Rote Liste: Wüstenregenfrosch jetzt gefährdet - Warnung der IUCN

Warum die IUCN vor Artensterben warnt:Internet-Star in Gefahr: Wüstenregenfrosch auf Roter Liste

von Winnie Heescher

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Vom Internet-Star zur gefährdeten Art: Der Wüstenregenfrosch ist jetzt auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Die Weltnaturschutzunion warnt vor voranschreitendem Artensterben.

Ein Wüstenregenfrosch sitzt im Sand.

Diamantenbergbau, Infrastrukturprojekte und Tourismus bedrohen den Lebensraum des Wüstenregenfroschs. Damit seine Art sich wieder erholt, braucht sie mehr ungestörten Platz zum Leben.

09.07.2026 | 0:38 min

Der Verlierer ist ein Internet-Star, lebt schon immer sehr zurückgezogen in Namibia und Südafrika: der Wüstenregenfrosch. Ein kleiner, nicht mal fünf Zentimeter großer Frosch, der, wenn er sich gegen Feinde behaupten muss, ziemlich laut fiepen kann.

Internet-Star in Gefahr: Warum der Wüstenregenfrosch bedroht ist

Weil er das mal vor laufender Kamera eines Naturliebhabers getan hat und das viele Menschen niedlich fanden, erfreut er sich weltweit einer gewissen Popularität. Die ihn nicht schützt vor uns Menschen: Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat ihn in ihrer aktualisierten Roten Liste als gefährdet eingestuft.

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Denn dort, wo der Wüstenfrosch lebt, entstehen immer mehr Industrieprojekte: Wasserstoffproduktionen, Diamantabbau, Bergbau. Auch Klimawandel, zunehmender Tourismus und Wildtierhandel tragen dazu bei, dass die Population der Wüstenregenfrösche immer kleiner wird.

Die Entwicklung wird generell für alle Arten auf der Roten Liste schlimmer.

Craig Hilton-Taylor, IUCN

Laut Craig Hilton-Taylor, einem Forscher der IUCN, habe sich im Vergleich zum letzten Mal nur bei drei Arten die Lage gebessert, während über 30 Arten mehr gefährdet seien als zuvor.

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Weichtiere gefährdet: Artensterben reicht bis in die Tiefsee

Ein anderes Beispiel: Auch Weichtiere, also Tiere ohne Skelett, sieht die IUCN in der Tiefsee in Gefahr. Besonders Muscheln und Schnecken, die im Gebiet um erloschene Heißwasserquellen leben.

62 Prozent werden von der Organisation als vom Aussterben bedroht eingestuft. Denn auf dem Meeresgrund liegen Millionen Tonnen von seltenen Erden und Mineralien: Die Vorkommen an Eisen, Kobalt und Kupfer haben weltweit Begehrlichkeiten geweckt: Die Industrie will sie durch Tiefseebergbau erschließen.

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Tiefseebergbau: Abbau von Mineralien schadet Meeresbewohnern

Das verursacht Sedimentwolken, die den Tieren das Atmen und die Nahrungsaufnahme aus dem umgebenden Wasser erschweren. Am Ende sterben auch mehr dieser Organismen.

"Es ist wirtschaftlich klar, dass der Tiefseebergbau den Landbau nicht ersetzen wird, er wird nur einen kleinen Teil leisten zum Metallbedarf", sagt Matthias Haeckel, Biogeochemiker am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. "Und dann ist das wirklich die große Frage: Ist das gesellschaftlich verantwortbar?"

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Rote Liste zeigt nur einen Teil des globalen Artensterbens

Weltweit geht die Wissenschaft von rund zehn Millionen Arten auf der Welt aus. Gerade mal 175.909 sind auf der aktuellen internationalen Roten Liste bekannt und erfasst. 49.505 davon werden als bedroht gelistet.

Das heißt: Wir kennen eigentlich nur einen Bruchteil aller Lebewesen auf der Welt, eine vollständige Inventur gibt es nicht. Und gleichzeitig verschwinden die Arten, die wir kennen, in zunehmendem Tempo.

Özden Terli, Elefant, Bienen,Label Erwärmung

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Matthias Glaubrecht, Experte für Biodiversität an der Universität Hamburg, sieht auch den Menschen in der Verantwortung: "Der Haupttreiber für das Artensterben ist der Flächenverlust, das heißt, dass wir Menschen den Lebensraumverlust von ganz vielen Tieren und Pflanzen bewirken." Deshalb müsse nicht nur der Artenschutz befördert werden, sondern auch Natur-, Umwelt und Flächenschutz.

Mit Biodiversität (auch biologische Vielfalt) ist die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme gemeint. Auch wenn Artenvielfalt fälschlicherweise manchmal als Synonym verwendet wird, beschreibt der Begriff nur einen Teil der Biodiversität. Auch die Vielfalt innerhalb einzelner Arten und etwa die Vielfalt von Biotopen und Ökosysteme gehören dazu. Forschende - und auch der WWF - weisen immer wieder darauf hin, dass der Blick auf den Artenschutz allein nicht ausreicht. Noch wichtiger sei es, das Funktionieren zusammenhängender Systeme zu erhalten.


Mensch gefährdet durch Artensterben eigenes Überleben

Die Biodiversität ist aus vielen Gründen schützenswert. Einer davon ist die abwechslungsreiche Ernährung. Dafür braucht es gesunde Böden, sauberes Wasser, alte Kulturpflanzen, Nutztiere. "Mit dem Verlust von Arten oder auch von Populationen, rotten wir all das immer mehr aus", warnt Matthias Glaubrecht.

Wir lassen der Natur immer weniger Platz und gefährden letztlich unser eigenes Überleben.

Matthias Glaubrecht, Biologe an der Universität Hamburg

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Rote Liste als Instrument gegen das Artensterben

Die Rote Liste kann ein Instrument dafür sein, politisch die richtigen Prioritäten für den Artenschutz zu setzen. Für manche Arten kann sie auch die letzte Rettung sein.

Die Population des Numbats, ein Beuteltier in Australien, konnte sich zum Beispiel durch gezielte Schutzmaßnahmen erholen. Eine gute Nachricht unter vielen schlechten Nachrichten, die sich aus der diesjährigen Roten Liste lesen lassen.

Winnie Heescher ist ZDF-Umweltexpertin.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Rote Liste: Wüstenregenfrosch zählt zu gefährdeten Arten" am 09.07.2026 um 14 Uhr.

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