Schwer angezählter FIFA-Chef :Wer Infantino noch die Treue hält - und wer nicht
von Florian Vonholdt
Aller Kritik zum Trotz bleibt Gianni Infantino im Amt. Sein Ablenkungsmanöver zeigt Wirkung. Die Folge: Die Fußballwelt präsentiert sich in der Präsidentenfrage gespalten.
Nach dem geplatzten Investorenplan kämpft FIFA-Boss Gianni Infantino um Unterstützung.
Quelle: ImagoDie Lage für Gianni Infantino wurde derart brenzlig, dass er sich genötigt sah, eiligst eine Krisensitzung einzuberufen. Im marokkanischen Rabat, wo im nächsten Frühjahr der Präsident der FIFA gewählt wird, versammelte der schwer unter Druck geratene Chef des Fußball-Weltverbandes am Mittwoch seinen engsten Führungskreis. Sein Ziel: Nach dem heftigen Gegenwind wollte Inszenierungsprofi Infantino ein Bild der Geschlossenheit in die Welt senden.
FIFA-Chef Gianni Infantino hat die Führungsriege demonstrativ auf sich eingeschworen. Gleichzeitig drohte er seinen Kritikern - auch dem europäischen Verband.
06.08.2026 | 1:11 minUEFA lehnt Infantino weiter ab, andere Verbände uneins
Und da Angriff die beste Verteidigung ist, holte er obendrein zum Gegenschlag gegen seine Kritiker aus: "Nach der Rücknahme des Projekts wird die FIFA keinerlei Angriffe auf ihre Integrität, ihre gute Unternehmensführung und die Einhaltung ordnungsgemäßer Verfahren mehr dulden."
Die UEFA als Hauptkritikerin ist wenig beeindruckt und bleibt bei ihrer Boykott-Drohung für FIFA-Turniere. "Die gestrige Bekanntgabe, dass einige Angestellte des FIFA-Präsidenten, deren Karriere von seinem Wohlwollen abhängt, ihm zustimmen, ändert nichts daran", hieß es deutlich.
Unterstützung für Infantino wächst
Aber so denken längst nicht alle Kontinental- oder Nationalverbände. In der Nacht nach der Sitzung postete Infantino demonstrativ die Unterstützungsschreiben aus der Mongolei und von den Philippinen. Zuvor hatten bereits fünf afrikanische Verbände - darunter der kommende WM-Co-Gastgeber Marokko - allesamt ähnlich lautende Stellungnahmen pro Infantino veröffentlicht.
Wenig überraschend schloss sich dann auch der afrikanische Dachverband CAF dem Tenor an. Der CONCACAF, Verband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, hatte sich zuletzt auf die Seite der UEFA geschlagen.
Nach der UEFA haben auch die Kontinentalverbände aus Asien sowie Nord- und Mittelamerika ihren Widerstand gegen Infatinos Investorenplan bekannt gegeben.
31.07.2026 | 1:29 minMexiko und Argentinien unterstützen Infantino öffentlich
Überraschend kam nun, dass Mexiko ausbrach und Infantino öffentlich seine Unterstützung aussprach. Auch Argentinien, Mitglied des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL, äußerte Zuspruch für eine Wiederwahl des Schweizers. Im asiatischen Verband AFC ergibt sich ein gemischtes Bild. Jordanien sprach sich klar gegen Infantino aus. Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait oder der Libanon schlugen sich auf die Seite des FIFA-Präsidenten.
Aus der UEFA hatten einzelne Nationalverbände explizit angekündigt, Infantino nicht wieder wählen zu wollen. Wales hatte den Anfang gemacht, es folgten der englische und der serbische Verband. Schweden schloss sich ebenso an wie Albanien und jüngst Norwegen. Doch es bedarf mehr Einigkeit unter den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden, um Infantino aus dem Amt zu drängen.
Gianni Infantinos Investorenpläne sind gekippt, sein Image heftig angekratzt. Mehrere Verbände haben dem FIFA-Boss das Vertrauen entzogen und fordern Konsequenzen.
02.08.2026 | 2:09 minSo könnte Infantino abgesetzt werden
Dafür gäbe es zwei Optionen: Der aus 37 Mitgliedern - inklusive des DFB - bestehende FIFA-Rat könnte mit einer Mehrheit eine Krisensitzung einberufen und dort für Infantinos Absetzung stimmen. Oder der FIFA-Kongress findet zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Um diese veranstalten zu können, wären 43 von 211 Stimmen nötig.
Bei einer regulären Wahl bräuchte Infantino im ersten Wahlgang eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Das wären 141 Stimmen, wenn alle 211 Mitgliedsverbände abstimmen. In einem möglichen zweiten Wahlgang genügt eine einfache Mehrheit. Heißt: Allein mit den 55 Gegenstimmen der UEFA, sollten deren Mitglieder weiterhin geschlossen auftreten, ist Infantino nicht beizukommen.
Nasser Al-Khelaifi gilt bei der FIFA-Wahl 2027 als möglicher Gegenkandidat für Infantino. ZDF-Reporter Kaben hat aber erfahren, dass dieser kein Interesse habe, "auf den FIFA-Thron zu steigen".
31.07.2026 | 3:18 minKein Gegenkandidat für FIFA-Wahl in Sicht
Ein weiteres Problem: Einen Gegenkandidaten, der sich spätestens bis zum 18. November finden müsste, gibt es nicht. Angesichts der gespaltenen Fußballwelt fällt eine Entscheidung über die Zukunft der FIFA wohl tatsächlich erst beim Wahl-Kongress am 18. März. Denn freiwillig, das hat Infantino mit seinem Auftritt in Rabat noch einmal verdeutlicht, wird er seinen Posten nicht räumen.
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