Nützliche Mittel bei Erkältungen?:Öko-Test: Schlechte Noten für Zink-Vitamin-C-Kombipräparate
von Florence-Anne Kälble
Viel hilft viel? Bei Zink und Vitamin C gilt dies offenbar nicht. Öko-Test hat 21 Kombipräparate geprüft. Drei Viertel fallen durch - auch wegen zu hoher Dosierungen.
Zink und Vitamin C sind wichtig für ein intaktes Immunsystem. Bei einer Erkältung greifen deshalb viele auf Kombi-Präparate zurück. Öko-Test hat 21 Präparate geprüft.
29.10.2026 | 0:55 minGerade in der nasskalten Jahreszeit greifen die Menschen gerne zu Nahrungsergänzungsmitteln mit Zink und Vitamin C. Sie sollen das Immunsystem unterstützen. Laut Öko-Test wird der Nutzen aber häufig überschätzt. Die Tester haben für die November-Ausgabe 21 Kombipräparate auf den Prüfstand gestellt.
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11.09.2025 | 5:52 minNutzen von Zink- und Vitamin-C-Präparaten überschätzt
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: 16 von 21 getesteten Produkten fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Die beste Note lautet "befriedigend" - und wurde nur einmal vergeben. Beim Cetebe Abwehr Fit Vitamin C + Zink in Lutschtablettenform gab es abgesehen von der Bewertung des generell mangelnden Nutzens keine Kritik an den Inhaltsstoffen.
Für das Gesamturteil "befriedigend" sorgten jedoch "Weitere Mängel" wie fehlende Hinweise auf Wechselwirkungen mit Medikamenten oder auch die Nutzung von Health Claims mit nicht zugelassenem Wortlaut.
Kein Mangel an Vitamin C
Die Tester prüften, ob Nahrungsergänzungsmittel gesunden Menschen nutzen. Bei Vitamin C sei die Studienlage eindeutig: Ein Mangel komme in Industrieländern praktisch nicht vor, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), da Zitrusfrüchte, Tomaten, Kartoffeln, Brokkoli oder Paprika rund ums Jahr verfügbar seien. Ein Glas Orangensaft und eine halbe Paprika zum Beispiel deckten den Tagesbedarf vollständig. Zusätzliches Vitamin C bringe gesunden Menschen keinen weiteren Nutzen. Öko-Test zog deshalb bei allen Produkten Punkte ab.
Öko-Test hat 28 Magnesiumpräparate getestet und dabei festgestellt, dass viele Präparate überdosiert sind. Außerdem seien teils nicht gesundheitsförderliche Zusatzstoffe darin enthalten.
04.06.2026 | 0:52 minDas Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 250 Milligramm Vitamin C pro Tag. Fünf der Produkte im Test enthielten mit 1.000 Milligramm pro Tagesdosis das Vierfache der BfR-Empfehlung - keines davon wurde besser als "mangelhaft" bewertet.
Mehrheitlich überdosiert
Die Spanne der Nährstoffmenge bei den getesteten Kombipräparaten ist groß: Pro Tagesdosis enthalten die Produkte zwölf bis 1.000 Milligramm Vitamin C und 2,25 bis 15 Milligramm Zink. Bei vier Präparaten lag die Zink-Dosis bei 15 Milligramm - mehr als doppelt so viel wie die vom BfR empfohlene Höchstmenge von 6,5 Milligramm. Insgesamt entsprechen nur vier der 21 getesteten Produkte den BfR-Empfehlungen zu Vitamin C und Zink.
Etwa jeder Zehnte in Deutschland hat einen Vitamin-B12-Mangel. Oft wird daher mit Nahrungsergänzungsmitteln ausgeholfen. Doch für wen sind diese Präparate sinnvoll?
20.07.2026 | 3:42 minEine ausreichende Zinkversorgung lasse sich mit ausgewogener Mischkost erreichen. Zink unterstützt die normale Funktion des Immunsystems und damit die Abwehr von Erkältungsviren. Aus den Studien lasse sich keine eindeutige Empfehlung für die Einnahme von Zink-Präparaten bei akuten Erkältungen ableiten, so Öko-Test.
