Hitzewelle geht weiter: Wo der Wetterdienst warnt

Wo in Deutschland warnt der DWD vor Hitze? In unseren Karten können Sie die Wetterwarnungen bei Ihnen vor Ort live verfolgen.
Nach dem Rekord von 41,5 Grad droht der nächste Hitze-Höhepunkt: Der DWD erwartet am Sonntag bis zu 42 Grad - zugleich drohen landesweit heftige Gewitter.
Eine außergewöhnliche Hitzewelle rollt über Deutschland: Das hat nicht nur volle Freibäder und ausverkauftes Eis zur Folge. Die Sonne heizt Städte auf und macht den Alltag für viele unerträglich.
27.06.2026 | 6:33 min
Wo in Deutschland warnt der DWD vor Hitze? In unseren Karten können Sie die Wetterwarnungen bei Ihnen vor Ort live verfolgen.
Aufgrund von Hitzeschäden fahren bis zum frühen Montagmorgen in Leipzig keine Straßenbahnen. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) stellen den Straßenbahnverkehr wegen Hitzeschäden an Schienen und Weichen bis Montagmorgen um 3.30 Uhr ein, wie das Unternehmen mitteilte. Zunächst hatten die LVB den Betrieb nur bis in die Nacht zum Sonntag eingestellt, der Zeitraum wurde jetzt verlängert.
Behörden warnen angesichts der anhaltenden Hitze vor dem Baden in Flüssen und aktiven Baggerseen. Erst am vergangenen Wochenende hatten zwei tragische Badeunfälle bei Biblis, bei denen drei Männer ums Leben kamen, die Risiken verdeutlicht. Gefährliche Strömungen, Schifffahrt, aber auch Verunreinigungen durch Fäkalkeime - aus einer ganzen Reihe von Gründen rät das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie "generell vom Baden in Flüssen ab", wie eine Sprecherin betonte.
Heiße Temperaturen treiben den Trinkwasserverbrauch in Hamburg in die Höhe. Am Mittwoch wurde mit 412,20 Millionen Litern (oder 412.195 Kubikmetern) der diesjährige Tageshöchstwert erreicht, wie ein Sprecher von Hamburg Wasser mitteilte. "Die jetzigen Verbräuche sind - noch - im Bereich der saisonal zu erwartenden Schwankungen." Bei den Spitzenabgaben sei immer auch relevant, wann die heißen Temperaturen auftreten. «"m Juni sind sie bei solchem Wetter quasi vorprogrammiert, weil noch nirgendwo Sommerferien sind", teilte der Sprecher mit. Im Juli oder August auf müssen solche Spitzen nicht unbedingt auftreten.
Bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt am Main kämpfen an diesem Sonntag (ab 6.20 Uhr/hr) trotz extremer Hitze rund 70 Profi-Triathleten um den Titel. Wegen des Wetters hat der Veranstalter die Wettkampfstrecken verkürzt: Die Schwimmdistanz von 3,8 Kilometern im Langener Waldsee bleibt unverändert, die Radstrecke wurde jedoch von 180 auf 125 Kilometer reduziert. Statt eines Marathons absolvieren die Sportler einen Halbmarathon über 21,1 Kilometer bis ins Ziel auf dem Römerberg.
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge fordert, angesichts der aktuellen Hitzewelle Maßnahmen zu ergreifen. "Deutschland braucht ein Abkühl-Sofortprogramm, um Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen zu klimatisieren", sagt Dröge der Bild am Sonntag.
Es brauche volles Tempo beim Ausbau von Klimaanlagen in Verbindung mit Solaranlagen. "Wir schlagen ein neues Förderprogramm für 'Klima-Solar-Anlagen' vor." Denn die Hitze untertags gehe mit hoher Sonneneinstrahlung und damit besonders viel Solarertrag einher, so Dröge.
Während der Hitzewelle in Deutschland sind seit Freitag mindestens fünf Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Am Samstag ertrank laut Polizei ein 27-Jähriger im Neckar bei Heidelberg, ein 30-Jähriger starb in einem Badesee bei Neuhofen südlich von Mannheim. Im Herner Meer am Rhein-Herne-Kanal in Nordrhein-Westfalen wurde zudem ein Kind vermisst. In Hessen wurde südwestlich von Frankfurt ein 40-Jähriger tot aus dem Waldsee Raunheim geborgen.
Bereits am Freitag war im Seepark Lünen bei Dortmund ein 45 Jahre alter Mann von Besuchern aus dem Wasser gezogen worden. Der Mann starb laut Polizeiangaben später im Krankenhaus. Ein acht Jahre alter Junge wurde nach zweistündiger Suche tot aus einem Badesee in Isernhagen bei Hannover geborgen. Das Kind habe sich den ersten Hinweisen zufolge im Wasser aufgehalten und sei dann nicht mehr zu sehen gewesen, teilt die Polizei mit.
Die Innenstadt in Mainz ist eine der versiegelsten in Deutschland, sagt ZDF-Reporterin Luisa Houben. Deshalb bleibe es auch nachts heiß.
Am zweiten Tag in Folge wird in Deutschland ein neuer Temperaturhöchstwert gemessen. Vielerorts wird die 40-Grad-Marke geknackt. Wer kann, sucht Abkühlung.

Von Eisproduzenten bis Müllabfuhr: Die Hitzewelle verändert den Alltag. Gleichzeitig investieren Städte in Konzepte gegen Hitze und Starkregen.
