Pekings Fünfjahresplan:Warum Chinas Volkskongress so wichtig für Deutschland ist
von Miriam Steimer
Chinas Schein-Parlament nickt ab, was längst entschieden wurde. Doch Pekings wichtigstes Politik-Ereignis hat Folgen für uns alle. Was KI, E-Autos und Roboter damit zu tun haben.
In China hat die jährliche Tagung des Nationalen Volkskongresses begonnen. Die Volksrepublik plant, den Verteidigungshaushalt erneut deutlich zu erhöhen.
05.03.2026 | 1:31 minSynchrones Tee-Einschenken, Nein-Stimmen, die sich an einer Hand abzählen lassen, eine Tagesordnung ohne Überraschungen. Einmal im Jahr tagt in der Großen Halle des Volkes in Peking das mit Abstand größte Parlament der Welt. Auf dem Papier ist es eine mächtige Institution, die die Verfassung ändern, Kriege erklären, Gesetze erlassen kann. In der Praxis wird hier nur abgenickt, was die Parteiführung unter Staats- und Parteichef Xi Jinping längst beschlossen hat.
Chinas neues Selbstbewusstsein
Doch diesen Termin als uninteressante Routine abzutun, wäre falsch. Denn was in diesen Tagen in Peking passiert, hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Auf diese Welt, die sich gerade die Augen reibt angesichts von Pekings neuem Selbstbewusstsein: Da ist Pekings diplomatische Stellung, ein hoch frequentierter roter Teppich und eine Staatsführung, die nicht viel tun muss, um neben Donald Trump im Weißen Haus wie der vernünftigere und verlässlichere Partner zu wirken.
Wirtschaftlich und politisch ist der Iran wichtiger Partner Chinas. Doch die Verbindung zwischen beiden Ländern ist asymmetrisch: Iran braucht China viel dringender als umgekehrt.
04.03.2026 | 3:06 minDa ist das Quasi-Monopol auf Abbau und Verarbeitung von seltenen Erden, die die ganze Welt für Smartphones, Windräder oder Raketen braucht. Da sind die Überkapazitäten an E-Autos, die von China aus zu günstigen Preisen in die ganze Welt gehen.Das sind Chinas Roboter, die Salto schlagend durch soziale Medien turnen und die auch der deutsche Bundeskanzler bei seinem Besuch in Chinas "Silicon Valley" gerade bewunderte.
Beim Volkskongress in Peking wurde der 5-Jahres-Plan vorgestellt. "Die Botschaft hier aus Peking ist, die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Westen zu verringern", so ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer aus Peking.
05.03.2026 | 3:22 minEin Wachstum mit Ansage
Peking nutzt die Softpower der Sozialen Netzwerke, um sich als Hightech-Nation zu präsentieren. Immerhin kamen 2022 bereits 1,65 Millionen Patente - fast die Hälfte aller weltweit - aus China. Zum Vergleich: 1980 waren es lediglich 44. Das zeigt den rasanten Aufstieg des Landes in den vergangenen Jahrzehnten. Ein Aufstieg, der im Westen immer noch viele überrascht.
Das hat damit zu tun, dass wir nicht hingeschaut haben. Denn alles, was wir jetzt sehen, passierte mit Ansage.
Marina Rudyak, Sinologin am Paul Tsai China Center der Yale-Universität
"Dass China KI-Supermacht werden will, stand in den Fünfjahresplänen. Dass China bei grünen Technologien führend werden will, stand in den Fünfjahresplänen", sagt Rudyak.
"Chinesisch werden" geht aktuell auf Social Media viral. Warum China im Trend ist, erklärt unsere ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer in Peking.
08.02.2026 | 1:33 minDas Ziel, dass es keine global wichtige Produktionskette geben soll, die ohne China auskommt, hat Staats- und Parteichef Xi Jinping offen verkündet. Das Thema seltene Erden hat Peking schon seit den 80ern auf dem Zettel.
Das alles ist vor unseren Augen geschehen. Wir haben es nicht gelesen, wir haben es nicht geglaubt.
Marina Rudyak, Sinologin am Paul Tsai China Center der Yale-Universität
Pekings Fahrplan bis zum Jahr 2030
Beim Volkskongress in Peking, der heute beginnenden Tagung von Chinas Scheinparlament, liegt der nächste Fünfjahresplan auf dem Tisch: Pekings Fahrplan für Wirtschaft, Technologie und Gesellschaft des Landes bis 2030.
Ist die deutsche Industrie von einem sogenannten "China-Schock" bedroht? Wie kann sie gegen günstige Exporte geschützt werden? "WISO - Wirtschaft erklärt" mit ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller.
24.02.2026 | 8:46 minEs ist ein Plan in unsicheren Zeiten angesichts internationaler Krise, Chinas schwächelnder Wirtschaft und seiner schrumpfenden Bevölkerung. Deshalb rückt er neben der Ankurbelung des Konsums noch mehr Chinas technologische Eigenständigkeit ins Zentrum. Peking will seine Industrieförderung in Bereichen wie Chip-Produktion, künstliche Intelligenz, Batterien und Quantenforschung noch stärker bündeln, um die Abhängigkeit vom Westen weiter zu verringern.
Natürlich heißt Planwirtschaft auch in China nicht, dass alles nach Plan läuft. Doch der Plan ist auch eine To-Do-Liste für Chinas Unternehmen und wer die abarbeitet, kann mit Pekings staatlicher Industrieförderung rechnen: mit politischer Unterstützung, Subventionen und Steuererleichterungen.
Schwerpunkt Service-Roboter
Auch die Roboter kommen im neuen Plan vor: Während der Schwerpunkt bisher auf Industrierobotern lag, soll es nun verstärkt um humanoide Serviceroboter gehen. Wenn uns in Zukunft auf Instagram, TikTok und Co. also blecherne Köche, KI-gesteuerte Haustiere und Pflegeroboter für Senioren begegnen, sollte niemand überrascht sein.
Miriam Steimer ist Korrespondentin und als Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien in Peking zuständig für die Berichterstattung u.a. aus China, Japan, Korea und den Philippinen.
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