Rekordtemperaturen in Europa:Analyse: Hitzewelle noch vor 50 Jahren fast unmöglich
von Mark Hugo
Die Rekord-Hitzewelle in Europa wäre noch vor 50 Jahren praktisch unmöglich gewesen, so eine Schnellanalyse der WWA. Das gilt vor allem für die hohen Temperaturen in der Nacht.
Große Teile Europas kämpfen sich durch die Hitzewelle: In Frankreich gab es zwei Tage in Folge einen neuen Temperaturrekord und Spanien hat die heißesten Juni-Tage seit über 75 Jahren.
25.06.2026 | 0:21 minImmer neue Hitzerekorde in weiten Teilen Europas. Dass das im Juni nicht "normal" ist, ahnen viele. Eine Schnellstudie der wissenschaftlichen Initiative World Weather Attribution (WWA) bestätigt nun: Sowohl die Tageshöchstwerte als auch die Nacht-Temperaturen dieser Hitzewelle wären zu dieser Jahreszeit noch im Jahr 1976 - also vor gerade einmal 50 Jahren - praktisch unmöglich gewesen.
ZDFheute Infografik
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Hitze: Temperaturen waren vor 50 Jahren niedriger
Eine vergleichbare Hitzewelle unter den damaligen klimatischen Bedingungen wäre um 3,5 Grad kühler ausgefallen, so die WWA. 2003, also in dem Jahr, in dem Europa ebenfalls unter einer Hitzewelle zu leiden hatte, wäre sie 2 Grad kühler gewesen. Die globale Durchschnittstemperatur lag 1976 um 1,1 Grad unter der von heute, 2003 waren es noch 0,6 Grad.
Im Vergleich zu 2003 sind besonders die aktuell drückenden Nacht-Temperaturen laut WWA-Analyse heute in Europa etwa 100-mal wahrscheinlicher. Bei den Höchsttemperaturen am Tag ist die Wahrscheinlichkeit immerhin etwa zehnmal höher.
Hitzewellen, Dürren, Starkregen: der Klimawandel verändert den Planeten. Die Sommer der Zukunft werden heißer. Was macht das mit unserer Gesundheit und wie können wir uns schützen?
20.11.2023 | 28:39 minTemperaturen: Klimawandel verschärft Hitzewellen
Für die WWA-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler steht die Ursache fest: "Wissenschaftlich ist zweifelsfrei belegt, dass der Klimawandel Hitzewellen verschärft", sagt der britische Extremwetterforscher Dr. Theodore Keeping.
Die Geschwindigkeit dieses Wandels ist erschreckend. Alle paar Jahre werden in Europa Hitzerekorde gebrochen.
Dr. Theodore Keeping, Imperial College London
Ein weiteres Ergebnis der Analyse bezieht sich auf den sogenannten WBGT-Wert. WBGT steht für "Wet Bulb Globe Temperature". Der Wert erfasst einmal die Hitzebelastung, aber auch die Fähigkeit des Körpers, sich durch die Verdunstung von Schweiß abzukühlen.
Die leidet besonders dann, wenn starke Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit zusammenkommen. Der WBGT-Wert misst also den tatsächlichen Hitzestress, dem die Menschen ausgesetzt sind.
"Gefährliche" Mittagssonne meiden, für Sonnenschutz und kühle Räume sorgen sowie Schatten suchen und auf Alkohol verzichten, da "Gefahr der Dehydrierung" bestehe, rät Allgemeinmediziner Malik Steinmetz.
25.06.2026 | 4:55 minHitzewelle: Historische Höchstwerte überschritten
Die WWA hat die WBGT-Werte von 854 Städten in 30 europäischen Ländern untersucht. In 45 Prozent davon wurde der jeweils historische Höchstwert bereits überschritten oder er wird es voraussichtlich noch bis zum Ende des Monats.
Die Städte in Deutschland sind neben denen in Polen und den Niederlanden besonders betroffen: In mehr als 90 Prozent sind neue Rekordwerte festgestellt worden.
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25.06.2025 | 43:29 minFür Friederike Otto, Professorin am Imperial College London und WWA-Mitbegründerin, ist die Botschaft der neuen Ergebnisse klar: "Ja, das ist der Klimawandel; ja, wir sind die Ursache; nein, es liegt nicht an El Niño; ja, wir haben die Lösungen; nein, wir setzen sie nicht schnell genug um."
Wissenschaftlerinnen wie ich klingen allmählich wie eine kaputte Schallplatte. Jahr für Jahr geben wir ähnliche Stellungnahmen zu immer extremeren Hitzewellen ab.
Prof. Friederike Otto, Klimaforscherin
Wegen Klimawandel und El Niño:"2026 wird zu den wärmsten Jahren überhaupt zählen"
WWA-Forschende für schnellen Ausstieg aus den Fossilen
Die Analyse empfiehlt, so schnell es geht aus fossilen Energien auszusteigen, um eine weitere Verschärfung solcher Hitzewellen zu vermeiden. Die Frage, die man sich nun stellen müsse, sei die, welche "Zukunft wir für uns haben möchten und ob wir bereit sind, das Nötige zu tun, um sie zu sichern", sagt Friederike Otto.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
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