Bürgerentscheide in 17 Städten:Olympia in NRW? Worum es bei der Abstimmung geht
von Thomas Bente
Soll Nordrhein-Westfalen Olympia ausrichten? In 17 Städten stimmen Millionen Menschen noch bis zum 19. April ab. Worum es geht und wie Befürworter und Gegner argumentieren.
In der Region Rhein-Ruhr stimmen Millionen Menschen über die Bewerbung für die Olympischen Spiele ab. Bürgerentscheide gibt es in 17 Städten in NRW. Erste Stimmen im Überblick.
17.04.2026 | 3:32 minEs ist eine Entscheidung in 17 Städten der Region Rhein-Ruhr: Die Bürger*innen stimmen darüber ab, ob sich ihre Kommune für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 unter dem Titel "KölnRheinRuhr" bewerben soll. Nur diese 17 Kommunen stimmen ab, weil sie als Ausrichter vorgesehen sind und die Wettkampfstätten stellen würden.
Köln führt die Bewerbung als sogenannte "Leading City" an, beteiligt sind daneben weitere Großstädte wie Düsseldorf und Essen und kleinere Kommunen wie Monheim und Aachen. Wahlberechtigt sind rund vier Millionen Bürger*innen ab 16 Jahren mit Wohnsitz in einer der potenziellen Teilnehmer-Kommunen.
Ungefähr jeder und jede dritte Einwohner*in in Nordrhein-Westfalen lebt in einer dieser Bewerberstädte. Abgestimmt wird ausschließlich per Brief. Gültig ist das Ergebnis, wenn insgesamt mehr "Ja"- als "Nein"-Stimmen eingehen und je nach Kommunengröße zehn bis 20 Prozent der Abstimmungsberechtigten mit "Ja" stimmen.
Olympia-Abstimmungen am 19. April
An der Bewerbung "KölnRheinRuhr" beteiligen sich Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal. Köln führt die Bewerbung als sogenannte "Leading City" an.
Kiel stimmt am 19. April 2026 über die Frage ab, ob sich die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt als Austragungsort für die olympischen und paralympischen Segelwettbewerbe sowie möglicherweise für weitere Sportarten wie Freiwasserschwimmen und Coastal Rowing bewerben soll. Kiel bietet sich dabei allen vier deutschen Bewerbungen (Berlin, Hamburg, München und Rhein-Ruhr) als Satelliten-Standort an. Bei der Hamburger Bewerbung ist die Stadt bereits fest eingeplant.
Was sagen die Befürworter*innen?
Die Befürworter*innen werben damit, dass Rhein-Ruhr wie kaum eine andere Region in Deutschland für Olympia gerüstet sei. Stadien und Hallen seien in dichter Lage bereits vorhanden, dazu komme die Erfahrung mit Großveranstaltungen wie den World University Games 2025.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst trommelt mit dem Deutschland-Achter für Spiele an Rhein und Ruhr. Doch die Konkurrenz schläft nicht.
08.04.2026 | 1:34 minDass die Bewerbung schon jetzt Investitionen in Sportstätten anstoße, etwa 600 Millionen Euro aus dem Sondervermögen, komme aus ihrer Sicht Vereinen und Kommunen über die Spiele hinaus zugute. Auch Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wirbt offensiv für die Bewerbung:
Wir machen ein Angebot für die kompaktesten, nachhaltigsten und spektakulärsten Spiele.
Hendrik Wüst, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen (CDU)
Die notwendige Infrastruktur soll laut Konzept ausschließlich aus bestehenden oder temporären Anlagen gestellt werden, große Neubauten extra für Olympia werde es nicht geben. Auch sollen sich die Spiele rechnen: Die Organisator*innen planen mit Durchführungskosten von etwa 4,8 Milliarden Euro bei Einnahmen von 5,2 Milliarden, finanziert vor allem durch Ticketverkäufe und Sponsoren.
Am Sonntag fällt die Entscheidung über eine mögliche Olympia-Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region per Bürgerabstimmung. Umfragen sehen eine Mehrheit dafür, doch Kritik bleibt.
17.04.2026 | 1:39 minWie argumentieren die Gegner*innen?
Kritiker warnen vor allem vor hohen Kosten. Die 4,8 Milliarden Euro der Organisator*innen decken nur die Durchführungskosten, also Organisation, Personal und Wettkämpfe. Für die Sicherheit während der Spiele muss das Land aufkommen. Den notwendigen Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur müssten Land und Bund gemeinsam bezahlen. Hier können weitere erhebliche Kosten entstehen, die bislang nicht beziffert sind.
Die Bilanz bei Olympischen Spielen und Paralympics war zuletzt ernüchternd: Es muss sich etwas ändern im deutschen Leistungssport. Der Entwurf eines Sportfördergesetzes lässt aber Fragen offen.
19.03.2026 | 1:48 minJörg Detjen, Sprecher der Initiative NOlympia-Colonia, zweifelt am versprochenen wirtschaftlichen Nutzen: "Die Argumentation, Olympia bringe etwas an Investitionen, stimmt schlicht nicht. Ökonomen sagen: Es rechnet sich nicht, am Ende zahlt man drauf."
Ähnlich äußert sich das DIW, wonach die gesamtwirtschaftlichen Effekte Olympischer Spiele meist begrenzt und selten nachhaltig seien. Als Nebenwirkungen von Olympia nennen Ökonom*innen zudem steigende Preise und Mieten sowie Wohnraumverknappung.
Wie geht es nach dem Bürgerentscheid weiter?
Ein "Ja" wäre ein erster Schritt, aber noch längst keine Entscheidung für Olympia in NRW. Denn auch Berlin, Hamburg und München wollen die Spiele nach Deutschland holen. In München gab es bereits ein positives Votum mit 2/3-Mehrheit, während in Hamburg noch abgestimmt wird und in Berlin das Abgeordnetenhaus noch entscheiden muss.
Auch in München fand im Oktober 2025 eine Abstimmung statt: Über 66 Prozent der Münchener haben für eine Bewerbung ihrer Stadt um die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 gestimmt. Doch bis zur Bewerbung gibt es noch einige Hürden zu überwinden.
27.10.2025 | 1:32 minWelche Stadt oder Region am Ende für Deutschland antritt, entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund im Herbst. Das letzte Wort liegt dann beim IOC und dort ist der internationale Wettbewerb hart: Neben Deutschland wollen unter anderem Katar, Indien und die Türkei die Spiele ab 2036 ausrichten.
Mehr zum Thema Olympia
Neues Sportfördergesetz:Wie Deutschland in Zukunft mehr Medaillen gewinnen will
von Christoph Schneidermit Video1:48Russland, Doping, Klassifizierung:Paralympics-Erkenntnisse: Was sich im Para-Sport ändern muss
von Lars Beckermit Video3:33Bürgerentscheid zur Bewerbung der Stadt:Was Menschen in München zu Olympia sagen
von Sophie BurkhartKonkurrenz für Deutschland:Katar bewirbt sich um Sommerspiele 2036
mit Video43:26