FIFA-Kongress: Der Weltfußball als Teil globaler Machtpolitik

FIFA-Kongress von Iran-Thema geprägt :Der Weltfußball als Teil globaler Machtpolitik

von Markus Harm

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Der FIFA-Kongress in Vancouver ist überschattet von Diskussionen um die Unabhängigkeit des Fußballs. Die Nähe zwischen Gianni Infantino und US-Präsident Trump steht im Raum.

FIFA-Präsident Gianni Infantino (rechts) überreicht Präsident Donald Trump am 07.03.2025 im Oval Office des Weißen Hauses in Washington den neuen offiziellen Ball der FIFA Klub-Weltmeisterschaft.

FIFA-Präsident Gianni Infantino (rechts) überreicht US-Präsident Donald Trump den neuen offiziellen Ball der FIFA Klub-Weltmeisterschaft. (Archivbild)

Quelle: AP

Selten war eine Vollversammlung des Weltverbands FIFA so stark von politischen Spannungen geprägt. Im Mittelpunkt des Treffens am kommenden Donnerstag in Vancouver: die wachsende Nähe zwischen FIFA-Chef Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump sowie die Frage, wie unabhängig kann der Fußball noch agieren?

Vorschlag von Trump-Vertrautem sorgt für Zündstoff

Spätestens seit der symbolträchtigen Auszeichnung Trumps mit dem FIFA-"Peace Prize" und der Teilnahme von Infantino am umstrittenen "Friedensrat" von Trump ist die Nähe zwischen Weltverband und US-Regierung sehr offensichtlich geworden.

Donald Trump hält eine Rede, während seine Berater Marc Rubio und JD Vance hinter ihm stehen.

US-Außenminister Rubio hat eine Teilnahme Irans an der Fußball-WM als alleinige Entscheidung Teherans bezeichnet. "Es gibt keine Aussage der USA, dass sie nicht kommen dürften", so Rubio.

24.04.2026 | 0:58 min

Der Schweizer Gianni Infantino setzt auf politische Zugänge, um die Mega-WM mit 48 Teams in den USA, Kanada und Mexiko abzusichern. Doch der Preis ist hoch: der Eindruck wachsender politischer Einflussnahme.

Der jüngste Vorstoß von Paolo Zampolli, einem engen Trump-Vertrauten und Berater in sportlichen Fragen, verstärkt diesen Eindruck massiv. Zampolli trug öffentlich vor, den für die WM qualifizierten Iran durch Italien zu ersetzen - ein Vorschlag, der weniger sportlich als geopolitisch motiviert wirkt.

Italien

Dass Italien zum dritten Mal in Folge die WM verpasst, schockiert die stolze Fußballnation. Die Probleme sind tiefgründig, Politik und Presse fordern weitreichende Konsequenzen.

02.04.2026 | 1:26 min

Die Reaktionen: Die FIFA und nationale Verbände wiesen die Idee zurück. Infantino selbst betonte erneut die Trennung von Politik und Sport - auch wenn diese insbesondere bei ihm in der Praxis verschwimmt.

Iran-Thema legt Konfliktfeld offen

Das Iran-Thema ist zum dominierenden Konfliktfeld vor dem Kongress geworden. Hintergrund ist der Krieg zwischen den USA und Iran sowie innenpolitische Repressionen im Land, die bereits zu Forderungen nach einem WM-Ausschluss geführt hatten.

A handout picture made available by the Pakistan Prime Minister Office shows Pakistani Prime Minister Shehbaz Sharif (R) attending a bilateral meeting with Iranian Foreign Minister Abbas Araghchi (2-L) in Islamabad, Pakistan, 25 April 2026. According to Iranian Foreign Ministry spokesperson Esmaeil Baqaei, no meeting was planned to take place between Iran and the US during Araghchi's visit to Islamabad.

Die Spannungen zwischen den USA und Iran lassen nicht nach. Trump sagte die Reise seiner Unterhändler nach Pakistan ab.

25.04.2026 | 2:05 min

Gleichzeitig sendete die US-Regierung widersprüchliche Signale: Trump erklärte, das Team sei "willkommen", stellte aber zugleich die Sicherheit infrage. US-Vertreter betonten, Spieler können einreisen, Einschränkungen können jedoch Begleitpersonal betreffen. Infantino hält dennoch an der Teilnahme fest:

Das iranische Team wird teilnehmen.

FIFA-Präsident Gianni Infantino

Auch DFB-Präsident und FIFA-Rat-Mitglied Bernd Neuendorf hat wiederholt betont, dass die sportliche Qualifikation die Grundlage für die WM-Teilnahme bleiben müsse. Aber: Der Fall zeigt, wie stark geopolitische Konflikte inzwischen direkt in sportliche Entscheidungen hineinwirken - und wie schwierig es für die FIFA geworden ist, Neutralität glaubhaft zu vertreten.

FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht während einer Sitzung des Board of Peace am U.S. Institute of Peace am Donnerstag, 19. Februar 2026, in Washington.

FIFA-Präsident Gianni Infantino ist seit zehn Jahren im Amt. Der 55-Jährige hat den Fußball-Weltverband mit harter Hand umgekrempelt. Unter ihm verschmelzen Sport und Politik zusehends.

26.02.2026 | 2:04 min

Mit Blick auf den Kongress stehen auch die Sicherheitsfragen der WM ganz oben auf der Agenda. Spiele mit iranischer Beteiligung gelten als besonders sensibel, insbesondere in US-Städten wie Los Angeles oder Seattle. Diskutiert werden zum Beispiel Einreisebeschränkungen für Delegationen, der Schutz vor politischen Protesten oder Anschlägen und mögliche Spielverlegungen.

Auch Trump-nahe Stimmen warnen vor Risiken durch "nicht-athletische Begleiter" - ein Narrativ, das die politischen Spannungen zusätzlich verstärkt.

Horrende Ticketpreise verärgern die Fans

Parallel wächst die Kritik an der Vermarktung der WM. Die Ticketpreise für Spiele in den USA gelten bereits jetzt als historisch hoch - ein Problem, das besonders europäische Fans betrifft. Offene Fragen bleiben: Sind die Kontingente für nationale Verbände bereits ausgeschöpft? Wie viele Tickets bleiben für "normale" Fans verfügbar? Werden nationale Verbände wie der DFB ausreichend berücksichtigt?

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Die WM 2026 wird groß, laut und politischer als je zuvor. Während FIFA-Boss Infantino in den höchsten Tönen schwärmt, gibt es gleichzeitig jede Menge Kritik. Was kommt da auf uns zu?

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Konkrete Zahlen sind bislang nicht vollständig öffentlich, doch aus Verbandskreisen ist zu hören, dass die Nachfrage die verfügbaren Kontingente deutlich übersteigt und der "normale" Fan oftmals das Nachsehen hat. Insbesondere in traditionellen Fußballmärkten wie Deutschland.

Der FIFA-Kongress in Vancouver wird daher weit mehr als ein Routine-Treffen. Er wird zum Stresstest für die Glaubwürdigkeit des Weltfußballs. Präsident Gianni Infantino steht dabei im Zentrum eines Spannungsfelds, das sich kaum noch auflösen lässt.

Der Weltfußball ist längst Teil globaler Machtpolitik geworden - und genau das wird in Vancouver wohl offen zutage treten.

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