Ukraine: Warum durch den Krieg tausende Delfine sterben

Umweltfolgen von Ukraine-Krieg:"Eine Tragödie": Tausende Delfine sterben im Schwarzen Meer

Dara Hassanzadeh

von Dara Hassanzadeh, Odessa

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Laute Explosionen, Sonarsysteme oder U-Boote. Der Krieg im Schwarzen Meer trifft sensible Tiere wie Delfine besonders hart. Biologen fürchten ein Massensterben.

Seit Kriegsbeginn hat das Delfinsterben in der Ukraine deutlich zugenommen. Militärische Sonarsysteme, Drohnen und Unterwassermienen zerstören das Ohr der Delfine; sie verhungern.

Seit Kriegsbeginn hat das Delfinsterben in der Ukraine deutlich zugenommen. Militärische Sonarsysteme, Drohnen und Unterwassermienen zerstören das Ohr der Delfine; sie verhungern.

14.06.2026 | 2:41 min

Ivan Russev ist 67 Jahre alt, Biologe und arbeitet auch im hohen Alter als Ranger im ukrainischen Nationalpark Tuzlovski Lymany.

Sein Arbeitsplatz besteht aus Salzlagunen, einem 45 Kilometer langen, unberührten Strand und einer circa 3.000 Quadratkilometer großen Meeresschutzzone. Dort sollen Delfine, geschützt vor Fischern und ihren Fangnetzen, sich möglichst ungestört vermehren können.

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Es ist ein Paradies, das Ivan Russev mit seinen Rangern stets verteidigt hat gegen illegale Fischer mit ihren Fangnetzen, gegen Bebauungspläne von Immobilienentwicklern, die von Strandressorts träumten und gegen lokale Politiker, die dies für eine gute Idee hielten.

Auch Landwirte vergrößerten still und heimlich ihre Anbauflächen über die Grenzen des Naturschutzgebiets hinaus. Russev bot allen die Stirn, ihm wurde Geld geboten und gedroht. Doch jetzt herrscht Krieg. Und die Ranger können ihren Park nicht mehr schützen.

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Dramatischer Anstieg toter Delfine seit Kriegsbeginn

"Vor dem Krieg fanden wir am Strandabschnitt von unserem Nationalpark vielleicht vier bis fünf Tiere pro Jahr", sagt Ivan Russev, "allein in der ersten Juniwoche haben wir 43 tote Delfine gezählt."

Maximal fünf Prozent der verendeten Delfine werden überhaupt an die Küsten gespült, sagt Russev, der Rest sinke unbemerkt auf den Meeresboden. Dieses Zahlenverhältnis macht dem Biologen Sorgen. Denn auch aus anderen Schwarzmeer-Anrainerstaaten werden höhere Zahlen von angeschwemmten Delfinkadavern gemeldet.

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Nur aus Russland und aus den russisch besetzten Gebieten kommen kaum Daten. "Es ist eine Tragödie! Seit 2022 sind so viele Delfine verendet", sagt Russev.

Wir gehen davon aus, dass mittlerweile bis heute rund 100.000 Delfine gestorben sind.

Ivan Russev, Biologe

Aufgrund der Datenlage kann dies nur eine grobe Schätzung sein. Delfine sind hochsensible Tiere und der von Russland begonnene Krieg zerstört ihren Lebensraum, in Küstennähe und auf hoher See.

Militärische Sonarsysteme sind so stark, dass Delfine ihr Gehör verlieren. Sie sind orientierungslos, unfähig, Fische zu jagen. So verhungern sie auf offener See. Hinzu kommen Unterwasserdrohnen und Explosionen von Seeminen.

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Die Probleme, die durch den Krieg entstehen, seien vor der Bevölkerung nicht mehr zu verbergen, so ZDF-Reporter Ehm bei ZDFheute live. Der russische Präsident müsse darauf entsprechend reagieren.

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Chemikalien, Öl und Schwermetalle bedrohen Meerestiere

Zusätzlich werden Hafenanlagen angegriffen, wo Schadstoffe freigesetzt werden. Delfine stehen am Ende der Nahrungskette, in ihrem Körper sammeln sich alle Schwermetalle an, bis die Tiere vergiftet sind.

Bereits vor dem Krieg waren die schmutzigen großen Flüsse wie der Don, der Bug und der Dnipro ein Problem für das Ökosystem des Schwarzen Meeres. Doch mit der Sprengung des Kachowka-Staudamms wurden Chemikalien, Öl und andere Schadstoffe auf einen Schlag und in einer ganz neuen Dimension ins Meer gespült.

Dasselbe gilt für das Versenken von Kriegsschiffen. Neben Schweröl im Tank sind die Munitionsladungen voller hochgiftiger Chemikalien, die dann ungehindert ins Ökosystem eindringen.

Auf dem Bild sieht man die Bergung eines Geisternetzes aus dem Wasser.

Geisternetze belasten die Meere weltweit. In Spanien machen Start-ups daraus Möbel, Surfbretter und Deko. So wird Meeresmüll recycelt und erhält ein zweites Leben.

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Warum das Delfinsterben das gesamte Ökosystem bedroht

Russev sieht den Bestand der Delfine im Schwarzen Meer gefährdet. "Delfine stehen an der Spitze der Nahrungskette. Verschwinden die Delfine, wirkt sich dies auf viele Fischarten aus. Deren Fortpflanzung wird sich verändern. Kleinere Fische werden nach und nach verschwinden", befürchtet Russev.

Früher oder später wird auch das gesamte Ökosystem des Schwarzen Meeres zusammenbrechen.

Ivan Russev, Biologe

Wenn er über seine Forschung im Krieg spricht, fällt ein ukrainisches Wort sehr oft: "Ne Ma." - "Haben wir nicht." Es fehlt an mobilen Laboren für Proben und selbst das Budget für Diesel für Patrouillen ist schnell aufgebraucht.

"Die Spur: Putins Kanonenfutter": Fotomontage: Ein Porträtfoto von Putin liegt im Hintergrund, davor stehen mehrere bewaffnete Personen in Uniform sowie stilisierte Soldatenfiguren. An der Seite leuchtet das Sendungslogo grün.

Auch Russland braucht Soldaten. Mehr als 200.000 sind im Ukraine-Krieg gefallen. Neue Kämpfer rekrutiert Russland auch im Ausland - als Söldner, mit Geld, Jobs oder Studienversprechen.

29.06.2026 | 29:11 min

Hinzu kommt, dass viele männliche Mitarbeiter bei der Armee dienen. Auch Spendengelder fließen spärlich. Zu viele Menschen in der Ukraine brauchen Hilfe. Zu viele Menschen verlieren bei russischen Luftangriffen ihr Zuhause. Oder mehr.

Erst nach Kriegsende werden Wissenschaftler das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung des Ökosystems des Schwarzen Meeres erforschen können. Das gilt auch für den Bestand der Delfine.

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Über dieses Thema berichtete das heute journal am 14.06.2026 ab 21:45 Uhr.

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