Wisent-Auswilderung in Aserbaidschan: Erfolg für den Artenschutz

Artenschutz-Projekt mit Berliner Zoo:Mit dem Flieger in den Kaukasus: Die Rückkehr der Wisente

von Stefanie Hayn

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Fast 100 Jahre ist es her, dass der letzte Wisent im Kaukasus abgeschossen wurde. Ein internationales Artenschutz-Projekt bringt die großen Säugetiere in ihre alte Heimat zurück.

Wisente in Schneelandschaft

Wisente aus mehreren Ländern wurden nach Aserbaidschan gebracht. Die Auswilderung im Nationalpark wird von einem Projekt durchgeführt, das sich für die Rückkehr der Tiere einsetzt.

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Erst ist nur eine Nase zu sehen, der große Wisentbulle zögert. Dass alle Augen auf ihn gerichtet sind, ist ihm völlig egal. Dabei ist es ein großer Moment, als bei der ersten robusten Transportkiste die Klappe aufgeht und das Tier die ersten Schritte auf dem Weg in die Freiheit macht. Nach und nach öffnen sich alle Boxen.

Zwölf Wisente, neun Kühe und drei Bullen, betreten ihr neues Zuhause in Aserbaidschan. Manche sind recht vorsichtig, andere machen einen riesigen Satz. Dann steht die kleine Herde aus dem Berliner Tierpark zum ersten Mal im Shadagh-Nationalpark im Norden von Aserbaidschan.

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Mit dem Flugzeug nach Aserbaidschan

Drei Tage waren die Wisente und ihr Betreuerstab unterwegs. Mit dem Lkw, mit dem Flieger nach Baku und dann noch einmal über Straßen bis in den Nationalpark.

Franziska Sutter, Tierärztin aus dem Berliner Tierpark, hat die Auswanderer schon lange betreut. Sie hat sie untersucht und geimpft und war auch beim Transport dabei. Als alle Wisente wohlbehalten im Schnee stehen, strahlt Sutter.

Das ist doch schön zu wissen, dass diese Tiere jetzt wieder hier im Kaukasus sind. Das ist einfach traumhaft.

Dr. Franziska Sutter, Tierärztin im Tierpark Berlin

Es ist ein Erfolg für den Artenschutz. 1927, vor fast 100 Jahren also, wurde der letzte Wisent im Kaukasus abgeschossen. Damit war die Art in ihrem natürlichen Lebensraum ausgerottet. Nur wenige Tiere überlebten in menschlicher Obhut. Inzwischen gibt es verschiedene Wiederansiedlungsprojekte und auch in den Kaukasus kehren die großen Säugetiere jetzt zurück.

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Tiere kommen aus ganz Europa

Die Herde wurde im Berliner Tierpark zusammengestellt. Es ist ein Projekt mehrerer europäischer Tierparks. Spirgit, die große Leitkuh, kommt aus Niedersachsen, ihre Mitreisenden aus Berlin und anderen Teilen Deutschlands, aus Ungarn, Österreich und Tschechien.

Außerdem sind sechs Tiere aus dem Wisentprojekt im Rothaargebirge nach Aserbaidschan gekommen. Auch wenn sie alle von den wenigen überlebenden Individuen abstammen, sollen sie doch so unterschiedlich wie möglich sein, Inzucht damit bestmöglich vermieden werden.

"Das europäische Erhaltungszuchtprogramm legt sehr viel Wert darauf, dass die Genetik stimmt", erklärt Sutter. "Das heißt, dass die Tiere nicht eng verwandt sind, so dass eine Vermehrung im natürlichen Lebensraum mit einem starken Immunsystem verbunden ist."

Zwei kleine Schildkröten liegen auf einer Zeitung und essen an einem Blatt Salat. Die Rücken sind jeweils mit einer Nummer gekennzeichnet.

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Wanderroute der Leitkuh auf dem Rechner

Ein paar der Auswilderungskandidaten, wie die Leitkuh Spirgit, sind mit Sendehalsbändern ausgerüstet. Ihre Wanderrouten landen so auf dem Rechner von Aurel Heidelberg, dem Leiter des Wisent-Projekts beim WWF. Der WWF ist Partner bei diesem großen Wiederansiedlungsprojekt. Der Experte kann durch die Signale der Halsbänder verfolgen, wo seine Schützlinge unterwegs sind und ob es ihnen gut geht.

Denn auch wenn die Wisente imposante Tiere sind, im 130.000 Hektar großen Shadagh-Nationalpark ist es nicht leicht, sie im Blick zu behalten. Futter im natürlichen Lebensraum zu finden, würden die Zootiere recht schnell lernen, so Aurel Heidelberg. Doch auch, wenn Wisente nicht viele natürliche Feinde haben: Wenn die Kälber auf die Welt kommen, lauern dennoch Gefahren.

Das Wichtigste, was die Tiere erlernen müssen, sind ihre natürlichen Instinkte gegenüber Großprädatoren - wie beispielsweise Wölfen.

Aurel Heidelberg, WWF

Wolf guckt direkt in die Kamera - Symbolbild

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Wisente schaffen Licht im Wald

Das Projekt der Wisent-Ansiedlung läuft seit 2019. Inzwischen sind schon die ersten Kälber in Freiheit geboren. Die großen Säugetiere fressen sich durch die Landschaft, schaffen Lichtungen und damit Licht im Wald. So entsteht neuer Lebensraum.

Wisente sind wie Landschaftsgärtner.

Aurel Heidelberg, WWF

Mit den Neuankömmlingen gibt es nun rund 90 Wisente im Schutzgebiet. Etwa 130 erwachsene Tiere braucht der Bestand, damit er stabil ist und sich selbst überlassen werden kann, meint der WWF-Experte. Die frisch Zugezogenen haben jetzt noch ein bisschen Eingewöhnungszeit, bevor sie dann frei durch den Shadagh-Nationalpark in den kaukasischen Bergen ziehen.

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Quelle: dpa

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Über dieses Thema berichtete Volle Kanne am 06.02.2026 ab 09:05 Uhr.

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