Folgen für Verbraucher:Gasspeicher nur halb voll: Wird Heizen im Winter teurer?
von Helge Hoffmeister
Die Gasspeicher-Füllstände liegen in Deutschland deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. Drohen noch höhere Heizkosten? Wie es jetzt weitergehen müsste, damit es nicht dazu kommt.
Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher warnen Verbraucherschützer vor steigenden Preisen. Die Sperrung der Straße von Hormus erschwert den Transport von Gas und Öl.
20.08.2026 | 2:54 minIn Zeiten der Hitzeperioden und Waldbrände wirkt eine Debatte über Heizen fehl am Platz. Doch in sechs Wochen beginnt die nächste Heizperiode und so richtet sich schon im August der Blick auf die Gasspeicher. Die Füllstände liegen derzeit bei gut 50 Prozent (Stand: 19.08.2026) - deutlich unter den Vergleichswerten zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Jahre.
Iran-Krise verzögert Gaseinkäufe
Üblicherweise kaufen Händler im Sommer Gas günstig ein und speichern es, um es im Winter gegen Profit zu verkaufen. Doch mit der Iran-Krise und den Folgen für den weltweiten Gaspreis geht dieses Konzept nicht auf. Mitte August lag der Preis für Gas im Großhandel nach Daten der Bundesnetzagentur bei rund 64 Euro pro Megawattstunde, ein Jahr zuvor lag der Preis bei rund 33 Euro.
Iranische Angriffe legen LNG‑Anlagen in Katar lahm, die Preise schießen hoch. Eine Taskforce prüft die Lage; bis zum nächsten Winter müssen die Gasspeicher wieder gefüllt werden
03.03.2026 | 2:07 minDie Bundesnetzagentur räumt ein, dass die Speicher in Deutschland wegen der unsicheren Lage in Nahost sehr gering gefüllt seien. Es gebe aber weltweit genug Gas, das man einkaufen könne, so der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Die Gashändler hätten in den vergangenen Monaten die Speicher um rund 30 Prozentpunkte gefüllt - sie hätten also gezeigt, dass sie es könnten.
Darum sagen wir deutlich, die Gashändler sind in der Pflicht, jetzt nochmal in den nächsten Wochen ordentlich einzukaufen und einzulagern.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur
Gashändler scheuen wirtschaftliches Risiko
Kerstin Andreae vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) weist darauf hin, dass für Gashändler aufgrund des Risikos für Verluste aktuell wirtschaftliche Grenzen bestünden. Die Versorgung sei dennoch sichergestellt, das müsse aber nicht zwangsläufig durch Einspeicherung geschehen.
Gashändler und Lieferanten erfüllen ihre vertraglichen Lieferverpflichtungen. Darauf können sich die Kundinnen und Kunden verlassen.
Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung
Theoretisch müssen die Gasspeicher bis zum 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein. Die gesetzlichen Vorgaben für Füllstände waren nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs 2022 eingeführt worden, um nach dem faktischen Ende der russischen Lieferungen am 31. August 2022 die deutsche Gasversorgung im Winter zu gewährleisten. Konsequenzen für Händler und Importeure, wenn sie die Vorgaben nicht einhalten, gibt es jedoch nicht.
Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher warnen Verbraucherschützer vor steigenden Preisen. Die Sperrung der Straße von Hormus erschwert den Transport von Gas und Öl.
20.08.2026 | 2:54 minWoher Deutschland sein Gas bekommt
Seitdem hat Deutschland seine Gas-Importe diversifiziert. Die größten Mengen bezog Deutschland 2025 laut Bundesnetzagentur per Pipeline aus Norwegen, gefolgt von den Niederlanden und Belgien. Zudem hat Deutschland seine LNG-Importe, also Flüssiggas, ausgebaut. Der Anteil lag bei rund zehn Prozent des Gesamtmarktes und kommt fast vollständig aus den USA.
Im Schnitt sind die Speicher europaweit zu fast 62 Prozent gefüllt (Stand: 21.08.2026, AGSI), fast 12 Prozentpunkte mehr als in Deutschland. Laut Tobias Federico vom Datenanalyse-Unternehmen Montel sei das relativ, da das Speichervolumen im Ausland deutlich kleiner sei, sodass es sich einfacher prozentual füllen lasse. Dennoch hätten viele Länder die Speicher seit vergangenem Winter weniger stark geleert und seitdem mehr befüllt als Deutschland.
Die deutschen Gasspeicher sind wegen der hohen Preise als Folge des Irankriegs nur noch zur Hälfte gefüllt. Die Bundesnetzagentur fordert Gaskonzerne zum Handeln auf.
20.08.2026 | 2:02 minHohe Gaspreise im Winter erwartet
Grundsätzlich seien die geringeren Speichermengen noch kein Grund zur Sorge. So könne Deutschland die fehlenden Mengen auf dem weltweiten LNG-Markt beschaffen.
Wir haben kein Mengenrisiko, sondern ein Preisrisiko.
Tobias Federico, Chef-Analyst beim Datenanalyseunternehmen Montel
Gerade der Wettbewerb zwischen Asien und Europa könnte aber zu höheren Preisen führen. Entscheidend sei zudem, ob Deutschland ein langer Winter bevorsteht. Kritisch könnten zudem Lieferprobleme werden, etwa durch Sabotage-Akte an Pipelines oder Angriffe auf LNG-Terminals. Bei starker Kälte sei es zudem technisch aufwändiger, das Gas aus den Speichern zu bekommen.
Verbraucherschützer warnen vor der kommenden Heizsaison vor steigenden Gaspreisen. Gründe für den Preisanstieg sind die niedrigen Füllstände der Gasspeicher und der Krieg im Nahen Osten.
20.08.2026 | 0:22 minAufbau von strategischer Gasreserve geplant
Zukünftig will der Bund eine strategische Gasreserve aufbauen, die zehn Prozent der nationalen Speicher enthalten soll. Im Winter könnte das zehn Tage überbrücken. "Die Reserve hat mehr einen psychologischen Effekt", sagt Federico. Eine finale Entscheidung auf Bundesebene fehlt noch, gerade bei der Finanzierung gibt es noch Klärungsbedarf.
Helge Hoffmeister ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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