Rote Liste: Kaiserpinguin in der Antarktis nun "stark gefährdet"

Größte Pinguin-Art der Welt:Rote Liste: Warum der Kaiserpinguin nun stark gefährdet ist

Mark Hugo

von Mark Hugo

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Der Kaiserpinguin braucht Eis zum Überleben. Doch durch den Klimawandel taut das in der Antarktis immer früher. Welches Tier auf der neuen Roten Liste ebenfalls hochgestuft wurde.

Important Bird Area: Kaiserpinguine sind die einzigen Bewohner von Snow Hill Island im antarktischen Weddellmeer

Kaiserpinguine stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Es gibt nur noch eine halbe Million von ihnen, deshalb gelten sie als stark gefährdet. Woran liegt das?

09.04.2026 | 2:38 min

Dem Kaiserpinguin zieht der Klimawandel sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Denn für die Küken und während der Mauser braucht er als sicheren Lebensraum sogenanntes Ankereis - also Eis, das an der Küste oder dem Meeresboden fest verankert ist.

Kaiserpinguin ab jetzt auf Roter Liste "stark gefährdet"

Bricht das Eis durch die steigenden Temperaturen im Jahr zu früh ab, kann das für den Kaiserpinguin verheerende Folgen haben. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat ihn vor allem deshalb in ihrer Roten Liste nun auf "stark gefährdet" hochgestuft.

Kaiserpinguine sind mit bis zu 1,2 Metern die größten und schwersten Pinguine. Nach Schätzungen gibt es noch rund eine halbe Million Exemplare in der Antarktis. Die Tiere leben in großen Kolonien und gelten als Überlebenskünstler: Selbst mit Temperaturen von bis zu minus 50 Grad kommen sie klar.


Experten des British Antarctic Survey (BAS) hatten erst im vergangenen Sommer eine Analyse von Satelliten-Aufnahmen veröffentlicht, nach der einzelne Kolonien im Westen des Kontinents in nur 15 Jahren um 22 Prozent geschrumpft sind.

"Das frühe Aufbrechen des Meereises im Frühjahr wirkt sich schon jetzt auf die Kolonien in der Antarktis aus", sagt Philip Trathan von der IUCN. Bis in die 2080er Jahre könnten sich die Bestände halbieren.

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"Deutliche Warnung" vor Folgen des Klimawandels

Der Kaiserpinguin gilt als dabei sogenannte Indikatorart. Das bedeute, dass er zu den Arten zählt, die von der Erderwärmung am deutlichsten betroffen sind. Die Hochstufung in der Roten Liste nun sei eine deutliche Warnung, sagt Martin Harper von der Tierschutzorganisation BirdLife International.

Der Klimawandel beschleunigt das Artensterben vor unseren Augen.

Martin Harper, BirdLife International

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Nachdem sich bis 2015 das Eis in der Antarktis leicht ausgebreitet hat, geht es seitdem stetig zurück. Das belegen Daten unter anderem des EU-Dienstes Copernicus und der Weltwetterorganisation WMO. Im Februar 2023 wurde die geringste Ausdehnung seit Beginn der Aufzeichnungen festgestellt, ein Rückgang des Meereises um 38 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt des Monats Februar 1979 bis 2022.

Die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) ist die älteste und größte internationale Naturschutzorganisation. Bekannt ist sie vor allem durch die Rote Liste, die auf das Verschwinden und Aussterben von Pflanzen- und Tierarten blickt. Die IUCN ist eine Nicht-Regierungsorganisation, obwohl ihr neben Umweltschutzorganisationen auch viele staatliche Einrichtungen angehören, so zum Beispiel das Bundesamt für Naturschutz und die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. Insgesamt hat die IUCN mehr als 1.400 Mitglieder aus über 170 Ländern.


Nahrungsgrundlage für Seebären schwindet

Für manche Robbenarten wie den Antarktischen Seebären (oder Antarktische Fellrobbe) kommt noch ein Problem dazu: Weil es dem Krill - das sind Schwärme kleiner Krebstiere - zu warm ist, zieht er sich in kühlere Wassertiefen zurück. Für den Seebären ist er damit als Nahrung schwerer zu erreichen.

