Merz-Besuch in Peking:Warum die Beziehungen zu China schwierig bleiben
China und Deutschland wollen enger zusammenarbeiten. Wie das trotz anhaltender Differenzen gelingen kann, erklärt China-Experte Bartsch bei ZDFheute live.
China habe Deutschland in seinen Schlüsselindustrien nicht final überholt, erklärt China-Experte Bernhard Bartsch.
26.02.2026 | 15:51 minZwei Tage war der Bundeskanzler in China. Bei seinem Antrittsbesuch in der Volksrepublik hatte Friedrich Merz das vorrangige Ziel, die Beziehungen zu Peking zu stärken und auszubauen. Im Fokus standen dabei die Themen Wirtschaft und Handel. Beide Seiten betonten, man wolle enger zusammenarbeiten.
Gleichzeitig bleiben Differenzen. Vor allem mit Blick auf den Krieg in der Ukraine herrscht Uneinigkeit. Während Deutschland und die EU klar auf der Seite Kiews stehen, betrachtet sich China als neutralen Beobachter - eine Haltung, die Merz kritisiert. Peking als Verbündeter Russlands müsse sich für ein Ende des Krieges einsetzen.
Im Interview mit ZDFheute live erklärt Bernhard Bartsch vom Mercator-Institut für China-Studien, wie und warum eine Zusammenarbeit trotz teils großer Differenzen gelingen kann.
Durch seinen Besuch in China wollte Bundeskanzler Merz unter anderem die Wirtschaftsbeziehungen verbessern. Heute besuchte er dafür zwei Unternehmen und zog eine positive Bilanz.
26.02.2026 | 1:53 minSehen Sie das ganze Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt China-Experte Bartsch zu der Frage…
… welche Ergebnisse Merz' Antrittsreise gebracht hat
Bundeskanzler Merz habe vor allem versucht, das Arbeitsverhältnis zwischen China und Deutschland zu stabilisieren. Wenn das gelungen sei, sei das ein Erfolg, so Bartsch. Offen bleibe aber weiterhin "das ganz große Thema" des Wettbewerbs. Die damit einhergehenden Herausforderungen seien noch zu klären. Nur dann könne die deutsche Wirtschaft "im großen internationalen Großmächte-Wettbewerb" mithalten.
Es wird einige Jahre brauchen (…), um wieder selbstbewusster gegenüber China auftreten zu können.
Bernhard Bartsch, Mercator-Institut für China-Studien
Der Bundeskanzler möchte die wirtschaftlichen Beziehungen zu China stärken. China nutzt jedoch die aktuelle Lage rund um den Ukraine-Krieg für sich. ZDFheute live erklärt die Zusammenhänge.
26.02.2026 | 29:51 minZwar sei der Besuch für beide Seiten "unfallfrei" verlaufen, Deutschland müsse sich jetzt jedoch weiter behaupten, erklärt der China-Experte. Trotz diplomatischer Töne habe Merz deutlich gemacht, "dass die systemische Rivalität eigentlich im Vordergrund steht".
Der Spagat zwischen Wirtschaftsinteressen und bestehenden politischen Differenzen werde die Beziehung zwischen Deutschland und China in den kommenden Jahren prägen. Die neu gewonnene Stabilität müsse man deshalb nutzen, um weniger abhängig von China zu werden.
… wie es um die Handelsbeziehungen zwischen China und Deutschland steht
Die Differenz zwischen den Importen aus und den Exporten nach China habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben, erklärt Bartsch. Das liege daran, dass Peking weniger deutsche Waren benötige. Gleichzeitig beziehe Deutschland viele günstige Alltagsprodukte aus China.
Das wirklich Dramatische ist aber, dass China in den Bereichen zu einem ernsten Wettbewerber wird, in denen Deutschland traditionell erfolgreich war.
Bernhard Bartsch, China-Experte
Das betreffe vor allem die Maschinenbau-, Automobil- und Hightech-Branche. Um dieses Problem zu lösen, brauche es europäische Lösungen. Die Zölle auf chinesische E-Autos seien ein Beispiel dafür.
Grundsätzlich gelte aber: Deutschland konkurriere international nicht nur mit China. Deshalb gelte es, die deutsche und europäische Innovationskraft zu fördern.
Mit Besuchen bei Unternehmen in der südchinesischen Hightech-Metropole Hangzhou beendet Bundeskanzler Friedrich Merz heute seine zweitägige China-Reise.
26.02.2026 | 2:32 min… welche Rolle China im Krieg gegen die Ukraine einnimmt
China und Russland seien "ideologische Partner". Bartsch hält es für wichtig, Peking immer wieder klarzumachen, welche Kosten durch den Krieg entstehen. Peking sei sich dessen durchaus bewusst, setze aber andere Prioritäten. Durch die Unterstützung Russlands wolle die Volksrepublik "auch Signale an andere autokratische Systeme der Welt senden".
China hat ein Interesse an diesem Krieg, China hat ein Interesse am russischen Erfolg.
Bernhard Bartsch, Mercator-Institut für China-Studien
In seiner Kritik am Handelspartner sei Friedrich Merz deutlicher als seine Vorgänger. Der deutsche Blick auf China habe sich durch dessen Unterstützung für Russland maßgeblich verändert, so Bartsch.
Das Interview führte Philip Wortmann für ZDFheute live. Zusammengefasst haben es Merit Tschurer und Paul Herweh.
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