Wirtschaftliche Abhängigkeit:BASF-Werk in Zhanjiang: Wie passt das zur China-Strategie?
von Elisabeth Schmidt und Susanne Pohlmann
Deutschlands Wirtschaft will unabhängiger von China werden - dennoch öffnet Chemie-Riese BASF dort sein bisher teuerstes Werk. Firmenchef Kamieth verteidigt die Investition.
Dieses am 26. März 2026 aufgenommene Foto zeigt die Wasseraufbereitungsanlage des integrierten BASF-Standorts (Guangdong) in der Stadt Zhanjiang in der südchinesischen Provinz Guangdong.
Quelle: ImagoEin Milliarden-Großprojekt, das ohne Verzögerung und Kostenexplosion fertiggestellt wird? Willkommen am neuen Chemiestandort von BASF im südchinesischen Zhanjiang. Mit 8,7 Milliarden Euro ist es die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte.
"China ist der größte Chemiemarkt der Welt und auch der am stärksten wachsende Chemiemarkt der Welt", sagt BASF-Chef Markus Kamieth im Interview mit ZDFheute. "Deswegen haben wir uns entschieden, die nächste Großinvestition hier in China voranzutreiben."
Wie passt die BASF-Investition in die neue China-Strategie?
In Zhanjiang sollen Kunststoffe und Chemikalien für Autos, Konsumgüter, Medizin und Elektronik entstehen. Vom Grundstoff bis zum Endprodukt sind die Produktionsabläufe eng miteinander verzahnt - das ist das Merkmal eines Verbundstandorts. Vorteil: Energieeffizienz. Außerdem soll das Zhanjiang-Werk zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom betrieben werden.
Kanzler Merz besichtigte im Februar Chinas Innovationszentren. Der Besuch konfrontierte deutsche De-Risking-Pläne mit der Realität enger wirtschaftlicher Verflechtungen.
26.02.2026 | 2:24 minKlingt gut - und doch stellt sich die Frage: Passt die Investition in die neue China-Strategie des De-Risking? Womit gemeint ist, dass Deutschland bemüht ist, die wirtschaftliche Abhängigkeit, insbesondere von China, zu verringern. Wenn auch, ohne die Handelsbeziehungen komplett abzubrechen.
BASF-Chef: China-Rückzug wäre "das viel größere Risiko"
Wie fügt sich nun dieses gigantische Werk, diese Investition, in diese Strategie ein? Passt das noch zusammen? BASF-Chef Marcus Kamieth widerspricht: "Ich finde das Wort Abhängigkeiten immer ein bisschen fehlgeleitet, weil wir natürlich uns hier Chancen erarbeiten."
Natürlich investieren wir hier auch viel Geld, viel Kapital. Aber aus unserer Sicht steht das Verhältnis von Investitionen zu den wirtschaftlichen Chancen in einem guten Verhältnis.
Marcus Kamieth, BASF-Chef
Erstmals exportiert China mehr Autos in die EU als umgekehrt. Laut EY importierte die EU 2025 Fahrzeuge für 22 Milliarden Euro. Die deutschen Ausfuhren nach China sanken auf 16 Milliarden Euro.
20.03.2026 | 0:26 minKamieth findet: "Stellen Sie sich vor, wie eine BASF ohne die Hälfte des Weltmarkts China aussehen würde. Das Abkoppeln von China oder ein Aufgeben des chinesischen Marktes ist aus meiner Sicht das viel größere Risiko."
Stammwerk Ludwigshafen in der Krise
Zugegeben, der Zeitpunkt, an dem das Werk beschlossen wurde, lag in einer anderen Zeit: 2018 - vor acht Jahren, als BASF das Riesenwerk in China ankündigte, war Angela Merkel noch Kanzlerin, Peter Altmeier Wirtschaftsminister. Und mit der Volksrepublik China verband Deutschland eine enge wirtschaftliche Beziehung inklusive regelmäßiger deutsch-chinesischer Regierungskonsultationen.
BASF glänzte damals dank billiger Energie aus Russland mit ordentlichen Jahresergebnissen. Seit dem Ukraine-Krieg 2022 hat sich vieles verändert. Das Stammwerk Ludwigshafen steckt tief in der Krise und leidet wie viele Unternehmen unter den hohen Energiepreisen und einer schwachen Konjunktur.
Weil China viele Waren nach Deutschland exportiert, sei Peking Merz als engen Partner angewiesen, erklärt ZDF-Korrespondentin Schmidt. China sehe den Besuch als absoluten Erfolg.
26.02.2026 | 6:53 minDas Deutschland-Geschäft schrieb zuletzt Verluste in Milliardenhöhe. BASF musste Stellen abbauen und Sparprogramme auflegen. Teile der Wertschöpfung wurden zunehmend ins Ausland verlagert. Nicht durch Abbau, sondern durch stärkere Auslandsinvestitionen, da Europa nicht mehr wettbewerbsfähig genug ist.
BASF-Chef bekennt sich zu Standort in Deutschland
Mit seinem zweiten Werk in Chinas Süden, neben dem im ostchinesischen Nanjing, möchte BASF seine Position auf dem Chemiemarkt verbessern. Und doch ist es dem BASF-Chef wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Standort Ludwigshafen immer noch der wichtigste ist und bleibt:
Wir investieren an keinem Standort der Welt mehr als in Ludwigshafen. Es wird immer so getan, als ob wir überproportional in China investieren. Das ist nicht so.
Marcus Kamieth, BASF-Chef
Zwar habe BASF nun ein großes Projekt in China in Betrieb genommen. "Aber wenn man sich das über einen längeren Zeitraum anschaut, investieren wir mit Abstand das meiste in Europa und das meiste am Standort Ludwigshafen."
China habe Deutschland in seinen Schlüsselindustrien nicht final überholt, erklärt China-Experte Bernhard Bartsch. Deutschland solle seine technologische Innovationskraft nicht unterschätzen.
26.02.2026 | 15:51 minDoch auch in China hat sich die Lage deutlich verändert. Die Wirtschaft wächst langsamer, der Wettbewerb ist härter geworden und setzt Unternehmensgewinne unter Druck. Auch deshalb räumte Kamieth zuletzt ein, dass sich die chinesische Milliarden-Investition wohl langsamer auszahlen wird, als ursprünglich geplant.
Elisabeth Schmidt ist Ostasien-Korrespondentin und arbeitet im ZDF-Studio Peking. Susanne Pohlmann ist Redakteurin des ZDF-Magazins "WISO".
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