Nahrungsmittel in Konservendosen geprüft:Öko-Test: Lebensmittel in Dosen noch häufig mit BPA belastet
von Florence-Anne Kälble
Konserven sind praktisch und lange haltbar. Doch aus der Dose gelangen Bisphenole ins Essen. Öko-Test hat 52 beliebte Dosenlebensmittel darauf untersucht - von Ananas bis Ravioli.
Öko-Test hat Lebensmittel aus Konservendosen auf die Chemikalie Bisphenol A getestet. Diese kann die Fortpflanzung beeinträchtigen. In vielen Produkten wurden die Tester fündig.
27.08.2026 | 0:41 minDose auf, Inhalt in den Topf - und schon ist das Essen so gut wie fertig. Konserven sind praktisch, günstig und können lange gelagert werden. Doch die Dosen gelten als eine der Hauptquellen für den Eintrag von Bisphenolen in Lebensmittel. Öko-Test ist für die September-Ausgabe der Frage nachgegangen, wie stark Dosenlebensmittel mit Bisphenolen belastet sind. Hierzu wurden 52 Produkte untersucht - von Softdrinks über Ananas, Erbsen mit Möhren, Linseneintopf bis hin zu Heringsfilets und Ravioli.
Fertiggerichte werden beliebter: In den vergangenen Jahren wurden zunehmend mehr Tiefkühlpizzen oder Dosenravioli produziert, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen.
14.01.2026 | 0:41 minLebensmittelverpackungen mit Bisphenol zukünftig verboten
Hintergrund des Tests ist eine neue Verordnung, die seit Juli den gezielten Einsatz von Bisphenol A (BPA) und weiteren gefährlichen Bisphenolen in Materialien mit Lebensmittelkontakt verbietet. Damit reagierte die Politik auf eine Neubewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die 2023 die gesundheitlich tolerierbare Tagesdosis für BPA drastisch gesenkt hatte.
Das Verbot betrifft auch Konservendosen - noch wird allerdings eine Übergangsfrist gewährt. Für die Stoffe in den Lebensmitteln selbst gibt es keine Grenzwerte.
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07.10.2025 | 4:53 minWenige sind schon BPA-frei, viele haben erhöhte Werte
Die Testergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus. Im Bio Primo Linseneintopf rustikal aus der Weißblechdose konnte das Labor weder BPA noch BPS oder BPF nachweisen - ein Novum bei einem solchen Produkt. In einem Produkt aus einer Aluminiumdose wurden die Stoffe ebenfalls nicht gefunden; ob das Material Aluminium an der Stelle von Vorteil ist, konnte Öko-Test nicht sagen. Vier weitere Produkte enthielten nur sehr geringe Mengen.
In sechs Dosenlebensmitteln lagen die BPA-Werte dagegen mehr als hundertfach über der von der EFSA als gesundheitlich tolerierbar eingestuften Tagesdosis. Dazu zählten unter anderem die Maggi-Ravioli, bei denen das Labor zusätzlich stark erhöhte BPF-Werte maß. Insgesamt 42 Produkten bescheinigt Öko-Test eine "hohe" oder "sehr hohe" Bisphenol-Belastung.
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01.12.2025 | 5:08 minAuswirkungen auf die Gesundheit
Ab wann eine BPA-Belastung zu hoch ist, darüber sind sich europäische Fachbehörden uneinig. Unstrittig ist, dass BPA das Hormonsystem beeinflussen kann und seit 2016 als möglicherweise fortpflanzungsgefährdend gilt. In Tierversuchen wirkte sich der Stoff auf das Brustdrüsengewebe, den Menstruationszyklus und die Gehirnentwicklung aus.
Die EFSA legte 2006 erstmals eine gesundheitlich tolerierbare tägliche Aufnahmemenge fest. 2023 senkte sie diesen Wert um den Faktor 20.000, weil bereits sehr geringe BPA-Mengen das Immunsystem beeinträchtigen könnten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält einen 1.000-mal höheren Wert für vertretbar. Demnach würde beispielsweise eine Tagesportion Maggi-Ravioli die tolerierbare Menge nicht überschreiten. Öko-Test orientierte sich aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes am strengeren EFSA-Wert.
Für Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF) gibt es bislang keine eigene gesundheitlich tolerierbare Tagesdosis. BPS gilt in der EU als vermutlich fortpflanzungsgefährdend, für BPF werde eine entsprechende Einstufung erwartet.
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24.11.2025 | 1:42 minÜber die Beschichtung ins Essen
Bisphenole können aus den Beschichtungen von Konservendosen in Lebensmittel gelangen. Bereits 2023 fand ein Test in allen Dosentomaten BPA, obwohl die Innenflächen mit sogenannten BPA-NI-Lacken beschichtet waren, die ohne BPA hergestellt werden. In Tomaten aus dem Glas wurde der Stoff nicht nachgewiesen. Nachforschungen der Hersteller deuteten auf die Außenlackierung als mögliche Quelle hin: Beim Stapeln können Rückstände auf die Innenseite der nächsten Dose übertragen werden.
Auch der aktuelle Test stützt diesen Verdacht. Bei sieben der zehn Produkte ohne oder mit sehr geringen BPA-Gehalten verzichteten die Hersteller auf eine Außenbeschichtung oder verwendeten dort BPA-NI-Lacke. Innen sind diese Beschichtungen inzwischen Standard, außen läuft die Umstellung noch.
Ab 2028 ist BPA auch in Außenlacken verboten. Viele Hersteller wollen früher umstellen. Nestlé teilte Öko-Test mit, die Außenbeschichtung der Maggi-Ravioli-Dosen bereits auf BPA-NI umgestellt zu haben.
So wurde getestet
Öko-Test kaufte 52 Dosenlebensmittel unterschiedlicher Kategorien ein: zehnmal Linseneintopf, sechsmal Ravioli, neunmal Erbsen & Möhren, elfmal Ananasscheiben, zehnmal Heringsfilets und sechsmal Softdrinks.
Getestet wurde, ob bestimmte Lebensmittel stärker belastet sind als andere, weil sie sich zum Beispiel aus verschiedenen Zutaten zusammensetzen oder Inhaltsstoffe enthalten, die den Übergang von Bisphenolen aus der Dose ins Lebensmittel begünstigen.
Ein Labor, das auf die Analyse von Bisphenolen spezialisiert ist, hat alle Produkte ausschließlich auf Bisphenol A (BPA), S (BPS) und F (BPF) untersucht. Analysiert wurde, welche Gehalte in den Lebensmitteln selbst messbar sind.
Die Hersteller wurden seitens Öko-Test um Auskunft gebeten, ob die für Lebensmittel verwendeten Konservendosen über eine Außen- oder Innenbeschichtung verfügen, die ohne die Verwendung von BPA hergestellt wurde.
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