Gefriergetrockneter Frucht-Snack im Test:Öko-Test findet Pestizide und zu viel Zucker in Erdbeerchips
von Florence-Anne Kälble
Gefriergetrocknete Erdbeerchips sind ein beliebter Snack. Im Test jedoch schneiden die Produkte nicht gut ab - keines bekommt von Öko-Test die Bestnote, acht fallen sogar durch.
Öko-Test hat 21 verschiedene gefriergetrocknete Erdbeerchips-Produkte getestet. Teilweise wurden Rückstände von Pestiziden und Schwermetallen gefunden. Welche Marken schneiden gut ab, welche fallen durch?
30.07.2026 | 0:43 minKnackig, fruchtig, vielseitig verwendbar - Erdbeer-Fruchtchips erfreuen sich großer Beliebtheit. Aber sind sie auch gesund? Öko-Test ist genau dieser Frage für seine August-Ausgabe nachgegangen. Das ernüchternde Ergebnis: ein Mix aus Pestiziden und zu viel Zucker.
Von 21 getesteten Produkten, die sich vornehmlich an Kinder richten, erhält keines das Testergebnis "sehr gut". Fünf Bio-Produkte schaffen es immerhin zu einer "gut"-Bewertung, wie unter anderem die Pumpkin Organics Kids Bio Erdbeere Fruchtchips.
Erhebliche Pestizid-Rückstände
Bis zu 34 verschiedene Pestizidspuren hat Öko-Test in einem einzigen Produkt nachweisen können. Die Koro Erdbeerscheiben gefriergetrocknet sind nicht nur der Rekordhalter, sondern auch das einzig konventionelle Produkt, das aus China stammt. Der Hersteller schickte ein Gegengutachten, nach dem das Produkt weniger Pestizide enthalte. Aber immer noch so viele, dass Öko-Test die Chips mit dem Gesamtergebnis "mangelhaft" bewertet.
Mehr als die Hälfte der Produkte - darunter auch Bio-Ware - enthielt Rückstände mehrerer Pestizide. Die einzelnen Mengen waren laut Öko-Test gering und nicht akut giftig. Wie sich solche Mehrfachrückstände auf die Gesundheit auswirken, ist jedoch bislang unklar. Im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes wertete Öko-Test deshalb bereits ab zwei verschiedenen Pestiziden ab. Bei 15 und mehr Rückständen gab es die Rote Karte.
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14.06.2026 | 43:33 minDer Trocknungsfaktor und Grenzwerte
Die Tester teilten den Anbietern vor der Veröffentlichung die Laborergebnisse mit. Viele Hersteller wiesen auf den Trocknungsfaktor hin, der den Berechnungen von Öko-Test bereits zugrunde lag. Die Pestizidgrenzwerte gelten für das ursprüngliche Produkt, die frischen Erdbeeren, und nicht für die getrockneten Fruchtchips. Durch den Wasserentzug komme es aber zu einer Konzentration des Inhaltsstoffs. Bei Zurückrechnung mit einem Trocknungsfaktor von zehn waren alle Chips gesetzeskonform.
Bei Vorhandensein von Mehrfachrückständen wurde der Trocknungsfaktor nicht herangezogen: Öko-Test betonte, es gehe nicht mehr darum, ob Hersteller gesetzliche Grenzwerte einhielten. Entscheidend sei vielmehr, wie viele Pestizidspuren beim Verzehr des Endprodukts aufgenommen würden.
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15.07.2026 | 5:46 minViel zu viel Zucker
Für Trockenobst zieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Europa die Grenze bei 12,5 Prozent Zucker. Erdbeerchips enthielten laut Test jedoch meist rund 50 Prozent Zucker. Bei neun Produkten wies die Verpackung zudem deutlich niedrigere Werte aus als die Laboranalyse.
Die Anbieter verwiesen auf natürliche Schwankungen je nach Sorte und Reifegrad. Die Tester ließen diesen Einwand grundsätzlich gelten, sahen die Hersteller aber in der Pflicht, ihre Angaben bei Bedarf anzupassen.
Die Erdbeer-Chips im Test bestehen aus gefriergetrockneten Erdbeer-Scheiben. Im ersten Schritt werden sie bei extrem niedrigen Temperaturen tiefgefroren. Danach wird ein Vakuum erzeugt. Nachdem die Luft aus der Kammer ist, wird sehr langsam Wärme dazugegeben, um die Fruchtscheiben zu trocknen.
Laut Öko-Test halte sich zwar das Gerücht, dass Vitamine beim Gefriertrocknen kaum verloren gehen. Aber im Test zeigte sich, dass eine Portion von 125 Gramm frischen Erdbeeren gut 70 bis 80 Milligramm Vitamin C enthielt, eine entsprechende Portion gefriergetrockneter Erdbeeren hingegen nur zwischen 24 und 48 Milligramm.
Schwermetall Cadmium gefunden
Weiterhin kritisierten die Tester Cadmium-Befunde in fünf Bio-Produkten wie unter anderem den mit Gesamtergebnis "befriedigend" bewerteten Alnatura Erdbeeren in Scheiben gefriergetrocknet. Erdbeeren können Cadmium über Böden, die mit Schwermetallen belastet sind, aufnehmen.
Cadmium ist ein giftiges Schwermetall, das sich im Körper anreichere und über einen längeren Verzehrzeitraum zu Nieren- und Knochenschäden führen könne, so Öko-Test. Ergab die Rückrechnung mit dem Trocknungsfaktor, dass der gesetzliche Grenzwert für frisches Kleinobst zu mehr als der Hälfte ausgeschöpft war, werteten die Tester das Produkt ab.
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04.08.2025 | 2:42 minBesonders bedenkliche Stoffe
Auch der Nachweis besonders bedenklicher Stoffe führte zur Abwertung eines Produkts. Dazu zählen das als krebsverdächtig geltende Captan sowie Cyprodinil, das im Verdacht steht, das Hormonsystem zu stören. Letzteres wies das Labor in den Rewe Beste Wahl gefriergetrocknete Erdbeeren nach. 2,4-D, das laut Öko-Test als vermutlich krebserregend eingestuft ist, wurde ebenfalls in einem Produkt durch das Labor ermittelt.
So wurde getestet
Für den Test wurden 21 Erdbeerchips-Produkte, darunter 14 Bio-Produkte, eingekauft. In der Auswahl bevorzugt wurden Produkte für Kinder. Waren diese nicht verfügbar, entschieden sich die Tester für Produkte mit neutraler Aufmachung. Gab es mehrere Gebindegrößen, wurden die kleineren Tütchen gewählt. Preislich lagen die Produkte zwischen 1,20 Euro und 2,99 Euro pro zwölf Gramm.
Die Chips wurden im Labor auf mehr als 500 verschiedene Pestizide hin untersucht, da Pestizide laut Öko-Test ein Thema im Erdbeer-Anbau sind. Weiterhin wurde überprüft, ob die Erdbeeren sich über mit Schwermetallen belasteten Böden mit Blei oder Cadmium angereichert hatten. Blei wurde nur in Spuren gefunden, wobei die gemessenen Gehalte den gesetzlichen Grenzwert um weniger als die Hälfte ausschöpften. Daneben wurden auch die deklarierten Zuckergehalte im Labor überprüft.
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