Bilanz der Paralympics:Nur Anna-Lena Forster löst das deutsche Gold-Problem
von Lars Becker
Nur Anna-Lena Forster kann bei den Winter-Paralympics in Italien Gold für Deutschland gewinnen. In der Medaillenwertung geht es abwärts – diese Probleme müssen gelöst werden.
Anna-Lena Forster hat bei den Paralympics fleißig Medaillen gesammelt.
Quelle: dpaAls die Tränen und all der Druck abgefallen waren, konnte Anna-Lena Forster wieder lächeln. Gemeinsam mit ihrem etwa 30-köpfigen Fanclub, Familie und Freunden ließ Deutschlands Paralympics-Heldin im deutsch-österreichischen Haus von Cortina "brutale Spiele" ausklingen.
Trotz der finalen Enttäuschung mit Platz vier in ihrer Lieblingsdisziplin Slalom mit zweimal Gold und einmal Silber brutal erfolgreich für sie - Forster konnte als einzige Sportlerin das deutsche Gold-Problem lösen. Aber auch brutal anstrengend für den Alpin-Star und den Rest des deutschen Teams - und das hatte nicht nur mit den politischen Dauer-Diskussionen um Russlands Rückkehr in den Weltsport zu tun.
Eine Siegerehrung mit russischer Hymne lässt ukrainische Athleten verzweifeln. In diesen Momenten verliert der Sport seine politische Unschuld.
10.03.2026 | 3:33 minForster: "Der Druck war gewaltig"
"Es waren noch nie so viele Menschen und noch nie so wenig Platz für mich. Das war schon heftig", erklärte Forster mit Tränen in den Augen: "Der Druck von außen und von mir selbst war schon gewaltig." Jeder erwartete Gold von ihr - und die 30-Jährige lieferte mit ihren Triumphen ausgerechnet in den bisher für sie eher schwierigeren Disziplinen Abfahrt und Riesenslalom. Mit ihrer "krassen Performance" rettete Forster das deutsche Paralympics-Team auch im Alleingang vor einem historischen Gold-Debakel.
Rückschläge bestmöglich wegstecken, das ist der Weg zum Erfolg für die Para-Skirennläuferin Anna-Lena Forster. Bei den Paralympics 2026 hat sie das mal wieder eindrucksvoll bewiesen.
14.03.2026 | 3:52 minMit insgesamt 17 Podestplätzen (2 Gold von Forster - 6 Silber - 9 Bronze) wurde zwar das intern gesteckte Ziel erreicht, unter den Top vier der Nationen von der Zahl der Medaillen zu landen.
Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Behindertensportverbands, Cheick-Idriss Gonschinska, bilanziert die Paralympics.
15.03.2026 | 5:37 minAber im Vergleich zu den Winter-Paralympics 2022 in Peking mit 19 Medaillen (4 Gold - 8 Silber - 7 Bronze) ging es im von China dominierten Medaillenspiegel wieder ein Stück weiter abwärts. Ski-Bundestrainer Ralf Rombach zog dennoch ein positives Fazit für seine Sparte:
In dem Medaillenspiegel zählt ja eine goldene mehr als 100 in Bronze.
Ski-Bundestrainer Ralf Rombach
"Das spiegelt aber nicht die Teamleistung wider. Wir haben uns in der weltweit immer härter werdenden Konkurrenzsituation deutlichst weiterentwickelt", sagt Rombach.
Langlauf und Biathlon als Medaillen-Garanten - aber ohne Gold
Tatsächlich sorgten seine Sportler im Skilanglauf und Biathlon für die mit Abstand meisten deutschen Medaillen - in den drei anderen Sportarten schaffte es ansonsten nur Anna-Lena Forster aufs Podest. Im Para-Snowboard hatte der einzige deutsche Starter Christian Schmiedt genauso keine Medaillenchance wie das aus "Hobby-Sportlern" bestehende Para-Eishockey-Team, das Rang sechs im Duell gegen Profi-Teams trotzdem als Erfolg feierte.
Es gibt durchaus Anlass zur Sorge um künftige Erfolge für den deutschen Behindertensport, der in der Geschwindigkeit der Professionalisierung gegenüber anderen Nationen wie China, USA, Italien oder Ukraine nicht mithalten kann. "Es gibt Sondermittel für Olympia, aber bisher nicht für die Paralympics. Auch in Sachen Jahresförderung, Athletenförderung und der Zusammenarbeit mit der FES haben wir noch Potenziale, die wir erschließen wollen", kündigte Cheick-Idriss Gonschinska als Vorstandsvorsitzender des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) an.
Im olympischen Bereich fördert die Sporthilfe fast dreimal so viele Athleten, wie am Ende bei den Sommer- und Winterspielen dabei sind. Im Bereich der Sportler mit Behinderung fahren mehr zu den Paralympics als überhaupt gefördert werden können. "Das ist eine große Gefahr für künftige Erfolge", sagt Rombach. Gonschinska mahnte, dass die Politik mit Blick auf die deutsche Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele die Anstrengungen erhöhen müsse: "Hoffentlich haben die Bewerber-Städte bei den Paralympics genau hingeschaut. Hier werden besondere Geschichten erzählt – auch über die Fähigkeit, wieder aufzustehen und Herausforderungen zu bewältigen."
"Wir hätten uns schon ein paar mehr Ausreißer nach oben gewünscht", bilanzierte Marc Möllmann, der deutsche Chef de Mission. Rombach kündigte an, dass man vor allem das deutsche Gold-Problem bei seinen Sportlern analysieren wolle. "Natürlich sind auch Silber und Bronze ein Highlight, uns hat aber sehr oft das letzte Quäntchen für Gold gefehlt. Das ist sicher auch eine mentale Sache."
Marco Maier gewinnt mit Bronze in der Sprint-Verfolgung seine dritte Medaille. Im Kampf um die Gold kommt es zu einem packenden Zielsprint.
13.03.2026 | 2:44 minSein Top-Medaillensammler Marco Maier - gemeinsam mit Anja Wicker schaffte er es viermal aufs Podest - etwa schnupperte im modischen Kurzbein-Look im Biathlon und Skilanglauf gleich mehrfach an Gold. Am Ende holte er aber "nur" dreimal Bronze und einmal Silber.
Natürlich fühlen sich die Medaillen im ersten Moment gut an, aber dann denkt man auch: 'Mist, ich hätte lieber eine goldene'.
Marco Maier
Hoffen auf künftige Erfolge
Der erst 26-Jährige ist aber einer der deutschen Sportler mit Behinderung, die Hoffnung auf künftige Paralympics-Erfolge machen. Auch andere Medaillengewinner im Ski/Biathlon-Bereich wie Linn Kazmaier (19), Leonie Walter (22) oder auch Wicker (34) wollen auf jeden Fall bis 2030 weitermachen.
Andrea Rothfuss spricht über ihre Leistungen nach einer gesundheitlich schweren Zeit. Es werden ihre letzten Paralympics sein.
11.03.2026 | 3:03 minDagegen sieht es im Bereich der deutschen Alpin-Goldgaranten eher düster aus. Die nach Depressionen mit zwei vierten Plätzen stark zurückgekehrte "Grande Dame" Andrea Rothfuss (36) will nach 14 Medaillen nicht noch einmal bei den Paralympics antreten und durfte bei der Abschlussfeier am Sonntag die deutsche Fahne tragen. Anna-Lena Forster hat es offengelassen, ob sie bei den Paralympics in vier Jahren in Frankreich noch einmal antreten will.