Zu hohe Zink-Dosierungen können problematisch sein
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt für Zink eine tolerierbare tägliche Gesamtaufnahme von höchstens 25 Milligramm. Darin ist aber auch Zink aus anderen Quellen wie Lebensmitteln enthalten. Wer dauerhaft mehr als 25 Milligramm Zink täglich einnimmt, riskiere Folgen wie einen Kupfermangel. Kupfer ist wichtig für die Blutbildung.
Selen unterstützt die Zellerneuerung und das Immunsystem, bindet Schwermetalle und soll entgiften. Doch wie wirksam und wie riskant ist das Spurenelement wirklich?
24.06.2025 | 4:11 minUm eine zu hohe Aufnahme zu vermeiden, empfiehlt das BfR bei Präparaten mit mehr als 3,5 Milligramm täglich den Hinweis, keine weiteren zinkhaltigen Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Bei zehn Produkten fehlte dieser Hinweis, kritisierte Öko-Test.
Möglicher Zink-Mangel bei pflanzlicher Ernährung
Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, seien möglicherweise nicht optimal mit Zink versorgt, warnen die Tester. Zwar liefern auch pflanzliche Lebensmittel Zink, jedoch könne der Körper dieses wegen des enthaltenen Phytats mitunter schlechter aufnehmen. Phytat, ein natürlicher Phosphor- und Mineralstoffspeicher in Pflanzen, könne die Bioverfügbarkeit des Spurenelements reduzieren.
Astaxanthin gilt in sozialen Medien als Superfood für die Augen und die Haut. Doch Studien belegen die Wirkung nicht. Fachleute warnen vor überdosierten Präparaten und fehlender Zulassung.
28.10.2025 | 4:01 minProblematische Zusatzstoffe in Kombi-Präparaten
In zehn Präparaten fanden die Tester bedenkliche Inhaltsstoffe. Besonders kritisch bewertete Öko-Test Talkum, das in fünf Nahrungsergänzungsmitteln steckte. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft den Stoff als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Drei Produkte wurden wegen Phosphatverbindungen abgewertet. In drei weiteren kritisierten die Tester Polysorbat 80 oder Carboxymethylcellulose. Auch künstliche Süßstoffe in vier Brausetabletten führten zu Punktabzug.
So wurde getestet
21 Nahrungsergänzungsmittel (NEM) mit einer Kombination aus Zink und Vitamin C wurden in Drogerien, Supermärkten, Apotheken und Online-Shops in Form von Kapseln, Tabletten, Lutschtabletten, Brausetabletten sowie einem Flüssigkonzentrat eingekauft. Ausgewählt wurden Produkte, die laut Nährwertdeklaration keine weiteren Vitamine oder Mineralstoffe enthalten, in der niedrigsten angebotenen Dosis. Die Kosten pro höchster empfohlener Tagesdosis lagen zwischen drei Cent und 1,93 Euro. Zur Beurteilung des Nutzens der Präparate wurden aktuell veröffentlichte Studien ausgewertet und diese mit Experten diskutiert.
Von einem spezialisierten Labor wurden die Vitamin-C- und Zinkgehalte gemessen und geprüft, ob sie innerhalb der Toleranzbereiche der deklarierten Werte lagen. Da es keine EU-weiten verbindlichen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in NEM gibt, zog Öko-Test für die Bewertung die Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) heran.
Weiterhin wurden anhand der Zutatenliste der getesteten Produkte umstrittene Zusatzstoffe wie Phosphate, Talkum, Carboxymethylcellulose, Polysorbat 80 und Süßstoffe erfasst. Dabei wurde geschaut, ob die Pflichthinweise korrekt aufgeführt sind. Auch wurde darauf geachtet, ob gesundheitsbezogene Angaben laut Health-Claims-Verordnung zugelassen und im richtigen Wortlaut formuliert sind. Daneben wurde geprüft, ob wichtige Warnhinweise vorhanden waren wie etwa, dass ab einer Dosis von 3,5 Milligramm Zink pro Tag keine weiteren zinkhaltigen Präparate mehr einzunehmen sind.
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