Hamburg: Jugendlicher soll Anschlag im Namen des IS geplant haben

Festnahme in Hamburg:Jugendlicher soll Anschlag im Namen des IS geplant haben

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Ein 17-Jähriger soll inspiriert von der Terrormiliz IS einen Anschlag geplant haben. Die Polizei nahm den Jugendlichen in Hamburg fest. Er hatte wohl verschiedene Ziele im Blick.

Generalstaatsanwaltschaft Hamburg

Generalstaatsanwaltschaft Hamburg

Quelle: Imago

Wegen der mutmaßlichen Vorbereitung eines Bombenanschlags haben Spezialkräfte der Polizei in Hamburg einen 17-Jährigen festgenommen. Der Jugendliche habe für seine Attacke Ziele wie ein Einkaufszentrum, eine Bar oder eine Polizeiwache ins Auge gefasst, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg am Montag mit.

Zu dem Anschlagsplan inspiriert wurde der Jugendliche syrischer Herkunft demnach durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat. Er soll geplant haben, eine unbestimmte Anzahl "Ungläubiger" zu töten.

Mutmaßliche Anschlagspläne in Hamburg: Verdächtiger war Behörden bekannt

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft beschaffte sich der bereits am Donnerstag festgenommene Verdächtige unter anderem bereits Dünger zur Vorbereitung. Als Alternative zu einem Bombenanschlag zog er demnach den Einsatz von Molotowcocktails als Brandsatz sowie eine Tatausführung mit einem Messer in Erwägung.

Neben Universaldünger wurden bei einer Durchsuchung bei ihm laut Ermittlern auch flüssiger Grillanzünder, ein Messer und eine Sturmhaube gefunden.

Symbolbild Islamischer Staat Ideologie

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16.12.2025 | 17:02 min

Der Ermittlungserfolg sei unter anderem "maßgeblich" auf Erkenntnisse des Bundesnachrichtendiensts, des Bundesamts für Verfassungsschutz sowie Untersuchungen des Bundeskriminalamts und des Landeskriminalamts Hamburg zurückzuführen, hieß es weiter.

Laut Generalstaatsanwaltschaft hatte die Behörde schon zuvor eine psychiatrische Begutachtung des 17-Jährigen veranlasst. Hintergrund war demnach ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Vereinsgesetz und anderer Delikte.

Experte: Terrorgefahr läuft "ungebremst weiter"

Der Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler bewertet im ZDFheute-Gespräch den verhinderten Anschlag als Erfolg der deutschen Sicherheitsbehörden. Zugleich warnt er davor, die islamistische Bedrohung wegen anderer internationaler Krisen aus dem Blick zu verlieren.

Nur weil jetzt hier eben ein Krieg im Iran ist, heißt das nicht, dass der IS aufhört.

Hans-Jakob Schindler, Senior Director beim Counter Extremism Project (CEP)

Gerade Konflikte im Nahen Osten würden "von allen Organisationen auch zur Radikalisierung genutzt" und ein "vorradikalisiertes Milieu" schaffen. Die Terrorgefahr laufe deshalb "ungebremst weiter". Laut Behörden wurde der Jugendliche syrischer Herkunft durch die Terrormiliz IS zu dem Anschlagsplan inspiriert. Schindler geht deshalb davon aus, dass sich der 17-Jährige wahrscheinlich online radikalisiert habe.

Der IS müsse dafür kaum noch selbst aktiv werden, erklärt Schindler:

Die stellen ihr Propagandamaterial und ihre Instruktionsvideos ins Netz.

Hans-Jakob Schindler, Terrorismusexperte

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Verstärkte Online-Radikalisierung durch TikTok

Anhänger müssten dafür längst nicht mehr nach Syrien oder in den Irak reisen, sondern würden sich online radikalisieren und eigenständig Anschläge planen. Genau das entspreche der Strategie der Terrororganisation seit Jahren.

Auffällig ist für ihn außerdem das junge Alter des Verdächtigen. Die zunehmende Verlagerung islamistischer Radikalisierung auf Plattformen wie TikTok führe dazu, dass immer mehr Minderjährige betroffen seien.

Wenn wir seit einigen Jahren von islamistischer Radikalisierung reden, reden wir in der Regel immer über TikTok.

Hans-Jakob Schindler, Terrorismusexperte

Dass der Verdächtige erst 17 Jahre alt sei, passe deshalb "ins Bild".

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Quelle: AFP, dpa
Über dieses Thema berichtete die heute-Sendung am 11.05.2026 ab 17:00 Uhr.

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