Hype um "Flüssigen Salat":Grüne Drinks: Kann Saft die Portion Gemüse ersetzen?
von Sven Markmann
Gemüse zum Trinken: Grüne Drinks versprechen die tägliche Portion Gemüse - praktisch im Fläschchen. Was die Säfte wirklich bringen und wo ihre Grenzen liegen.
"Flüssiger Salat" ist ein Rohkost-Saft, der schnell konsumierbare Vitamine und Ballaststoffe liefern soll. Ist dieser Saft nur ein teurer Trend oder unterstützt er eine gesündere Ernährung?
26.10.2026 | 4:09 minGrüne Drinks aus gepresstem Gemüse liegen im Trend: Allein 2025 ist der Absatz von Gemüsesaft in Deutschland laut dem Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie um rund zehn Prozent gestiegen. Das Versprechen: die tägliche Portion Gemüse, einfach zum Trinken. Doch wie sinnvoll sind solche Produkte wirklich?
Das steckt in Gemüsesäften
In den Säften steckt echtes Gemüse, oft ergänzt um etwas Obst. Entsprechend bewerben die Hersteller ihre Produkte mitunter als "Nährstoffbombe". Lisa Scholz, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale Hessen, relativiert:
Solche Säfte liefern auch Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Aber der Begriff 'Nährstoffbombe' ist aus unserer Sicht eher übertrieben.
Lisa Scholz, Ernährungswissenschaftlerin, Verbraucherzentrale Hessen
Nährstoffe seien zwar enthalten, nur eben nicht in bombastisch großen Mengen.
Deutschland gilt als Weltmeister im Safttrinken - und im Supermarktregal sorgt der sogenannte Muttersaft für Aufmerksamkeit. Gemeint ist der Saft aus der ersten Pressung von Früchten. Was hat es damit auf sich?
27.02.2026 | 3:19 minWas beim Entsaften verloren geht
Beim Pressen bleibt der feste Teil des Gemüses zurück und damit vor allem die Ballaststoffe. Gerade sie machen satt, bremsen die Zuckeraufnahme und sind wichtig für eine gesunde Verdauung.
Hinzu kommt: Ein Saft ist schnell getrunken, gekaut wird dabei nicht. Dabei kann das Kauen die Ausschüttung von Sättigungshormonen fördern. Da dieser Reiz fehlt, sättigt ein Saft deutlich schlechter als dieselbe Menge Gemüse auf dem Teller.
Wird das ganze Gemüse püriert statt gepresst, bleiben die Ballaststoffe erhalten. Doch auch das ersetzt das Kauen - und damit den vollen Sättigungseffekt - nicht.
In sozialen Medien wird "Superfood" speziell zum Schutz vor Krebs beworben. Es soll Entstehung und Wachstum von Tumoren hemmen. Doch was steckt hinter dem Begriff und hält das Versprechen?
04.02.2026 | 4:50 minErsetzt der Saft die Portion Gemüse?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag. Eine Portion entspricht etwa einer Handvoll. Die Bedeutung von Gemüsesäften ist in diesem Zusammenhang aber eher gering.
Solche Säfte können eine ausgewogene Ernährung ab und an ergänzen. Ein Ersatz für frisches Gemüse und Obst sind sie aber nicht.
Lisa Scholz, Ernährungswissenschaftlerin
Wer also denkt, er könne sein Gemüse einfach wegtrinken, liege falsch. Wer zur Ergänzung Gemüsesaft trinken will, kann ihn auch selbst zubereiten - mit einem Entsafter oder leistungsstarken Mixer. Der Vorteil: Man bestimmt die Zutaten selbst. Der Nachteil: Gemüse kaufen, kleinschneiden, entsaften und am Ende Gerät und Küche putzen, kostet Zeit. Das fertige Fläschchen nimmt einem genau diese Arbeit ab.
Wie können wir in Zukunft gut, gesund und gerecht essen? Moderator Eric Mayer trifft kreative Köpfe, die Ernährung neu denken und zeigen, was schon alles möglich ist.
22.10.2026 | 43:30 minWas "Flüssiger Salat", Gemüsesaft und Co. kosten
Besonders exklusive Produkte haben es in sich: Ein als "Flüssiger Salat" vermarkteter Drink etwa, der Gemüse wie Spinat, Staudensellerie und Gurke mit Obst wie Apfel und Zitrone kombiniert, kostet 17,36 Euro pro Liter. Herkömmliche Gemüsesäfte wie Karotten- oder Rote Bete-Saft gibt es deutlich günstiger: Ab zwei Euro pro Liter sind diese in der Drogerie oder im Supermarkt erhältlich, allerdings in Kartonverpackungen und nicht in den handlichen Viertelliter-Fläschchen.
Einen Unterschied beim Nährstoffgehalt zwischen den Premium- und den Budget-Produkten sieht die Verbraucherzentrale nicht.
Ergänzung ja, Ersatz nein
Grüne Drinks sind weder Wundermittel noch Mogelpackung. Sie liefern Nährstoffe und können eine ausgewogene Ernährung ergänzen. Ein Ersatz für frisches Gemüse sind sie nicht und oft kosten sie ein Vielfaches. Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, setzt am besten auf eine bunte, abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse zum Beißen.
Mehr zum Thema Ernährung
Nützliche Mittel bei Erkältungen?:Öko-Test: Schlechte Noten für Zink-Vitamin-C-Kombipräparate
von Florence-Anne Kälblemit Video0:55Essbare heimische Herbstfrüchte:Bucheckern und Eicheln: Wie man sie findet und zubereitet
von Tim Uhlendorfmit Video5:19Getränke und Ernährung:Direktsaft, Muttersaft oder Nektar: So gesund ist Saft
von Thilo Hopertmit Video3:17Kontrolle statt Genuss beim Essen:Orthorexie: Wenn gesunde Ernährung zum Zwang wird
von Anja Baumannmit Video5:00Wo stecken die guten Fette drin?:Omega-3-Fettsäuren: Wie Sie den täglichen Bedarf decken
von Brigitte Bäuerleinmit Video8:59