In Tschechien wurde am Samstag ein neuer Hitzerekord verzeichnet. An einer Wetterstation in Doksany nördlich von Prag wurden zunächst 40,6 Grad Celsius, später dann sogar 40,8 gemessen, wie der nationale Wetterdienst am Abend mitteilt. Am Sonntag werde es voraussichtlich noch wärmer, fügt die Behörde hinzu. Die bisherige Höchstmarke in Tschechien lag bei 40,4 Grad Celsius.
Wegen der enormen Hitze suchen viele Menschen Abkühlung im Wasser. Tausende zog es etwa zu den Stränden an Nord- und Ostsee.
Die Rekordhitzewelle droht vielerorts mit zum Teil schweren Unwettern zu Ende zu gehen. ZDF-Meteorologin Christa Orben ordnet die aktuelle Wetterlage ein: "Es ist eine extreme Luftmasse und das bedeutet, die hat auch ein heftiges Potenzial, also die stellt sehr viel Energie zur Verfügung und die Gewitter nutzen diese Energie für sich aus. Das heißt, wenn sich jetzt Gewitter bilden, dann sind das Unwetter und da kann es schwere Sturmböhen bis Orkanböhen geben - also Bäume, die umstürzen. Es gibt heftigen Starkregen bis zu 50 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, das kann zu Überschwemmungen führen und auch großkörniger Hagel ist dabei."
Angesichts der enormen Hitze wurden zahlreiche Sportevents und Großveranstaltungen in Deutschland abgesagt. Doch manches fand trotzdem statt - mit zusätzlichen Schutzvorkehrungen.
Im Zuge der Rekord-Hitzewelle in Europa drosselt Ungarn die Leistung eines Atomkraftwerks. Wegen der hohen Wassertemperatur der Donau sei die Produktion eines der vier Reaktoren im Kraftwerk Paks um 243 Megawatt gesenkt worden, teilt der Betreiber MVM mit. Messungen am Morgen hätten ergeben, dass das Kühlwasser flussabwärts 29,7 Grad Celsius erreicht habe und damit den Grenzwert von 29,5 Grad überschreite.
Energieminister Istvan Kapitany erklärt, die Haushalte würden von der reduzierten Leistung nichts spüren. Er rief die Bevölkerung jedoch auf, den Stromverbrauch in den Abendstunden einzuschränken, um das Netz zu entlasten.
Die Hitzewelle verlagert sich weiter nach Mittel- und Osteuropa und lässt in mehreren Ländern Temperaturrekorde dahinschmelzen. Von der Schweiz über Tschechien bis Dänemark melden Wetterdienste Höchstwerte. Auch in den nordischen Ländern werden ungewöhnlich hohe Temperaturen gemessen: Der dänische Wetterdienst meldet in Ødum nördlich von Aarhus 37 Grad - den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1874.
In der Schweiz wurde in Basel mit 38,8 Grad ein neuer Rekord gemessen. Tschechien erlebte ebenfalls den heißesten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen. In Doksany im Norden des Landes wurden 40,6 Grad gemessen.
In einem Seniorenheim in Dormagen mussten mehrere Bewohnerinnen und Bewohner wegen der Hitze medizinisch versorgt werden. Sie wurden aus dem überhitzten Gebäude mit über 35 Grad gebracht.
In Großbritannien suchen offenbar immer mehr Menschen in klimatisierten Hotelzimmern Schutz vor der Hitze. Nach Informationen der Zeitung "The Guardian" hat sich auf der Buchungsplattform Booking.com die Suchanfrage für Hotelzimmer in Großbritannien mit dem Filter "Klimaanlage" seit dem 1. Juni verdreifacht.
Auch sei der Umsatz in der britischen Hotelbranche vom 22. bis 25. Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 34 Prozent gestiegen, so Daten des Zahlungsdienstleisters Adyen. Das führe man auf derzeitige Hitzewelle zurück.
Der gestrige Temperaturekord mit 41,3 Grad in Saarbrücken ist schon wieder geknackt. Am Samstag wurde nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erneut ein Hitzerekord aufgestellt. Die Messstation in Drewitz im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt habe gegen 16:30 Uhr eine Temperatur von 41,5 Grad verzeichnet, sagt ein DWD-Sprecher. Auch die Messstation im Saarbrücker Stadtteil Burbach wies demnach mit 41,4 Grad erneut einen höheren Wert aus.
An zwei anderen Wetterstationen - in Andernach in Rheinland-Pfalz und in Genthin in Sachsen-Anhalt - waren laut DWD bereits um kurz vor 15 Uhr 41,1 Grad gemessen worden. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Temperaturen am Samstag noch weiter steigen. Der Rekord am Freitag war gegen 17 Uhr gemessen worden.
Die Daten sind allerdings noch vorläufig. Insbesondere bei möglichen neuen Temperaturrekorden würden die Messstationen stets kontrolliert, sagt der DWD-Sprecher. Die offizielle Bestätigung, ob tatsächlich ein neuer Temperaturrekord vorliegt, dürfte daher erst nach dem Wochenende vorliegen.
Schon am frühen Nachmittag wurde in gleich mehreren Bundesländern die 40-Grad-Marke geknackt. Wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mitteilt, meldete die Wetterstation Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt kurz nach 14 Uhr bereits 40,5 Grad. Knapp 40,4 Grad wurden in Waghäusel-Kirrlach in Baden-Württemberg erreicht, 40,2 Grad in Kahl am Main in Bayern. "Es kann gut sein, dass der Hitzerekord heute noch geknackt wird", sagt der Sprecher.