Antarktische Fellrobbe

Die Weltnaturschutzunion IUCN hat den Antarktischen Seebären (auch: Antarktische Fellrobbe) innerhalb der internationalen Roten Liste der bedrohten Arten auf "stark gefährdet" hochgestuft.

Quelle: IUCN

In der antarktischen Region Südgeorgien hat dieser Krillmangel die Überlebensrate der Jungtiere im ersten Lebensjahr drastisch reduziert. Der Grund, warum der Seebär nun ebenfalls als stark gefährdet auf der Roten Liste steht. Zwischen 1999 und 2025 sind seine Bestände laut IUCN um mehr als 50 Prozent auf etwa 940.000 Tiere zurückgegangen.

Der Krill, ein winziges Krebstier, ist die Grundlage des antarktischen Nahrungsnetzes – bedroht durch Fischerei und Klimawandel.“

Ein kleines Krebstier spielt eine entscheidende Rolle im Ökosystem der Antarktis. Doch zunehmend konzentrierte Krillfischerei bedroht das Ökosystem vor der Antarktischen Halbinsel.

23.10.2025 | 3:30 min

Antarktis auch für Menschen "unersetzlich"

Die Antarktis sei aber nicht nur Heimat einzigartiger Wildtiere, sondern stabilisiere auch das Klima, so Grethel Aguilar von der IUCN. Sie erfülle damit wichtige Funktionen auch für den Menschen.

Die Rolle der Antarktis als 'eisiger Wächter' unseres Planeten ist unersetzlich.

Dr. Grethel Aguilar, IUCN-Generaldirektorin

Die Probleme der Tiere der Antarktis, aber auch von vielen bei uns, zeigten dabei, wie eng Klimawandel und Rückgang der biologischen Vielfalt als "Zwillingskrise" zusammenhängen, erklärt Katrin Böhning-Gaese vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

"Der Klimawandel ist einer der Faktoren, der zum Verlust der Artenvielfalt führt." Auf der anderen Seite führe der Verlust von Biodiversität dazu, dass zum Beispiel "Wälder ihre Funktion verlieren, dass sie schneller brennen und damit den Klimawandel beschleunigen", so die Ornithologin.

Gletscher schmelzen rasant – doch ihre Klimageschichte bleibt erhalten: Ein neues Antarktis-Archiv sammelt weltweit Eisproben. (Auf dem Bild ist ein Eisberg in der Antarkis zu sehen)

Eis als Zeitkapsel: Ein neues Antarktis-Archiv lagert Eisbohrkerne aus aller Welt, um Jahrtausende alte Klimadaten zu schützen. Proben aus den Alpen sind dort bereits eingetroffen.

22.01.2026 | 4:04 min

Auch Tiere in Deutschland von Erderwärmung betroffen

Von den höheren Temperaturen in Deutschland stark betroffen sind etwa Brutvögel wie der Kiebitz oder Amphibien wie die Rotbauchunke. "Das sind Arten, die auf feuchte Wiesen angewiesen sind, wo auch Tümpel sind. Mit dem Klimawandel trocknen die aus", erklärt Böhnung-Gaese.

Die Bestände des Kiebitz seien in den letzten Jahrzehnten auch durch den Verlust von Lebensraum durch intensive Landnutzung um 93 Prozent zurückgegangen.

Darauf, dass sich Kaiserpinguine, Seebären oder Kiebitze an die Veränderungen anpassen, könne man sich dabei übrigens nicht verlassen, sagt die Wissenschaftlerin. "Arten können sich anpassen. Aber der Klimawandel, den wir jetzt erleben, der geht zu schnell."

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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Kaiserpinguin-Babys in der Antarktis
Über dieses Thema berichtet das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF im Beitrag "Rote Liste: Kaiserpinguine in Gefahr", online verfügbar am 09.04.2026 um 11 Uhr, im ZDF am 09.04.2026 ab 12 Uhr.

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