gehen wohl nach China - wegen der Sanktionen über Umwege und besonders preiswert. Doch an Chinas Öl-Importen insgesamt sind das nur etwa 13 Prozent.
"Sollte wirklich kein Öl mehr aus Iran fließen, wäre das kein wirklich großes Problem für Peking", sagt Hmaidi. "Wahrscheinlich würde eher Russland davon profitieren, weil das Land dann in einer besseren Verhandlungsposition gegenüber China wäre, um eben mehr Öl an China zu verkaufen."
Der UN-Sicherheitsrat hat Iran aufgefordert, seine Angriffe auf die Golfstaaten sofort zu beenden. Für die Resolution stimmten 13 der 15 Mitglieder - Russland und China enthielten sich.
12.03.2026 | 0:20 minPeking macht sich Sorgen um Schifffahrtswege
Auf jeden Fall scheint Iran nicht wichtig genug für Peking, um sich kurz vor einem angekündigten Besuch Donald Trumps Ende März in China mit den USA anzulegen. "China würde enorm davon profitieren, sollten die USA im Nahen Osten in einem weiteren Krieg feststecken", sagt Henrietta Levin vom Center for Strategic and International Studies.
Denn das lenke die Aufmerksamkeit von Asien ab und verbrauche US-Luftabwehrkapazitäten und Raketenvorräte. Mehr Sorgen macht man sich in Peking um Schifffahrtswege. Denn durch die Straße von Hormus muss auch das Öl, das China aus Saudi-Arabien oder dem Irak importiert.
Beim Gipfel der SCO trafen sich Staats- und Regierungschefs, die den Europäern "die Sorgenfalten auf die Stirn treiben", wie Iran, so ZDF-Peking-Korrespondentin Miriam Steimer.
31.08.2025 | 7:14 minOb Grönland, Venezuela oder Iran: Washingtons Vorgehen ist ein Propaganda-Sieg für Peking. "Das ist für Peking Gold wert, um die seit langem vor allem im globalen Süden verbreitete Erzählung zu untermauern, dass China die Akteure des globalen Südens respektiert und ein starker Partner ist, der greifbare Vorteile bringt; während die USA unzuverlässig, wenn nicht sogar gefährlich sind", sagt Levin. Pekings Partner sind so lange Partner, wie sie Peking nützen.
Miriam Steimer ist Korrespondentin und als Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
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