Nachwuchsarbeit :Parasport: Deutschland sucht die nächste Anna-Lena Forster
von Johannes Fischer
Wer folgt im deutschen Parasport auf Überfliegerin Anna-Lena Forster? Experte Niedenzu erklärt, wie Vereine und digitale Angebote den Weg für die nächste Generation ebnen.
Im Parasport liegt die Hoffnung auf Medaillengarantin Anna-Lena Forster. Doch die Nachwuchsarbeit wird umgekrempelt.
Quelle: ImagoWenn es um deutsche Erfolge bei den Paralympics geht, fällt ein Name automatisch: Anna-Lena Forster. Die Monoskifahrerin war bei den am Sonntag zu Ende gegangenen Spielen die einzige deutsche Goldmedaillengewinnerin - und ist seit Jahren eines der prägenden Gesichter des deutschen Parasports.
Doch Forster ist inzwischen 30 Jahre alt. Deshalb rückt im deutschen Team auch eine andere Frage stärker in den Fokus: Wer tritt eines Tages in ihre Fußstapfen?
Rückschläge bestmöglich wegstecken, das ist der Weg zum Erfolg für die Para-Skirennläuferin Anna-Lena Forster. Bei den Paralympics 2026 hat sie das mal wieder eindrucksvoll bewiesen.
14.03.2026 | 3:52 minDie Antwort darauf hängt eng mit der Nachwuchsarbeit zusammen. "Vor allem in den vergangenen Jahren haben wir sehr viel investiert", sagt Lukas Niedenzu, stellvertretender Chef de Mission des deutschen Teams.
Wir haben ein Nachwuchskonzept entwickelt, das darauf abzielt, Kinder frühzeitig für Sport zu begeistern.
Lukas Niedenzu, Vize-Chef de Mission des deutschen Teams
Digitale Angebote erleichtern den Einstieg
Um den Zugang zum Sport zu erleichtern, setzt der Deutsche Behindertensportverband (DBS) auch auf digitale Angebote. Mit der Plattform parasport.de sollen Interessierte schneller den Weg in den Sport finden. Auf der Website bündelt der Verband Informationen zu Sportarten, Vereinen, Trainingsangeboten und Veranstaltungen und hilft Menschen mit Behinderung, passende Angebote in ihrer Nähe zu entdecken.
Die Chinesen die Besten, Russen und Belarussen die Umstrittensten - und die Deutschen liegen im Medaillenspiegel so weit hinten wie noch nie in 50 Jahren Winter-Paralympischer Geschichte.
15.03.2026 | 9:52 minDennoch beginnt der Weg in den Parasport häufig außerhalb klassischer Sportstrukturen. Deshalb versucht der Deutsche Behindertensportverband, Kinder und ihre Familien möglichst früh und über verschiedene Wege zu erreichen.
"Das gelingt uns über Selbsthilfegruppen, Orthopädie- und Rehaeinrichtungen, über Schulen, Social Media und unsere Öffentlichkeitsarbeit", erklärt Niedenzu. Aktionstage und Mitmachangebote sollen zusätzlich helfen, junge Menschen für Bewegung und Sport zu gewinnen und erste Berührungspunkte mit dem Parasport zu schaffen.
Kreative Wege der Talentsuche
Manchmal führt der Weg in den Parasport auch über ungewöhnliche Wege. Der Para-Eishockeyspieler Jörg Wedde sprach in der Sportschau von "blutiger Akquise", wenn Sportler nach schweren Unfällen oder Diagnosen gezielt auf sportliche Perspektiven hingewiesen werden - teilweise sogar im Krankenhaus.
Gerade im Rehabilitationsprozess kann Sport eine wichtige Rolle spielen.
Lukas Niedenzu, Vize-Chef de Mission des deutschen Teams
Eine Schlüsselrolle spielen beim Aufbau nachhaltiger Nachwuchsstrukturen im Parasport die Vereine. Ohne inklusive Strukturen im Breitensport könne Nachwuchsarbeit kaum funktionieren. "Da haben wir sicherlich noch Nachholbedarf", sagt Niedenzu.
Es müssen nicht immer Medaillen sein. Auch ohne große Siege gab's bei den Paralympics Bilder, die bleiben.
15.03.2026 | 1:33 minNeue Generation wächst bereits heran
Deshalb setzt der Verband verstärkt auf Fortbildungen für Trainerinnen und Trainer. "Es reicht nicht zu sagen, dass sich Vereine öffnen sollen - sie müssen auch in die Lage versetzt werden, Parasport anzubieten."
Gleichzeitig wächst hinter den etablierten Namen bereits eine neue Generation heran. Im nordischen Bereich gehören etwa Linn Kazmaier (19) und Leonie Walter (22) zu den jungen Athletinnen, die bei diesen Spielen auf sich aufmerksam gemacht haben.
Kazmaier gewann im Para-Langlauf eine Silbermedaille, Walter holte Bronze über zehn Kilometer klassisch. Beide stehen beispielhaft für Talente, die künftig selbst zu prägenden Figuren im deutschen Parasport werden könnten.
Internationale Konkurrenz und Zukunftsperspektiven
Doch der internationale Wettbewerb wird stärker. "Es gibt Länder, die inzwischen etwa 25 Prozent ihres gesamten Leistungssportbudgets in den Parasport investieren", sagt Niedenzu. "In Deutschland liegen wir in vielen Bereichen deutlich unter zehn Prozent", betont Niedenzu.
Trotzdem blickt der stellvertretende Sportdirektor des DBS optimistisch nach vorn. Entscheidend sei, dass mehr Menschen überhaupt von den Möglichkeiten im Parasport erfahren:
Wir brauchen vor allem mehr öffentliche Wahrnehmung.
Lukas Niedenzu, stellvertretender Chef de Mission des deutschen Teams
Die Paralympischen Spiele seien dafür eine wichtige Bühne.
Da wundert es nicht, dass die Hoffnung groß ist, Anna-Lena Forster werde nochmal vier Jahre bis zu den nächsten Paralympics dranhängen. "Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn sie ihre Karriere fortsetzt", sagt Niedenzu. "Dafür werden wir versuchen, alle Argumente in die Waagschale zu werfen."
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