Paralympics: Ältester deutscher Teilnehmer "fühlt sich wie 29+"

Mit 60 Jahren bei den Paralympics:Eishockey-Spieler Wedde: "Vom Gefühl her bin ich 29+"

von Lars Becker

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Fahnenträger Jörg Wedde ist mit 60 der älteste Teilnehmer im deutschen Paralympics-Team. Warum sich der Routinier jung fühlt und er Urlaub für das Event nehmen muss.

Jörg Wedde

Auch mit 60 Jahren noch aktiv auf dem Eis: Jörg Wedde (Archivbild)

Quelle: Imago

Wenn Jörg Wedde auf seine 60 Lebensjahre angesprochen wird, kommen manchmal zarte Gedanken an Altersdiskriminierung in ihm auf. "Natürlich habe ich ein gewisses Lebensalter, aber Alter ist doch relativ. Von der Physis und dem Gefühl her bin ich 29+", sagt der älteste deutsche Teilnehmer dieser Winter-Paralympics mit einem Lachen.

Wedde ist gerade Opa geworden

Seine beiden längst erwachsenen Kinder (37 und 30 Jahre alt) hat er gebeten, ihm keine Geburtstagskarten zu schicken. Aber manchmal wird der jung gebliebene Mann, der mit 13 bei einem Bahnunfall beide Beine verlor, aber doch an sein Alter erinnert.

Zum Beispiel, als er in der vorletzten Woche zum ersten Mal Opa wurde. Seine Tochter hat ihm das erste Enkelkind geschenkt. Ein kleines Mädchen. Deshalb wird die ganze Familie auch nicht bei den Paralympics in Mailand dabei sein, wie es eigentlich geplant war.

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Am Freitag wird Wedde bei der Eröffnungsfeier im TV gemeinsam mit Alpin-Star Anna-Lena Forster als deutscher Fahnenträger zu sehen sein. Die Bilder dafür wurden aufgezeichnet. Wirklich einmarschieren wird der Routinier aus dem deutschen Para-Eishockey-Team aber nicht, weil Deutschland wie einige andere Nationen aus Protest gegen die Zulassung Russlands mit Flagge und Hymne nicht bei der Zeremonie dabei sein werden.

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Nach 20 Jahren wieder bei Paralympics

Jörg Wedde ist zum zweiten Mal bei den Winter-Paralympics dabei, nach einer Pause von 20 Jahren. An die Spiele 2006 in Turin erinnert er sich gern zurück, nicht nur wegen des starken vierten Platzes.

"Von der Eröffnungsfeier bis zum Ende waren diese Paralympics wie hingemalt." Das Olympische Dorf damals fand er schöner als das jetzt in Mailand. Aber es überwiegt die Freude, solch ein Mega-Event noch einmal erleben zu dürfen.

Ich habe schon diverse Male gesagt, dass ich in Sportler-Rente gehe. Aber dann kamen immer wieder Anrufe, die mich zum Weitermachen überredeten. Jetzt spiele ich eben so lange, bis sie mich wegschicken.

Jörg Wedde

Dass er immer noch im Nationalteam spielt, liegt an seinen außergewöhnlichen Eishockey-Fähigkeiten im Sitzschlitten, hat aber auch mit dem latenten Nachwuchsmangel zu tun. Und der liegt wiederum im komplizierten Setup für die Para-Eishockey-Spieler begründet.

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Wedde nimmt sich Urlaub für die Paralympics

"In meinem Verein in Hannover haben wir einmal pro Woche Eiszeit. Die beginnt 22:30 Uhr und endet um Mitternacht. Nicht die eleganteste Zeit: Der Eismeister ist längst nicht mehr da und wir sind die Letzten in der Nacht", berichtet Wedde. Bei einem solch späten Trainingsstart werde man mit Sicherheit kaum Talente für den Sport gewinnen. "Das ist doch selbst für Jugendliche viel zu spät", so Wedde.

Bei den Spielern im deutschen Para-Eishockey-Nationalteam läuft der Sport quasi nebenbei. Fast alle haben einen Hauptjob, in dem sie das Geld für ihr Leben verdienen müssen. Jörg Wedde arbeitet im Sanitätshaus. Für die Teilnahme an den Paralympics musste er ganz normalen Urlaub nehmen. So sei das eben in der freien Wirtschaft, sagt Wedde lakonisch: "Mein Chef sagt immer, dass er mich braucht."

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Sportlich hält Wedde bei den Paralympics eine Medaille für das mit vielen älteren Spielern gespickte deutsche Nationalteam für unerreichbar, weil die besten vier Teams unter Profi-Bedingungen trainieren.

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Und was passiert nach diesem Mega-Event mit der Ausnahme-Karriere des ältesten deutschen Sportlers bei diesen Paralympics? "Auf Vereinsebene mache ich weiter. Ansonsten habe ich meiner Frau gesagt: 'Schauen wir doch mal, wo die nächste A-WM ist'", sagt Wedde.

Selbst einen Start bei den Paralympics in vier Jahren in Frankreich kann sich der schon jetzt älteste deutsche Athlet auf der größten Bühne des Behindertensports vorstellen: "Wenn es nach mir ginge, wäre ich dabei." Er wäre dann 64.

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