Manche müssen Urlaub nehmen:Paralympics-Teilnehmer: Hobby-Athleten oder Profis?
von Lars Becker
Bei den Winter-Paralympics in Italien (6. bis 16. März) stehen viele Profis im deutschen Aufgebot – aber auch ein Lehrer oder eine Psychologin. Ein Blick hinter die Kulissen.
Alpin-Ass Anna-Lena Forster kann mittlerweile von ihrem Sport leben. (Archivfoto)
Quelle: action pressWenn es so etwas wie einen Star im deutschen Team für die Winter-Paralympics in Italien (6. bis 16. März) gibt, dann ist es Anna-Lena Forster. Die 30-Jährige will in Cortina im Monoskibob zu ihren bisher vier Paralympics-Triumphen weitere Goldmedaillen hinzufügen.
Das Alpin-Ass war zweimal Parasportlerin des Jahres und landete sogar bei der Wahl zu Deutschlands Sportlerin des Jahres im Duell mit weltbekannten Olympioniken im Vorderfeld. Aber kann sie auch von ihrem Sport leben?
Anna-Lena Forster gehört zu den erfolgreichsten deutschen Paralympics-Athletinnen im alpinen Skisport. Die ZDF-Doku "Paralympische Heldinnen" zeigt ihren Weg zu Gold.
24.02.2026 | 15:02 minForster kann vom Sport leben - ist aber Ausnahme
Reich werden kann man mit dem Para-Sport in Deutschland ganz sicher nicht. Das ist anderswo anders. Die in der Ukraine geborene US-Amerikanerin Oksana Masters - viermal Paralympics-Siegerin im Sommer und fünfmal im Winter - gilt dank ihrer einmaligen Geschichte und erfolgreicher Vermarktung als Millionärin. Im deutschen Paralympics-Team mit 40 Sportlern und Sportlerinnen plus acht Guides für die sehbeeinträchtigten Teilnehmer finden sich dagegen einige mit einem echten "Hauptjob".
Ich bin seit 2018 im Zoll angestellt, das war der wichtigste Schritt in Richtung Professionalität. Durch meine Erfolge finde ich auch leichter Sponsoren, aber ich muss auch selbst aktiv danach suchen. Uns fliegt nichts zu. Ich kann von meinem Sport inzwischen gut leben, aber da bin ich eher die Ausnahme.
Anna-Lena Forster
Der mit einer Wildcard in letzter Minute ins Team gerutschte Nordisch-Athlet Steffen Lehmker ist zum Beispiel Lehrer. "Er muss Beruf, Familie und Leistungssport unter einen Hut bekommen. Natürlich hat er da nicht die gleichen 100-Prozent-Bedingungen wie andere", sagt Bundestrainer Ralf Rombach. Für Großereignisse wie die Paralympics bekommt er zwar eine Freistellung von der Arbeit, aber nicht nur bei ihm gehen auch Urlaubstage fürs Training drauf.
Urlaub und Freistellung für das große Ziel
Kathrin Marchand, die nach Olympia und Sommer-Paralympics nun im Winter dabei ist, arbeitet als Ärztin in Teilzeit. Die ausgebildete Psychologin Andrea Eskau, je viermal Paralympics-Siegerin im Sommer und Winter, braucht von ihrem Hauptjob beim Bundesinstitut für Sportwissenschaft eine Freistellung für sportliche Highlights.
Die Zulassung von russischen Athleten, die bei den Paralympics wieder unter eigener Flagge an den Start gehen dürfen, hat für Empörung gesorgt.
03.03.2026 | 2:08 minHaustechniker Alexander Ehler kann nur dank Sonderurlaubstagen dabei sein und Maximilian Weidner muss sich als Juniorpartner im Sägewerk quasi selbst von der Arbeit freistellen. Es gibt aber auch die anderen Fälle im 21-köpfigen deutschen Nordisch-Team bei den Paralympics, vor allem in der jüngeren Generation.
Zoll und Bundeswehr beliebt
Viele studieren oder sind wie Linn Kazmaier noch Schülerin. Damit fallen die freie Zeiteinteilung und die Konzentration auf den Sport leichter. Noch professioneller sind die Bedingungen für die Sportler, die wie Leonie Walter oder Nico Messinger in der Zoll-Sportfördergruppe angestellt sind. Für die Guides ohne Behinderung steht auch die Tür zur Bundeswehr offen: Christian Krasmann oder Emelie Weiß etwa sind Sportsoldaten.
"Wir sind in den vergangenen Jahren wichtige Schritte in Richtung Profitum gegangen. Es gibt deutlich mehr Behördenstellen für Para-Sportler, auch wenn wir noch nicht so wie die olympischen Sportarten partizipieren dürfen", sagt Rombach.
Er ist ein Verfechter der dualen Karriere, also nicht der ausschließlichen Konzentration auf den Sport. Auch wenn das den Wettstreit mit den Para-Profis aus anderen Ländern schwerer macht.
Ich finde, dass die Sportler auch eine Ausbildung oder ein Studium machen sollen. Sich ganzheitlich entwickeln ist intellektuell das Richtige und auch für die Zeit nach der Karriere.
Bundestrainer Ralf Rombach
Übersicht der Wettkämpfe:Zeitplan, Ergebnisse und Medaillenspiegel
Alles zu den Winterspielen:Paralympics 2026
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