Olympische und Paralympische Spiele:Referendum mit Hindernissen: Will Hamburg die Spiele?
von Hasset Tefera Alemu und Britta Hilpert
Als letzter möglicher Austragungsort stimmt Hamburg darüber ab, ob es Olympische und Paralympische Spiele will. Der Senat wirbt mit vielen Vorteilen - bei manchen stößt das auf.
Am Sonntag stimmen die Hamburger über die Bewerbung ihrer Stadt als Austragungsort der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 ab. Die Meinungen der Bewohner sind gespalten.
29.05.2026 | 1:58 minMehr Wohnungen, mehr und günstig gebaute Sportstätten, bessere Öffis und natürlich auch mehr Barrierefreiheit - alles das ganz schnell und vom Bund mitfinanziert! So wirbt kurz gefasst die Stadt Hamburg für ein Ja beim Referendum am Sonntag. Und gerade der Punkt Barrierefreiheit regt den Rollstuhlfahrer Hans-Jürgen Rehder auf. Er ist Paralympionike, sogar Bronzemedaillengewinner von Seoul 1988 im Tischtennis-Doppel, und trotzdem sagt er: "Am Sonntag stimme ich mit Nein."
Kritik an Olympia-Bewerbung Hamburgs wegen Inklusion
Wir begleiten ihn zu seinem Training und erleben, dass die ohnehin rechtlich garantierte Barrierefreiheit oft nicht umgesetzt ist. Dass nun Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg alles ändern, glaubt er nicht. "Auf Versprechungen möchte ich nicht viel geben, das hat sich in der Vergangenheit nicht ausgezahlt", sagt er.
Das Argument: Wenn wir Olympia kriegen, dann machen wir auch Inklusion für dich, das finde ich verwerflich.
Hans-Jürgen Rehder, Paralympionike
Man hätte es längst machen müssen, meint er, unabhängig von den Spielen.
Der Senat braucht für die Abstimmung am Sonntag jede Stimme und wirbt deshalb breit angelegt und mit viel Prominenz. "Cooles Ding", sagt Udo Lindenberg auf Plakaten und ebenso steht Tennisspieler Alexander Zverev für ein Ja. Alle erwarten ein knappes Ergebnis. Zum zweiten Mal nach 2015 versucht der Hamburger Senat, seine Bürger und Bürgerinnen von Olympischen Spielen in Hamburg zu überzeugen, damals schlug das fehl. Zu wolkig die Versprechungen, zu ungenau die Kalkulation.
Bei der Abstimmung zur Olympia-Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region zeichnet sich Zustimmung ab. Rund vier Millionen Menschen in der Region konnten ihre Stimme abgeben.
19.04.2026 | 2:56 minSenat wirbt für Olympia-Bewerbung und verteidigt Konzept
Diesmal habe der Senat alles besser gemacht, meint Sportsenator Andy Grote. Er ist sich sicher: Wenn die Hamburger ja sagen, dann sagt es das Internationale Olympische Komitee (IOC) auch und vergibt die Spiele nach Hamburg:
Wenn wir uns in der IOC-Agenda ansehen, was jetzt wichtig ist - Nachhaltigkeit und ein starker Impuls für eine positive Entwicklung des Sports und der Stadt, in der es stattfindet, dann glaube ich, dass wir sehr gute Konzepte haben.
Andy Grote, Senator für Inneres und Sport Hamburg
Denn vieles, was Hamburg für die Olympischen Spiele baut, müsste die Stadt sowieso angehen: Das alte Volksparkstadion muss erneuert werden, ein neuer Stadtteil soll so rechtzeitig fertig werden, dass er vier Wochen als olympisches Dorf genutzt werden kann. Mehr Wohnungen, bessere öffentliche Verkehrsmittel, bessere Sportstätten auch in Randbezirken und einen besseren Hauptbahnhof verspricht der Senat und all das mit Beteiligung des Bundes - wenn nur der Zuschlag für die Spiele an Hamburg geht.
So kalkuliert der Senat mit 4,8 Milliarden Euro Ausgaben und 4,9 Milliarden Einnahmen. Allerdings sind die Kosten für die Sicherheit noch nicht dabei - und die können beträchtlich sein.
Über 66 Prozent der Münchener haben für eine Bewerbung ihrer Stadt um die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 gestimmt. Doch bis zur Bewerbung gibt es noch einige Hürden zu überwinden.
27.10.2025 | 1:32 minMeinungen zur Olympia Bewerbung in Hamburg gehen auseinander
Rund 1,3 Millionen Menschen können bei dem Bürgerentscheid in Hamburg abstimmen. Die Meinungen gehen auseinander.
"Ich wäre dafür!", sagt Petra Ullmann auf dem Jungfernstieg, "es wäre ein tolles Ereignis für alle hier in Hamburg!" Anne Sauer misstraut der Kostenrechnung: "Wir meinen, es wird mehr kosten und in Hamburg wird schon so viel gebaut und getan und gemacht, dass wir das einfach zu viel finden." Weitere reden vom "Olympia-Wahnsinn" oder vom "Riesenspaß!"
Bei Hans-Jürgen Rehder in der Para-Tischtennis-Gruppe ist es nicht anders. Eine weitere Paralympionikin Beate Schippmann sagt: "Einerseits wäre es ja auch attraktiv für Hamburg, andererseits finde ich es schade, dass man das an Inklusion koppelt. Das sind zwei, finde ich, völlig unterschiedliche Dinge voneinander."
Teamkollege Christoph Wäge meint, seine Kinder freuen sich jetzt schon auf die Spiele in Hamburg und sagt: "Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn es hier stattfindet, und durch diesen Kick passiert dann auch was im Thema Visibilität und Barrierefreiheit."
Ob Hamburg sich tatsächlich um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben wird, entscheidet sich diesen Sonntag.
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