Mit Theiß und Móré in EM-Qualifikation:Debütanten heizen Kampf um Kaderplätze bei Handballern an
von Erik Eggers
Die deutschen Handballer kämpfen gegen Belgien und die Slowakei um Punkte in der EM-Qualifikation. Im Fokus aber steht der Kampf um die Kaderplätze bei der Heim-WM im Januar.
Der Wetzlarer Rückraum-Shooter Niklas Theiß ist einer von zwei Debütanten im DHB-Team für die anstehenden Spiele in der EM-Qualifikation.
Quelle: IMAGO / Lobeca"Das Kribbeln ist schon da, wenn man an die Zeit denkt, die da kommt", bekennt Marko Grgic. Auch der Rückraumspieler der SG Flensburg-Handewitt, der schon 42 Mal das Trikot der Nationalmannschaft getragen hat und im Januar als Vize-Europameister dekoriert wurde, blickt gut zwei Monate vor dem Auftakt in die Handball-Weltmeisterschaft schon auf das Großevent im eigenen Land.
Wechselwirbel um Handball-Nationalspieler Johanens Golla. Nachdem er Flensburg zunächst Richtung Melsungen verlassen hatte, will er nun wieder zurück.
02.10.2026 | 1:04 minJedenfalls stehen die beiden bevorstehenden Qualifikationsspiele für die EM 2028 für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ganz im Zeichen der Heim-WM. Am Donnerstag gegen Belgien in der riesigen Berliner Uber Arena (20:30 Uhr) und am Sonntag (18 Uhr) in Presov gegen die Slowakei ist das Team um Kapitän Johannes Golla jeweils großer Favorit.
Wenige Tests bis zur Handball-WM im Januar
Da Bundestrainer Alfred Gislason danach nur noch zwei Testspiele im Januar gegen Portugal zur Verfügung stehen, sei allen bewusst, "dass man alles geben muss, um sich zu beweisen", sagt Grgic. Der 23-jährige Rechtshänder dürfte freilich für den DHB-Kader gesetzt sein, der dann die erste WM-Medaille seit dem siegreichen "Wintermärchen" bei der WM 2007 gewinnen will.
Alfred Gislason bleibt über die Heim-WM hinaus Bundestrainer. Er ist seit Februar 2020 im Amt und führte die DHB-Auswahl bereits 2024 zu Olympia-Silber und 2026 zu EM-Silber.
22.05.2026 | 0:16 min"Es geht um die Plätze", sagt DHB-Sportvorstand Ingo Meckes. Das Gerüst des Teams freilich steht längst. Neben Kapitän Golla (Melsungen), dessen avisierter Wechselwunsch nach Flensburg viel Wirbel entfachte, dem vielseitigen Julian Köster (THW Kiel), Renars Uscins (Hannover) und Juri Knorr (Aalborg) sind auch die Torhüter David Späth (Löwen) und Andreas Wolff (Kiel), der in der Slowakei sein 200. Länderspiel bestreiten wird, sicher dabei.
Personelles Grundgerüst der Handball-Nationalmannschaft steht
Auch die Gummersbacher Miro Schluroff und Tom Kiesler haben gute Chancen. Doch auf Linksaußen und Rückraum rechts ist der Kampf um die Kader-Plätze voll entbrannt, wie zwei überraschende Nominierungen Gislasons deutlich machten: Gegen Belgien werden der Eisenacher Linksaußen David Móré und der Rückraum-Linkshänder Niklas Theiß (Wetzlar) ihr Debüt in der Nationalmannschaft geben.
Móré glänzt in der aktuellen Spielzeit mit sensationellen Torquoten: Über 91 Prozent seiner Würfe landeten im gegnerischen Tor - 16 Prozent mehr als bei Tim Freihöfer (Berlin) und Lukas Mertens (Magdeburg), der diesmal nicht dabei ist. "Das habe ich nicht erwartet. Aber ich weiß ganz genau, was die anderen Linksaußen in Deutschland leisten. Deswegen war es für mich eine coole Nachricht", sagt Móré.
Im Interview mit Lili Engels spricht DHB-Kapitän Johannes Golla über das EM-Silber, das lange umkämpfte Finale und die Heim-WM im nächsten Jahr.
02.02.2026 | 2:58 minFreihöfer und Mertens verfügen allerdings über einen großen Vorteil: Sie spielen mit ihren Teams seit vielen Jahren in der Champions League und profitieren daher von großer internationaler Erfahrung.
Debütant Theis mit guten Chancen auf Kaderplatz
Mutmaßlich größere Chancen auf einen Platz im WM-Kader hat Theiß, der bis zum Sommer noch in der 2. Bundesliga beim TV Hüttenberg spielte und bei der HSG Wetzlar verblüffend starke Leistungen zeigte. "Ich freue mich riesig. Es ist eine große Ehre, für sein Land aufzulaufen", sagt der 23-Jährige.
Zwar signalisierte Gislason seinem Konkurrenten Franz Semper, der Kampf sei noch völlig offen. Aber Semper ist verletzungsanfällig und trägt ein schweres Handicap: Mit Leipzig spielt er derzeit nur in der 2. Liga.
Belgien und Slowakei keine echten Gradmesser
Bundestrainer Gislason hofft, dass sein Stammpersonal bis zum Ende der Herbstserie verletzungsfrei bleibt. Bislang steht allein der Einsatz des Berliner Linkshänders Nils Lichtlein in Frage, der an einer Schulterverletzung laboriert.
Mit seiner enormen Passgeschwindigkeit wäre Lichtlein eine wichtige Alternative zu Spielmacher Knorr. Gegen die "roten Wölfe" aus Belgien und die Slowakei indes sollte es auch ohne ihn zu deutlichen Siegen reichen.