Youth Olympic Games in Dakar:Team Deutschland: Eine Landkarte wirft Fragen auf
von Johannes Fischer
Nur eine Athletin aus Ostdeutschland gehört zum 50-köpfigen deutschen Aufgebot für die Youth Olympic Games. Zufall oder fehlende Förderung im Osten? Das sagt der DOSB.
50 deutsche Talente sind bei den Youth Olympic Games in Dakar dabei.
Quelle: ImagoVom 31. Oktober bis zum 13. November treffen sich in der senegalesischen Hauptstadt Dakar rund 2.700 Nachwuchssportler aus aller Welt zu den Youth Olympic Games.
Auch 50 deutsche Talente sind dabei, doch beim Blick auf die Teilnehmerliste drängt sich eine Frage auf: Wie kann es sein, dass mit Mia Bauer, die im Beach Wrestling antritt, gerade einmal eine Athletin aus Ostdeutschland kommt? Bremen, das kleinste deutsche Bundesland, schickt dagegen drei Athleten. Zufall? Oder ein Hinweis darauf, dass die Nachwuchsförderung nicht überall dieselben Früchte trägt?
Erstmals brennt das olympische Feuer in Afrika: Rund 2.700 Youngster starten im Senegal. Die deutschen Wettkämpfe gibt es live im ZDF-Stream.
20.10.2026 | 2:15 minJens Christoph Pech, Ressortleiter Games Management und Nachwuchsleistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), widerspricht der Vermutung, dass der Osten strukturell im Hintertreffen sein könnte. "Die Bedingungen im Osten sind mindestens so gut wie im Westen", sagt Pech.
Aus der Teilnehmerzahl oder der geografischen Verteilung innerhalb Deutschlands lässt sich nicht ableiten, ob die Förderung in einem Bundesland besser ist als in einem anderen.
Jens Christoph Pech, DOSB
Eine Landkarte, die Fragen aufwirft
Der DOSB hat dafür durchaus Argumente. Die Startplätze für Dakar wurden von den internationalen Sportfachverbänden und dem Internationalen Olympischen Komitee vergeben. Gerade für europäische Nationen gab es Begrenzungen. In einzelnen Sportarten, wie im Judo oder Fechten, stand Deutschland beispielsweise nur ein Startplatz zur Verfügung. Die Teilnehmerliste sei deshalb kein Abbild der deutschen Nachwuchsleistungssportlandschaft.
- Sa., 31. Oktober ab 14:20 Uhr: Beachvolleyball der Männer (Gruppenphase)
- Sa., 31. Oktober ab 19:25 Uhr: Eröffnungsfeier im Stade du Senegal
- So., 1. November ab 11:25 Uhr: Rugby der Männer (Gruppenphase)
- So., 1. November ab 13:30 Uhr: Beachvolleyball der Männer (Gruppenphase)
- Mo., 2. November ab 10:50 Uhr: Judo der Frauen bis 63 kg (Vorkämpfe)
- Mo., 2. November ab 13:50 Uhr: Rugby (Finalrunde)
- Mo., 2. November ab 16:50 Uhr: Judo der Frauen bis 63 kg (Finalkämpfe)
- Di., 3. November ab 18:50 Uhr: Tischtennis Mixed Doubles (Finale)
- Mi., 4. November ab 11:55 Uhr: Beachvolleyball der Frauen und Männer (Finalspiele)
- Do., 5. November ab 16:50 Uhr: Tischtennis Einzel der Frauen und Männer (Finalspiele)
Ein Blick zurück macht die aktuelle Verteilung dennoch bemerkenswert. Bei den letzten Jugend-Sommerspielen 2018 in Buenos Aires gehörten 75 Athleten zum deutschen Team. 24 von ihnen waren bei Vereinen in den östlichen Bundesländern einschließlich Berlin organisiert. Darunter waren Sportler aus Leipzig, Cottbus, Magdeburg, Halle und Potsdam.
Das ist zwar kein direkter Vergleich, weil Vereinsstandorte nicht zwingend mit der Herkunft der Athleten übereinstimmen. Auffällig ist der Unterschied zu Dakar trotzdem.
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08.10.2026 | 2:08 minNachwuchsförderung: Empirische Daten fehlen
Vergleichbare Zahlen zur regionalen Herkunft früherer Jugend-Olympiakader kann der DOSB nicht vorlegen. Auch eine systematische Auswertung darüber, aus welchen Regionen besonders viele Talente kommen und wie häufig sie den Sprung in den Leistungssport schaffen, gibt es offenbar nicht. Pech räumt ein, dass es bislang an vergleichbaren Zahlen fehle. Den Vorschlag, die regionale Verteilung künftig genauer zu untersuchen, hält er jedoch für sinnvoll.
Einen interessanten Hinweis liefert Pech, der in Dakar Chef de Mission von Team Deutschland ist, dennoch: Nach den Olympischen Spielen in Paris habe man die Herkunft der Athletinnen und Athleten mit Blick auf die Eliteschulen des Sports untersucht. "Dabei zeigte sich tendenziell, dass diejenigen, die eine Eliteschule des Sports besucht hatten, mehrheitlich aus den ostdeutschen Bundesländern kamen." Es ist ein bemerkenswerter Befund, der nicht recht zum Bild der Dakar-Nominierung passt.
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26.09.2026 | 2:45 minFörderung hängt vom Standort ab
Ohnehin lasse sich die Qualität der Nachwuchsförderung nicht pauschal nach Himmelsrichtungen sortieren. Entscheidend seien die Bedingungen in der jeweiligen Sportart und am jeweiligen Standort: Gibt es einen Bundesstützpunkt, ein Landesleistungszentrum, eine Eliteschule mit passendem Schwerpunkt? Sind ausreichend Trainer vorhanden und werden sie gefördert? Je nach Sportart könne das Bild völlig unterschiedlich ausfallen.
So bleibt ein merkwürdiger Befund: Dass in einem 50-köpfigen Team nur eine einzige Teilnehmerin aus Ostdeutschland vertreten ist, fällt auf und wirft Fragen auf. Als Beleg für eine Benachteiligung reicht diese Zahl allein jedoch nicht aus. Trotz aller Beteuerungen des DOSB, die Bedingungen im Osten seien mindestens ebenso gut wie im Westen, bleiben Fragen offen.