Ukrainer von Olympia ausgeschlossen:Streit um Skeleton-Helm: Sportler mit klaren Worten im ZDF
Er wollte an getötete ukrainische Sportler erinnern, die auf seinem Helm abgebildet waren: Jetzt wurde der Skeleton-Pilot Heraskewytsch von Olympia disqualifiziert.
Weil der ukrainische Skeleton-Pilot Heraskewytsch darauf bestand, mit Fotos verstorbener Sportler auf dem Helm zu starten, wurde er disqualifiziert. Im ZDF-Interview spricht er mit Katja Streso.
12.02.2026 | 5:07 minIm Streit um seinen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen ist der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Diese Entscheidung traf eine Jury des Weltverbands IBSF. Seine zuerst entzogene Akkreditierung und den damit verbundenen Zugang zum olympischen Dorf darf er auf Antrag der IOC-Chefin Kristy Coventry nun doch behalten.
Heraskewytsch enttäuscht von IOC
In mehreren Trainingsläufen war Heraskewytsch mit dem Helm gefahren. Darauf sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion.
Der Helm sei "eine Hommage an Athleten und einige von ihnen waren Medaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen. Das bedeutet, sie gehören zur olympischen Familie", erklärte Heraskewytsch.
Auf dem Helm sei keine politische Propaganda zu sehen und er würde auch niemanden beleidigen, erklärte Heraskewytsch im Interview mit dem ZDF. Er habe damit keine Regeln gebrochen.
Im Streit um seinen Helm ist der Ukrainer Heraskewytsch vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Auf dem Helm sind Bilder von im Krieg getöteten Sportlern zu sehen.
12.02.2026 | 0:23 minSkeleton-Pilot führt weitere Fälle an
Er verwies im ZDF auch auf zahlreiche Sportler, die mit Fotos an verstorbene Angehörige erinnert hätten: wie Maxim Naumov bei den jetzigen Spielen in Mailand Cortina 2026 oder den Deutschen Matthias Steimer, der 2008 Gold im Gewichtheben holte und auf dem Podest mit einem Foto an seine tote Frau erinnerte.
Er habe nie darüber nachgedacht, ohne den Helm zu starten. "Manche Dinge sind wichtiger als Medaillen", betonte er. Nun wolle er vor das Internationale Sportgericht CAS ziehen.
Auf dem Helm von Heraskewytsch waren die Bilder von getöteten ukrainischen Sportlern zu sehen.
Quelle: dpa | Alessandra TarantinoSkeleton-Pilot: Wollte nie Skandal provozieren
"Ich wollte nie einen Skandal mit dem IOC und habe ihn auch nicht verursacht. Das IOC hat ihn durch seine Regelauslegung herbeigeführt, die viele als diskriminierend empfinden", sagte Heraskewytsch vor dem Ausschluss in einem Video.
"Obwohl dieser Skandal es ermöglicht hat, lautstark über die getöteten ukrainischen Athleten zu sprechen, lenkt er gleichzeitig die Aufmerksamkeit enorm von den Wettkämpfen selbst und den teilnehmenden Athleten ab."
IOC-Chefin Coventry unter Tränen
"Ich wollte ihn heute wirklich gerne im Rennen sehen", sagte IOC-Chefin Kirsty Coventry am ZDF-Mikrofon unter Tränen. "Ich habe ihn nicht als Präsidentin gesehen, sondern als Athletin. Ich habe versucht, mit ihm als Athletin zu sprechen. Wir haben diese Regeln, um fair zu sein und den Athleten beides zu ermöglichen: ihre Meinung zu sagen, aber auch sicher zu sein." Es sei eine schwierige Situation für sie alle.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry reagiert emotional auf den Ausschluss des ukrainischen Skeletonpiloten Wladyslaw Heraskewytsch. Es sei eine schwierige Situation für alle.
12.02.2026 | 1:45 minDas IOC teilte weiter mit, Heraskewytsch sei nicht an einem Kompromiss interessiert gewesen. Auch bei einem Treffen mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry habe Heraskewytsch keinen Kompromiss akzeptiert, teilte das IOC weiter mit. "Er startet nicht, so ist das Reglement", sagte IBSF-Präsident Ivo Ferriani der dpa.
Politische Botschaften sind laut IOC-Regeln an den Wettkampfstätten untersagt. Die Dachorganisation hatte Heraskewytsch als Kompromiss angeboten, anstatt des Helms ausnahmsweise einen Trauerflor am Arm zu tragen. Das hatte der Ukrainer abgelehnt.
"Ich glaube, dass dem IOC so ein bisschen das Fingerspitzengefühl fehlt", sagte ZDF-Sportpolitikexperte Markus Harm zum Ausschluss des ukrainischen Skeleton-Piloten. Heraskewytsch gehe es vor allem um das Erinnern, er sende keine eindeutige politische Botschaft.
Die Ukraine habe sogar einen offiziellen Antrag gestellt, der schon lange beim IOC gelegen habe, so Harm. Jetzt habe vor allem das IOC daraus ein großes politisches Thema gemacht und deswegen sei so viel diskutiert worden. "Hätten sie es laufen lassen, wäre vielleicht gar nicht so viel diskutiert worden", schätzt der ZDF-Sportpolitikexperte ein.
Übersicht der Wettkämpfe:Zeitplan, Ergebnisse und Medaillenspiegel
Olympische Spiele:Olympia 2026
Sie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.