Gasvorrat knapp: Reserve soll kommen - doch wer zahlt dafür?

Versorgung in Krisensituationen:Gasreserve: Was die Regierung plant und wer dafür zahlen soll

Andreas Weise, ZDF-Landesstudioleiter in Sachsen-Anhalt

von Andreas Weise

|

Laut Bundeswirtschaftsministerium gibt es konkrete Pläne für eine staatliche Gasreserve. Im Notfall soll die Rücklage Deutschland für mindestens zehn Tage versorgen.

Ein Gaszähler in einem Wohnhaus

Die Bundesregierung hat Pläne für eine nationale Gasreserve vorgelegt. Finanziert werden soll der strategische Puffer durch eine Umlage, die Gaskunden bezahlen müssen.

07.07.2026 | 0:52 min

Schon länger sprechen sich Experten für eine Gasreserve aus. Für den Fall, dass es zu Sabotage an Infrastruktur oder einer globalen Gasmangellage kommt, soll so die Versorgung sichergestellt werden.

Die Reserve kann dann dafür sorgen, dass es zumindest für einige Tage die Wirtschaft nicht stillsteht oder die Wohnungen kalt werden. Österreich hat zum Beispiel schon länger so eine Reserve und hat sie gerade erst um zwei weitere Jahre verlängert.

Bundeswirtschaftsministerium bestätigt Pläne

Nun soll sie auch in Deutschland angelegt werden. Laut Ministerium ist dies erforderlich, weil der Markt allein Extremrisiken dieser Art nicht absichern kann.

"Die Wintervorsorge bleibt weiterhin Aufgabe der Marktakteure wie Händler und Lieferanten. Die strategische Gasreserve ergänzt diese marktwirtschaftliche Vorsorge ausschließlich für außergewöhnliche Krisensituationen und ist daher strikt vom Markt getrennt", so das Bundeswirtschaftsministerium.

Für die staatliche Gasreserve sollen 24 Terawattstunden, circa zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität, zur Verfügung stehen. Wann und wie die Reserve dann im Falle einer Notlage eingesetzt wird, soll die Bundesnetzagentur entscheiden.

Zusätzlich zu der Gasreserve für den Winter will die Bundesregierung nun eine gesonderte Gasreserve für Krisenzeiten aufbauen.

Für mehr Unabhängigkeit will die Bundesregierung eine nationale Gasreserve für Krisenfälle aufbauen. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.

07.07.2026 | 1:18 min

Kosten für Gasreserve tragen die Verbraucher

So eine Reserve kostet natürlich viel Geld: 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro, die laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters auf die Jahre 2027 und 2028 verteilt werden sollen. Finanziert werden soll die Reserve in Zeiten eines angespannten Bundeshaushaltes durch eine Umlage, die die Gaskunden bezahlen müssen.

Seit dem Ukraine-Krieg können wir uns vorstellen, was das heißt: Heizung runterdrehen - Gas sparen, im Büro sitzen bei 17 Grad - kein gutes Gefühl. Und der damalige Preissprung steckt vielen heute noch in den Knochen.



Gasumlage: Zwischen 0,29 und 0,36 Euro pro Megawattstunde

Laut Ministerium läge die geplante Umlage bei 0,29 bis 0,36 Euro pro Megawattstunde. Die erst Ende 2025 abgeschaffte Gasspeicherumlage kostete mit 2,89 Euro pro Megawattstunde fast zehnmal so viel.

Die Speicherung der Gasreserve soll dann im Sommer 2027 beginnen. Das Vorbild ist die strategische Ölreserve, die in den 1970er Jahren nach dem Ölpreisschock angelegt wurde und die Bundesrepublik für mindestens 90 Tage versorgen soll.

ARCHIV - 23.06.2022, Bayern, Wolfersberg: Rohre verlaufen durch die Anlage des Gasspeichers Wolfersberg östlich von München.

Das Wirtschaftsministerium hat ein Konzept für eine staatliche Gasreserve erarbeitet. Demnach sollen zehn Prozent der deutschen Speicherkapazitäten für Notfälle vorgehalten werden.

10.04.2026 | 0:19 min

Branchenverband kritisiert Finanzierungspläne

Für den Branchenverband Initiative Energien Speicher (INES) ist die Reserve auch ökonomisch sinnvoll. INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann sagte:

Die Krisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass unzureichende Vorsorge erhebliche Kosten verursachen kann.

Sebastian Heinermann, INES-Geschäftsführer

So seien allein im Gaskrisenjahr 2022 neun Milliarden Euro nötig gewesen, um die Versorgung zu sichern. Davon ließe sich die Gasreserve jahrelang betreiben. Allerdings stößt die geplante Umlage für die Gaskunden bei Heinermann auf Kritik. Die Reserve sei eine hoheitliche Aufgabe zur Daseinsvorsorge, deshalb müsse sie aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.

Mehrfachstecker mit Schalter, dahinter liegen Euros - als Symbolbild für Stromsparen.

Hohe Öl- und Gaspreise setzen Hausbesitzer unter Druck. Die Mima-Expedition zeigt, wie Sanierung, Wärmepumpe und Photovoltaik den Verbrauch senken – und unabhängiger machen.

21.04.2026 | 5:23 min

Grüne warnen vor erneuter "Zitterpartie" im Winter

Auch Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, begrüßt die Reserve, sieht aber im Zeitpunkt ein Problem:

Die angedachte Befüllung im nächsten Jahr kommt (…) für diesen Winter zu spät. Hier droht erneut eine Zitterpartie.

Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sind derzeit mit nur 43 Prozent so niedrig wie lange nicht. Und die immer noch hohen Weltmarktpreise aufgrund der lange geschlossenen Straße von Hormus animieren nicht gerade zur schnellen Befüllung. 80 Prozent Füllstand - das ist das gesetzliche Ziel zum 1. November 2026.

Andreas Weise ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Bundesregierung plant strategische Gasreserve" am 07.07.2026 um 19:08 Uhr.

Mehr zur Gasversorgung in Deutschland

  1. Zahlreiche Rohre verlaufen an einer technischen Anlage zur Verdichtung von Erdgas auf dem Gelände des Erdgasspeichers Rehden der SEFE Storage GmbH am 07.07.2025.

    Absicherung gegen Energiekrisen:Regierung erwägt staatliche Gasreserve für den Notfall

    mit Video0:19

  2. Symbolbild: Rohrsystem am Gasspeicher in Kraak

    Niedrige Füllstände in Deutschland:Gasspeicher: Grüne für Sondersitzung mit Ministerin Reiche

    mit Video1:27

  3. Zahlreiche Rohre verlaufen an einer technischen Anlage zur Verdichtung von Erdgas auf dem Gelände des Erdgasspeichers Rehden der SEFE Storage GmbH.

    Speicher bei rund 40 Prozent:Gasvorräte schwinden: Woran es liegt

    von Ralph Goldmann
    mit Video1:42