UN-Bericht zu Wanderfischen :Warum es Huchen, Goonch und Goldwels so schwer haben
von Mark Hugo
Silberkarpfen, Goonch und Huchen sind Fische, die weite Strecken zurücklegen. Doch weil das oft nicht mehr geht, sind sie gefährdet. Ein UN-Bericht fordert dringend mehr Schutz.
Dämme, Verschmutzung und Überfischung machen wandernden Süßwasser-Fischarten weltweit immer mehr zu schaffen. Laut UN haben die Populationen seit 1970 um mehr als 80 Prozent abgenommen.
24.03.2026 | 0:50 minDer Huchen, auch Donaulachs genannt, hat es schwer. Mit bis zu 30 Kilo und einer Länge von fast eineinhalb Metern gehört er zu den größten Raubfischen in den Flüssen Mitteleuropas. Zwischen den Laichgebieten und den Küstenorten legt er weite Strecken zurück, wenn er kann.
Inzwischen gehört er zu den am stärksten gefährdeten Fischarten in Europa. Barrieren wie Wasserkraftwerke oder Staustufen machen ihm zu schaffen. Dazu kommen Verschmutzung und die Wassererwärmung durch den Klimawandel.
Der Naturschutzbund schlägt Alarm: rund ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten ist gefährdet oder bedroht. Für mehr Wertschätzung sollen schon Kinder mehr sensibilisiert werden.
22.05.2025 | 1:28 minUN-Bericht warnt: Bestände stark zurückgegangen
Ein Schicksal, das der Huchen mit vielen Wanderfischarten auf der Welt teilt, so warnt jetzt ein Bericht der UN, der auf einer Konferenz zum Schutz wandernder Wildtiere im brasilianischen Campo Grande vorgestellt wurde.
Noch bis zum 29. März findet im brasilianischen Campo Grande die 15. Konferenz zur Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) statt. Erwartet wird, dass die teilnehmenden Regierungen neue Schutzmaßnahmen beschließen und weitere Arten unter den Schutz der Konvention stellen werden. Die auch Bonner Konvention genannte CMS wurde 1979 geschlossen. 133 Staaten haben sie seitdem unterzeichnet.
Dem Bericht zufolge sind seit 1970 die Bestände wandernder Süßwasserfische bereits um etwa 81 Prozent zurückgegangen. Denn die sind auf lange, ununterbrochene Flusskorridore angewiesen, die Laichplätze und Nahrungsgebiete miteinander verbinden, so der Bericht. Wenn Staudämme, veränderte Flussläufe oder die Zerstörung von Lebensräumen diese Wege unterbrechen, könnten die Populationen rapide zurückgehen.
Wie verändert die Zerstörung des Regenwalds das Klima auf der Welt? ZDF-Umweltreporter Sherif Rizkallah und Wissenschaftlerin Mira Pöhlker wollen das auf einer Amazonas-Expedition herausfinden.
10.11.2025 | 43:14 minForschende für mehr internationale Zusammenarbeit
"Viele der größten Tierwanderungen der Welt finden unter Wasser statt", erklärt der Biologe Dr. Zeb Hogan, leitender Autor des Reports. Um die betroffenen Tierarten künftig besser zu schützen, müsse nun dringend auf internationaler Ebene zusammengearbeitet werden.
Flüsse kennen keine Grenzen - und die Fische, die von ihnen abhängig sind, auch nicht.
Michele Thieme, WWF
Flüsse müsse man als vernetzte Systeme sehen und bewirtschaften - mit grenzüberschreitender Koordination, sagt Michele Thieme vom WWF, der an der Bestandsaufnahme beteiligt war.
Schutzmaßnahmen für 325 Fischarten empfohlen
Für insgesamt 325 Arten weltweit empfiehlt der UN-Report koordinierte Schutzmaßnahmen. Dazu gehört die Schaffung von Korridoren, über die sich die Tiere bewegen können, ein grenzüberschreitendes Monitoring und abgestimmte Regeln für den Fischfang.
Großtrappe, Feldhamster und Feldgrille sind bedroht. Der Weltartenschutztag macht darauf aufmerksam - und zeigt am Beispiel der Feldgrille: Artenschutz kann wirken.
03.03.2026 | 2:10 minFischarten in Asien besonders betroffen
Auf der Liste des Berichts steht der Huchen als eine von 50 Arten in Europa - zusammen mit dem Silberkarpfen oder dem Perlfisch. Mehr als 200 betroffene Arten leben in den Flüssen Asiens.
Der Goonch gehört zu den wandernden Fischarten. Er ist bis zu zwei Meter lang und lebt in den Strömen Südasiens. Auch er ist eine gefährdete Art.
Quelle: Zeb Hogan/UNDazu gehört der haiähnliche und bis zu zwei Meter lange Goonch, eigentlich Bagarius yarrelli, der in den Strömen Südasiens lebt. Und Probarbus jullieni, ein Karpfenfisch, der einst vor allem in Thailand, Laos und Vietnam weit verbreitet war. Wegen Überfischung und des Verlustes von Lebensraum sind beide Arten gefährdet.
Jahrzehntelang schrumpfte Zahl der grünen Meeresschildkröte dramatisch. Doch jetzt steht die Art nicht mehr auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.
10.10.2025 | 1:33 minGoldwels mit Wander-Rekord unter den Fischen
In Südamerika ist zum Beispiel der Goldwels betroffen. Er kann ebenfalls bis zu zwei Meter lang werden und legt im Laufe seines Lebens zwischen den Quellgebieten der Anden und den Laichgebieten an der Küste 11.000 Kilometer zurück. Damit hält er den Rekord unter den Süßwasserfischen. Und hat auf seiner Reise mit immer mehr Hindernissen und Gefahren zu tun.
Die Krise, die sich unter unseren Wasserwegen abspielt, ist weitaus gravierender, als den meisten Menschen bewusst ist.
Michele Thieme, WWF
Immerhin: Einzelne Projekte und Initiativen gibt es bereits. Entlang des Mekong haben sich vor drei Jahren mehrere Gemeinden aus Thailand und Laos zusammengetan und Schutzzonen für den Probarbus jullieni geschaffen. Und in die Isar bei München hat man im letzten Sommer aufgezüchtete Huchen ausgesetzt - in der Hoffnung, dass sich zumindest hier die Bestände wieder erholen.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
Mehr zum Thema Artenschutz
- Interview
Auswilderung von Wisent, Luchs, Zebrahai:Warum die Rückkehr von Wildtieren so kompliziert ist
mit Video2:10 Projekt mit Berliner Tierpark:Mit dem Flieger in den Kaukasus: Die Rückkehr der Wisente
von Stefanie Haynmit Video3:04